WEIHNACHTEN IM STALL


Im Dezember 2014 verwandelte sich der Ort Bärenbach in eine lebendige Krippe.

 

„Noch Betlehem kommet ihr net rei“, so empfing ein Bettler die rund 350 Besucher am Stadttor von Bärenbach, das für diese Nacht zu Betlehem wurde. Vier stattliche Römer bewachten das (Stroh-)Stadttor mit ihren Lanzen. Doch der mittlere Römer ließ sich für einen Silberling bestechen. So gab es doch noch ein Durchkommen.

 

Die vielen Gäste versammelten sich am „Marktplatz“, der eigentlich nur ein großer Baum in der Mitte des sehr überschaubaren Weilers ist. Dort spielte bereits eine kleine Blaskappelle. Durch die Menge hindurch kamen Maria und Josef und suchten Hof für Hof nach einer Herberge. Kinder dräng­ten sich neben der Heiligen Familie den Weg entlang, der ausschließlich von Fackeln erhellt wurde. Die Herbergen waren so gewählt, dass sie eine Art Bühne bildeten – eine Auffahrt oder ein Fenster im oberen Stock, wo ein Wirt herunterrief, damit die Zuschauer etwas sehen konnten. „Geht weg! Ich lass doch nicht so ein Gesindel ins Haus!“ oder „Ich hab keine Zeit – ich muss meine Kinder ins Bett bringen!“ ertönten die Abweisungen in original schwäbischer Mundart. Den Zuschauern wurde neu be-wusst, wie es wohl Maria und Josef in der Heiligen Nacht ergangen sein musste. Schließlich hatte ein Wirt ein Einsehen und beherbergte die junge Familie in seinem Stall.

 

Nebenan erhellte ein grelles Licht (ein 500 Watt-Strahler der Feuerwehr) die Nacht – der Engel verkündete den verdatterten Hirten die frohe Botschaft. Sie fanden das Kind im Stall und machten das große Tor auf. So konnten alle, die gekommen waren, das Kind auf dem Schoß von Maria bestau­nen. Während die Hirten mit der ganzen Zuschauergemeinde „Stille Nacht“ und wei­tere Weihnachtslieder sangen, hatte alle Zeit, das anrührende Bild zu genießen, in sich aufzunehmen und den Heiland in ihrer Mitte zu begrüßen. „Ein echtes Baby – das ist ja schön“, freute sich jemand. „Als dann das Scheunentor geöffnet wurde, lief es mir ganz kalt den Rücken hinunter“ oder „Schau, das Christkind krault den Josef im Bart“ waren weitere Zuschauerstimmen.

 

In einer anderen Scheune konnten sich alle mit Glühwein, Punsch und Zopf stärken und noch eine Weile beieinander verweilen. Und alle waren sich einig: „Die Atmosphäre war genial. Es hat einfach alles gestimmt.“

 

Zu diesem besonderen Krippenspiel haben zahlreiche Menschen beigetragen. Leute, die ich noch nie in der Kirche gesehen habe, waren als Hirte oder Soldat verkleidet und spielten mit. Das kam so: Ein Mit-Initiator von der Feuerwehr hat seine Kollegen ange­sprochen und motiviert. Ein Hausherr brachte eine Tafel mit der Aufschrift „Zur Mostschenke“ über seinem Kartoffelkeller an, der eine Herberge darstellte und brach­te daneben auch seine Ziegen unter. Viele waren von dieser Idee entzündet.

Dieses Jahr werden wir wieder am Sonntag vor Weihnachten Bärenbach in Betlehem verwandeln.

 

 

 Quelle: Unser Weg 2015 Qrt. 4