GLOCKEN KLINGEN VON FERN


 

In stillen Stunden steigt Sehnsucht nach Gott auf aus dem Grund des Herzens.

 

 

Von Veneta, der heiligen Stadt, erzählt die Sage, sie sei auf den Grund des Meeres gesunken. Schiffer, die vorüberführen, hörten zu bestimmten Zeiten vom Grunde des Meeres die Glocken klingen. Veneta ist die heutige moderne Menschheit, ist mein Herz, ist meine Seele, bin ich. In stillen Stunden dringt im modernen Menschen die Sehnsucht nach Gott wie Glockengeläute nach oben. Sie bricht am stärksten durch, wenn der Mensch sich in einer ausgesprochen übernatürlichen Atmosphäre aufhalten kann und darf. Die übernatürliche Atmosphäre bedeutet einen Einbruch des Göttlichen in das Irdische und einen Aufbruch des Irdischen in das Göttliche.

 

 

Besondere Atmosphäre wirkt

Erfahrungsgemäß wissen wir, wo solch eine übernatürliche Atmosphäre am stärksten wirksam ist: An Gnadenorten, zumal marianischer Prägung, an Orten, wo religiös-schwunghafte Gemeinschaften wirksam sind, an Orten, wo die ewige Anbetung eine Heimat hat. … Ob wir den Mut haben, uns dieser Atmosphäre auszusetzen? Ob diese übernatürliche Atmosphäre in unser Gemüt hineindringt, um dort schöpferisch tätig zu sein?

 

Ich weiß von kraftvollen Menschen, die periodenweise an solche Orte kommen, nicht hauptsächlich, um an Kursen teilzunehmen, sondern lediglich, um die gesamte Atmosphäre in sich aufzunehmen, um neu ausgerüstet und widerstandsfähig in die Welt zurückzukehren. Sie besuchen Orte, mit denen religiöse Erlebnisse aus früheren Jahren verknüpft sind … Alle diese Orte reden eine geheime Sprache; sie verbreiten eine übernatürliche Atmosphäre, die den Besucher nach oben trägt und treibt.

 

Ein Beitrag von Pater Josef Kentenich, 02.10.1951

 

 Quelle: Unser Weg 2015 Qrt. 4