DURCHKREUZT


 

Manchmal haben wir Träume, Wünsche und Ziele für unser Leben. Wir machen uns Gedanken darüber, was wir aus unserem Leben machen wol­len. Aber manchmal kommt es doch ganz anders, als wir uns das ausge­malt haben. So war es auch in meinem Leben.

 

 

Mit dem Ende meiner Schulzeit fing es an, dass es mir gesundheitlich nicht gut ging. Ich konnte meine Ausbildung dennoch gut abschließen und fand auch einen passen­den Arbeitsplatz. Leider verschlimmerte sich meine gesundheitliche Situation von Jahr zu Jahr zusehends. Viele Aktivitäten, wie andere Jugendliche in meinem Alter sie unternahmen, konnte ich nicht mit­machen. Ich musste auf Vieles verzichten, aber meine persönliche Beziehung zu Jesus wuchs. Er war und blieb in diesen Jahren mein einziger sicherer Halt.

 

Ich hatte Eltern, die mir beistanden und Freunde, die mich unterstützten, aber wirklich helfen konn­te mir niemand. Die Ärzte fanden die Ursache mei­ner Beschwerden nicht und behandelten nur die Symp-tome. Schließlich machten sich die Nebenwirkungen der Medikamente bemerk­bar und es ging mir immer schlechter. Ich betete in dieser Zeit sehr intensiv und fragte Gott, was er von mir wollte. Immer wieder legte ich mein Leben ganz in seine Hand. In Schönstatt nennen wir das die „Blankovollmacht“.

Ursprünglich wollte ich gerne ins Kloster gehen, aber in diesem Zustand – undenk­bar. Was sollte meine Berufung sein? Was wollte der liebe Gott von mir? Wofür war ich auf dieser Welt? Wo war mein Platz? Diese Fragen stellte ich immer wieder.

 

Führung von oben

Die Arbeit im Büro füllte mich nicht wirk­lich aus. Ich dachte, ich bleibe so lange dort, bis Gott mir etwas anderes zeigt. Lange tat sich nichts. Eines Tages wurde ich ziemlich impulsiv, schlug mit der Faust auf den

Tisch und schrie zu ihm, dass er doch bitte deutlicher mit mir sprechen solle. Dann ging es ziemlich schnell. Es fügte sich so, dass mir keine andere Möglichkeit blieb, als meine Arbeitsstelle aus gesundheitlichen Gründen zu kündigen. Ich hing völlig in der Luft, war krank und arbeitslos, hatte aber die innere Gewissheit, dass der liebe Gott da seine Finger im Spiel hatte.

 

Dann fing das große Abenteuer an. Ich lebte einige Tage in einem Kloster um zu prüfen, ob dies meine Berufung sei. Ich bewunderte die Schwestern dort und das Leben, das sie führten, aber ich spürte ganz deutlich, dass dies nicht mein Platz war. Gesundheitlich ging es mir in diesen Tagen noch schlechter.

Dann durfte ich drei Jahre in einer christ­lichen Gemeinschaft mit anderen jungen Menschen leben und eine apostolische Arbeit tun, die mich sehr erfüllte. Es war eine sehr intensive Zeit. Ich machte viele neue Erfahrungen und lernte die katho­lische Kirche, auch die Weltkirche, besser kennen. Dennoch wuchs die Gewissheit, dass dieser Ort nur vorübergehend mein Platz war. Gesundheitlich kam ich auch in dieser Zeit oft an meine Grenzen. Ich verstand nicht, warum mich der liebe Gott so zappeln ließ. Ich probierte alter­native Heilmethoden und wandte mich dabei auch unbemerkt immer mehr der Esotherik zu.

 

Gott kann auf krummen Zeilen gerade schreiben

Gesundheitlich fühlte ich mich weder fürs Kloster noch für die Ehe geeignet. Ich kapitulierte und überließ Gott alles. Ich vertraute seiner Führung, obwohl ich oft das Gefühl hatte, dass Gott so weit weg ist. Ich fühlte, dass er mich liebt und wollte sei­nen Willen erfüllen. Ich war sogar bereit, zu sterben. Manchmal glaubte ich, alles nicht mehr auszuhalten. Ich schrie zu Gott, bat ihn, einzugreifen.

 

Gott kann die Widrigkeiten unseres Lebens benutzen und in Segen verwandeln, wenn wir sie ihm überlassen – aber zu seiner Zeit! Schließlich lernte ich meinen jetzigen Mann kennen. So wie damals, als ich für ein paar Tage ins Kloster ging, bat ich Jesus um Heilung. Damals ging es mir gesund­heitlich immer schlechter, jetzt aber ver­änderte sich alles. Ich wurde zu Exerzitien eingeladen und hier begann Jesus, in mein Leben einzugreifen. Ich durfte Jesus per­sönlich begegnen wie noch nie zuvor. Es war eine Gotteserfahrung, die ich nicht mehr vergessen werde. Nach etwa 14-jäh­riger Krankheit begann Jesus auch, mir die Gesundheit neu zu schenken, die es mir ermöglichte, den Weg der Ehe gehen zu können. Inzwischen sind wir seit 14 Jahren verheiratet und haben drei Kinder. Gott hat das Unmögliche möglich gemacht!

 

Quelle: Unser Weg 2016 Qrt. 1