»ES RIECHT SO KATHOLISCH«


 

 

Mit allen Sinnen glauben – die Sakramente helfen uns dabei

 

„Aber bitte keinen Weihrauch!“ Da kam die Gastfreundschaft unserer evangelischen Gemeinde doch an ihre Grenzen, als sie uns wegen der Renovierung unserer Kirche für die Osternachtsfeier ihre Kirche zur Verfügung stellte. Und nach den „Lumen Christi“-Rufen sollten wir auch nicht wie üblich das Licht der Osterkerze an viele Kerzen weiter geben. „Das riecht sonst so katholisch …“, meinte eines der Gemeindemitglieder. Umgekehrt bekamen wir im Kontakt mit evangelischen Pfarrern wie Gemeindemitgliedern oft zu hören, dass ihnen die Symbole und Rituale in unserer Liturgie gut gefallen.

 

Das Wort ist Fleisch geworden

Es ist eine Eigenart unserer christlichen Religion, dass sich Gott für unsere Sinne erfahrbar gemacht hat: In Jesus Christus bekommt der Vater ein Gesicht, in Jesu Reden wird Gottes Botschaft hörbar und mit vielen bildhaften Vergleichen illustriert, in seinen heilenden und vergebenden Begegnungen wird die Liebe Gottes sichtbar, spürbar. Als Jesus gar davon spricht, dass nur die in Gemeinschaft mit ihm bleiben

können, die sein Fleisch essen und sein Blut trinken, da wird es einigen zu viel und sie trennen sich von ihm (vgl. Joh 6,54;66). Das Leben Jesu war für die Menschen, die ihn erlebten, ein Heils-Angebot durch einen Menschen, mit allem, was dazugehört: „In allem uns gleich außer der Sünde“, für den ganzen Menschen, mit Leidenschaft, Zorn und Trauer, gemeinsamem Essen und Trinken. In Jesus wird Gottes Liebe nicht nur sichtbar, er teilt das ganze menschliche Leben mit uns – einschließlich seines Todes für uns.

 

Mit allen Sinnen Heil erfahren

Diesem Grundzug unseres Glaubens begegnen wir in den Sakramenten wieder. Sie greifen nicht nur menschliche Grundsituationen auf, sondern lassen uns mit unseren Sinnen erleben, dass jetzt etwas Besonderes geschieht. Das Konzil von Trient hat definiert, dass die sichtbare Handlung in den Sakramenten ein „sinnenfälliges Zeichen einer heiligen Sache und sichtbare Gestalt der unsichtbaren Gnade“ ist (Katechismus 322). Diese Zeichen sind aus unserem Alltag genommen:

 

So wie in Jesus als dem „Ursakrament“ sich der Vater zeigt, so glauben wir, dass in jeder Sakramentenspendung ganz dicht, unmittelbar und intensiv das gesprochene Wort, die ausgeführte Handlung und das gnadenhafte Geschehen zu unserem Heil ineinander verwoben sind.

 

Augen-Blicke im Alltag

Nicht nur in Höhepunkten unseres Lebens sind unsere Sinne Tore zur Gotteserfahrung. Jede Kultur und erst recht eine christliche Familienkultur lebt von der alltäglichen sinnlichen Erfahrbarkeit ihrer Werte. So wie eine lebendige Liebe sich in vielen kleinen Zeichen zeigt, so braucht auch unser Glaube Erfahrungsmöglichkeiten, „Augen-Blicke“, die uns an unsere Werte erinnern, die uns mit Gott verbinden. Bilder, Schmuckstücke mit religiösen Symbolen, Ehe- ring, Rosenkranz, Erinnerungszeichen an Tagungen … Wir nennen sie „Sakramentalien“.

 

Sie helfen uns, in einer „Atmosphäre des Glaubens“ zu leben, unseren Alltag zu heiligen. Deswegen lassen wir sie oft auch segnen, um sie von anderen Gegenständen unseres Alltags zu unterscheiden. „Wenn solche Zeichen fehlen, verarmt das christliche Leben“ (Katechismus 327). Die Feste unseres Kirchenjahres werden ebenfalls von vielfältigen Sinneserfahrungen geprägt: Advent, Weihnachten, Ostern, St. Martin, St. Nikolaus … Und auch Maria Himmelfahrt mit der Kräuterweihe hat seine Bedeutung, die mancherorts wieder zunimmt, obwohl es für die meisten ein Werktag ist. Eigentlich haben wir es als Eltern gut, denn gerade unsere kleinen Kinder helfen uns jeden Tag, wie wir mit allen unseren Sinnen leben und dabei auch immer wieder staunen und danken können.

 

Quelle: Unser Weg 2016 Qrt. 2