LEBEN ODER ARBEITEN?


 

Arbeit kann stressen und krank machen, sie kann aber auch Kraft spenden und Freude schenken. Was macht den Unterschied?

 

Ein Arbeitskollege erzählte gestern auf dem Flur einen Witz: Sagt ein Kollege zum anderen: „Hast du gewusst, dass jede Zigarette dein Leben um acht Minuten verkürzt?“ Darauf der andere: „Na und? Jeder Arbeitstag verkürzt mein Leben um acht Stunden!“ Ein spontaner Lacher, aber auch ein Anstoß zum Nachdenken: Beginnt das „richtige“, erfüllte Leben erst mit dem Feierabend? Leben wir von Wochenende zu Wochenende, von Urlaub zu Urlaub?

Für die allermeisten von uns ist Arbeit mehr als die Notwendigkeit, Geld für den Lebensunterhalt zu verdienen. Arbeit spielt eine wichtige Rolle für das Selbstwertgefühl, sie schafft einen stabilisierenden Rahmen für den Alltag, kann Quelle für unsere Zufriedenheit sein und ein Feld für soziale Kontakte bieten. Gleichzeitig gibt es eine immer größere Zahl von Arbeitnehmern in der westlichen Welt, die sich bei der Arbeit unglücklich und gestresst fühlen. Das kann im Extremfall zu körperlichen und seeli­schen Krankheiten und Zusammenbrüchen führen.

 

Auf die Haltung kommt es an

In einem Vortrag haben wir einmal den Satz gehört: „In der Arbeit sind wir Gott ähnlich, nehmen teil an seiner Schöpfung.“ Diese positive Sicht auf die Arbeit hat uns angesprochen.

 

Nur geht die leider im Alltag oft sehr schnell verloren. Aber wir haben die Erfahrung gemacht: Wenn es uns gelingt, unsere Arbeit mit unserer Mitte – und damit mit Gott – zu verbinden, geht uns nicht so schnell die Kraft aus. Die entscheidende Frage ist dann gar nicht: Was arbeite ich? Sondern: Mit welcher Haltung arbeite ich?

 

Ob ich den Fußboden wische oder eine Tabellenkalkulation durchführe: Ich kann diese Arbeit rein mechanisch verrichten – oder „beseelt“. Uns hilft es, wenn wir uns beim Arbeiten vorstellen, für wen wir diese Arbeit machen: Ich denke an meine Kinder, während ich ihre Wäsche bügle. Ich denke an den Kollegen, der auf mein Schreiben wartet, während ich formuliere. Ich denke an die Menschen, die mit den Autos fahren werden, an denen ich gerade mitplane … Die Arbeit bleibt dieselbe, aber meine Einstellung dazu ist eine andere.

 

Gott in uns

Und trotzdem gibt es immer wieder Momente, in denen die innere Balance fehlt und uns die Puste ausgeht. Wir haben beobachtet: Das ist meistens der Fall, wenn wir uns nur noch um uns selbst drehen und meinen, alles hinge allein von uns ab. Das trennt uns dann von den entscheidenden Kraft-und Energiequellen. „Alles vermag ich durch ihn, der mir Kraft gibt“, schreibt Paulus im Philipperbrief. Er konnte allen alles werden, ohne auszubrennen, weil er in der ständigen Gegenwart Gottes gelebt hat: „Nicht ich lebe, sondern Christus lebt in mir.“ Ein hohes und anspruchsvolles Ziel.

 

Es gelingt uns nicht immer, das im Alltag zu realisieren. Aber es gibt bei uns zu Hause und im Büro kleine Erinnerungszeichen, die uns auch in hektischen Situationen immer wieder helfen, an Gott zu denken und uns mit ihm zu verbinden: eine Spruchkarte an der Pinnwand überm Schreibtisch, ein Kreuz im Wohn-und Essbereich zu Hause, ein besonderer Handschmeichler in unse­rer Hosentasche, den wir immer wieder spüren und kurz berühren können. In solchen Momenten spüren wir Gott in uns und können uns von ihm kraftvoll beschenken lassen.

 

 

 

 Quelle: Unser Weg 2015 Qrt. 4