WENN ALLE SICHERHEIT FÄLLT …


 

Unser Gebet für verfolgte Christen beschenkt sie – und uns selbst.

 

 

Zurzeit werden weltweit zirka 100 Millionen Christen wegen ihres Glaubens an Jesus verfolgt. Alle drei bis fünf Minuten stirbt ein Christ um seines Glaubens willen. 90 % aller um ihres Glaubens willen getöteten Menschen sind Christen. Es macht mich sehr betroffen, wenn ich vom Schicksal unserer Glaubensgeschwister er-fahre, und es macht mich nachdenklich, mit welcher Treue und welchem Mut sie zu Jesus stehen.

 

Was ist mir mein Glaube wert?

Ein Priester aus Aleppo berichtet, dass Christen nach dem Sonntagsgottesdienst kommen und ihm viele Fragen stellen, die er selber oft nicht beantworten und nur an Gott weitergeben kann. Ein Zeugnis die­ser Christen gibt dieser Pastor weiter: „Du kannst dich darauf verlassen, dass wir unse­ren Glauben nicht aufgeben werden; es ist besser zu sterben, als ohne ihn zu leben.“ Wie viele Menschen in unserem Land leben „freiwillig“ ohne ihn. Und ich selber? Wie viel ist mir mein Glaube an Jesus wert? Wäre ich bereit, für Ihn zu sterben? Ist Jesus mir alles wert? Woher nehmen diese Christen die Kraft und diesen Mut? Oft ist das Wort Gottes aus der Hl. Schrift die Richtschnur und Kraftquelle für ihren Alltag. Der Blick und die Ausrichtung ihres Lebens auf Jesus im Gebet macht sie fähig, Zeugen seiner Liebe zu sein. Immer wieder bitten Christen aus Ländern, in denen Verfolgung herrscht, eindringlich auch um unser Gebet.

 

Berührt vom Schicksal

So habe ich vor einiger Zeit auch angefangen, für verfolgte Christen zu be-ten. Tief berührt mich da-bei auch das Schicksal von Asia Bibi aus Pakistan. Sie ist verheiratet und hat fünf Töchter. Seit fünf Jahren ist sie in Pakistan im Gefängnis, denn ihr wird vorgeworfen, den Propheten Mohammed beleidigt zu haben. Sie hat wohl für eine Gruppe Frauen Wasser geholt und ist daraufhin aufgefordert worden, sich zum Islam zu bekennen, da die anderen Frauen einwandten, das Wasser sonst nicht trinken zu können. Infolgedessen sei eine Diskussion zwischen den An-wesenden entbrannt. Asia Bibi hat dann wohl sinngemäß ge-sagt: „Mein Jesus ist für mich gestorben. Was hat Mohammed für euch getan?“ 2010 wurde sie dafür zum Tod durch den Strang verur­teilt. Am 22. Juli 2015 wurde auf interna­tionalen Druck der Fall Asia Bibi erneut am Obersten Gerichtshof in Lahore verhan­delt. Diese Verhandlung war Asias letzte Chance, der Todesstrafe zu entgehen.

 

Zeichen des Himmels

An diesem Tag habe ich, wie sicher viele andere auch, ganz besonders für Asia Bibi gebetet und die Osterkerze in unserer Gebetsecke, unserem Hausheiligtum, für sie angezündet. Die Kerze erlosch, weil sie abge­brannt war, genau in dem Moment, als ich im Internet las, dass die Berufungsverhandlung erfolgreich war, die Todesstrafe ausgesetzt und ihr Fall neu verhandelt wird. Mich hat dieses Zeichen sehr berührt und ich habe mich gefreut, wie wir durch unsere Hausheiligtümer mit dem Himmel verbun­den sind und davon Segen ausgeht über alle Grenzen hinweg. „Ja mit Dir mehr Leben“ steht in unserem Hausheiligtum an der Wand geschrieben. Das Leben hat über den Tod gesiegt.

Jesus selber hat gesagt: „Ohne mich könnt ihr nichts tun“ (Joh. 15). Wenn wir mit ihm verbunden sind, wie die Reben mit dem Weinstock, dann wirkt Er in uns und durch uns. Die verfolgten Christen wissen das und empfangen diese Kraft von Gott im persön­lichen Gebet und auch durch unser Gebet.

 

Durch alle Stürme unseres Lebens

Im Laufe der Zeit habe ich gemerkt, dass dieser Gebetsdienst nicht nur ein „Geben“ ist. Ich werde selber so reich beschenkt. Von diesen Christen kann ich lernen, was oder vielmehr wer mir Halt gibt, wenn alle menschliche Sicherheit fällt. Pater Kentenich hat gesagt, dass wir die guten Zeiten nützen sollten, um uns vorzubereiten für die Stürme des Lebens, die es ja in jedem Leben gibt. Von der Verfolgten kann ich lernen, dass Jesus da ist, in jedem Leid, und dass deshalb das Gebet so entscheidend ist. Ich muss nicht alles verstehen, aber ich darf mit allem zu Jesus kommen und darauf vertrauen, dass er handelt. Ihm darf ich glauben und ganz vertrauen. Er ist mein Licht, er ist meine Kraft, wenn ich Angst und Zweifel bekom­me und in Gefahr bin darin zu versinken.

Pater Kentenich ist diesen Weg der Christusnachfolge mit Maria gegangen. Er hat Maria als seine Mutter und Erzieherin immer an seiner Seite gewusst, auch in der dunklen KZ-Zeit in Dachau. Von seiner Zeit im Gefängnis ist bekannt, dass Pater Kentenich mehrere Stunden in der Nacht gebetet hat. Das hat ihm Kraft gegeben, ihm seine Würde und Freiheit bewahrt und ihn in seiner Persönlichkeit wachsen und reifen lassen – durch alle Stürme dieses Lebens hindurch.