JAHR DER BARMHERZIGKEIT


 

Viele Flüchtlinge suchen bei uns Schutz und Sicherheit vor Krieg und Gewalt. Dahinein setzt Papst Franziskus ein deutliches Zeichen. Im Dezember beginnt das Heilige Jahr der Barmherzigkeit.

 

 

Entsetzliche Bilder begleiten uns seit Monaten und Jahren über die Zustände in den Krisengebieten unserer Zeit. Bei den einen rufen diese daraus entstehenden Flüchtlingsströme Abwehrhaltungen hervor, möglicherweise begründet in einer diffusen Angst den eigenen Lebensstandard nicht mehr halten zu können. Auch das Gefühl der Hilflosigkeit Fremden und Fremdem gegenüber kann ein Grund für zunehmend aggressives Verhalten sein. Andere hinge­gen lassen sich bewegen zu großartigen Leistungen der Hilfsbereitschaft und des mitmenschlichen Engagements.

 

Mich berühren lassen

Diese Barmherzigkeit gilt als eine der Haupttugenden und wichtigsten Pflichten der monotheistischen Religionen Christentum, Judentum und Islam, sowie auch des Buddhismus und des Hinduismus. Barmherzigkeit meint, sich berühren lassen vom Schicksal meines Gegenübers, mein Herz zu öffnen für die fremde Not. Dahinein passt das von Papst Franziskus für 2016 ausgerufene Jahr der Barmherzigkeit. Es wird am 8. Dezember beginnen, dem Fest der Unbefleckten Empfängnis Mariens und gleichzeitig dem 50. Jahrestag des Endes des II. Vatikanischen Konzils.

 

Barmherzigkeit ist einer der zentralen Ge-danken, die unseren Papst bewegen. Er ruft uns immer wieder auf, barmherzig zu sein, uns unserem Nächsten in welcher Not auch immer zur Verfügung zu stel­len. Mich berühren seine Worte aus einer Predigt anlässlich seiner Kubareise: „Und sie haben Dich dorthin geschickt, … wo die Zärtlichkeit und die Barmherzigkeit des himmlischen Vaters zur Liebkosung wird.“ Wenn wir, wenn ich barmherzig bin, dann kann Gottes Zärtlichkeit mit uns Menschen sichtbar werden. Was für ein großes Wort … Papst Franziskus zitiert dabei immer wieder den Heiligen Ambrosius: „Wo Barmherzigkeit ist, da ist der Geist Jesu. Wo Strenge herrscht, da sind nur seine Diener“.

 

Berührt werden

Barmherzigkeit hat noch eine zweite Richtung. Wir Menschen in unserer Schwäche brauchen ja auch Barmherzigkeit, die Barmherzigkeit Gottes, der uns wieder und wieder annimmt mit all unseren Fehlern, unserem mangelndem Vertrauen und unserem engen Herzen. Papst Franziskus: „An der Schwelle des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit bit­ten wir den Herrn, dass er uns verstehen lasse, wie sein Herz ist! Was Barmherzigkeit bedeutet. Was es bedeutet, wenn er sagt: ‚Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer!’“ Das lädt mich ein, mich Gott immer neu hinzu­halten und um seine Liebe, seine Zärtlichkeit mir gegenüber zu bitten, und genau hinzu­spüren, wo mein Herz verschlossen ist oder ängstlich fremder Not gegenüber. Das ist eine der Einladungen des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit.

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Liebe Mama,

vor 70 Jahren warst Du auch ein Flüchtlingskind. Das war in einer Zeit, als ähnlich viele Menschen wie heute unterwegs waren, um sich in Sicherheit zu bringen. Manche freiwillig, manche gezwungenermaßen. Alle waren darauf angewiesen, Hilfe und Schutz zu erhalten. Heute leben wir in unserem Land in Sicherheit und fühlen uns irgend­wie bedroht von den Massen, die an unsere Tür klopfen. Wir haben Angst um unseren Wohlstand …

Ich stelle mir dann vor, wie Du als kleines Mädchen mit Deinem Bruder und an der Hand Eurer jungen Mutter geflüchtet bist . Dein Vater war im Krieg und die Lage um euch herum wurde immer bedrohlicher. Deine Mutter, meine Oma, muss sehr mutig und stark gewesen sein, dass sie dieses Wagnis auf sich genommen hat. Du hattest nur eine Puppe mitnehmen können, die Du dann irgendwann unter einen Baum setzen mus­stest, weil sie Dir zu schwer wurde. Du hast von Bedrohungen erzählt , aber auch von viel Hilfsbereitschaft und Solidarität. Und jetzt sind wir in der Lage, Menschen wie Dir und Deiner Familie damals Schutz und Sicherheit zu geben. Zu wissen, dass ich vielleicht nur lebe, weil sich andere Menschen umDich gekümmert haben, berührt mich tief und fordert mich auf, nicht gleichgültig zu sei den Flüchtenden gegenüber, die heute unter­wegs sind. Dafür bin ich dankbar!

Deine Regina

    

 

 Quelle: Unser Weg 2015 Qrt. 4