JAKOBS KAMPF – MEIN RINGEN


 

 

 

 

 

Einer unserer Söhne ist in einer schwierigen Schul- und Lebenssituation. Es war uns Anfang des Jahres klar, dass es einen langen Atem brauchen würde, bis er sich aus diesen Tiefen herausgearbeitet hätte.

 

 

Inhaltlich kann ich ihm leider nicht mehr helfen, und so fühlte und fühle ich mich da eher hilflos. Also beschloss ich, intensiv zu beten. Dieses vermeintlich ruhige Tun hat daher die letzten Monate meines Lebens sehr geprägt und tut es immer noch. Und wenn ich auf die Suche gehen möchte, welchen Sinn die Situation unseres Sohnes für mich hat, dann ist es sicher auch dies.

 

Da waren die Zeiten großer Zuversicht. Wenn ich nur genügend beten und bitten würde, wird Gott mein Gebet sicher erhören. Bittet, so wird euch gegeben! Zuerst war da die Frage in mir, ob ich Gott auch ganz konkret bitten, ihm mit meinem Anliegen täglich in den Ohren liegen darf. Oder müsste ich nicht viel mehr „Dein Wille geschehe“ sagen? Mein Geistlicher Begleiter gab mir das Bild mit von Jakob, der am Fluss Jabbok mit Gott solange gerungen hat, bis dieser ihn gesegnet hat. Ja, ich darf das auch: Mich festbeißen, mit Gott ringen, mit ihm suchen und immer und immer wieder „Bitte“ sagen!

 

Ich habe entdecken dürfen und müssen, dass Beten eine sehr emotionale und anstrengende Arbeit ist. Beten ist intensive Beziehungsarbeit mit Gott. Er nimmt mich ernst in meinem Ringen. Um was ringe ich? Zuerst einmal darum, dass er mir meine Bitte erfüllt! Und ich setze auch etwas dafür ein, ich biete ihm etwas an, um ihm zu zeigen, dass es mir ernst ist. Aber wenn ich weiter denke, dann ringe ich auch mit mir selbst, mit meinen Vorstellungen vom Glück, besonders vom Glück unserer Kinder. Und ich ringe um innere Freiheit.

 

Das empfinde ich als besonders bewegend. Denn bisher habe ich es als ein Ziel für mich angesehen, frei von meinen Vorstellungen zu werden. Und das ist es immer noch. Aber es ist etwas Neues dazu gekommen. Das Leben in all seinen Höhen und Tiefen, in Schönem und Schweren anzunehmen und zu „durchspüren“. Da war dann auch ein Gespräch mit einer Buddhistin. Sie empfahl mir, einfach meine ganzen Sorgen loszulassen. Und da spürte ich, dass ich nicht einfach so loslassen will, sondern dass ich für das Glück meines Sohnes kämpfen möchte mit all meinen Möglichkeiten. Nur nach innerer Ruhe zu suchen, empfand ich plötzlich als so langweilig und auch nicht als Teil einer lebendigen Beziehung zu Gott. Wenn es Gottes Wille ist, die Dinge anders laufen zu lassen, muss ich mich früher oder später sowieso dahinein finden, vielleicht zutiefst enttäuscht sein und hadern, aber bis dahin …

 

Gott ist ein Gott des Lebens. Und das Leben ist nicht nur ein ruhiger Fluss. Diese Zeit des intensiven Betens, des intensiven Ringens mit Gott empfinde ich als eine echte Einladung zur Beziehung mit ihm. Denn das entdecke ich dabei immer mehr als das Wesentliche: Meinen Weg mit Gott zu gehen.