DAS LEBEN GENIESSEN UND FEIERN



 

 

Der Sonntag lädt uns jede Woche dazu ein und bietet eine Fülle von Möglichkeiten.

Ein Plädoyer für eine neue Sonntagskultur.

 

„Eine Pflanze kann ohne Sonne nicht existieren.
So kann ein Menschenherz ohne Freude
nicht sein und gedeihen.“

(Pater Kentenich)

 

 

Diese Sonne ist für uns seit unserer Kindheit der Sonntag. Er war schon immer ein ganz besonderer Tag in der Woche. An diesem Tag war alles anders. Keine Arbeit, dafür Kirchgang. Ein ganz besonderes Essen, das es nur an Sonn- und Feiertagen gab. Alle waren schick angezogen, oft gab es Besuch. An diesem Tag war alles anders, schöner, entspannter und irgendwie auch heller.

 

Wir wurden als Kinder mit einbezogen in die Vorbereitungen auf den Sonntag. So haben wir zum Beispiel regelmäßig den Hof gekehrt und im Haus aufgeräumt, Schuhe und Kleidung für den Kirchgang vorbereitet, beim Kuchenbacken oder Speisenvorbereitung für den Sonntag geholfen. Alle haben sich beteiligt und es entstand neben all den Aufgaben auch eine große Vorfreude auf den Sonntag. Dadurch wurden die Sonntage und Feiertage immer wieder zu äußerlich und innerlich erlebten Höhepunkten im Jahresverlauf.

 

Zeit haben

Als junge Familie mit drei Kindern stellte sich für uns auch irgendwann die Frage, wie wir den Sonntag gestalten wollen. Da wir beide aus Familien mit ähnlichen Werten und Traditionen stammen, waren wir uns schnell einig, dass wir an der als wohltuend erlebten Art, den Sonntag zu feiern, festhalten wollen. Und so richteten wir uns bewusst und gezielt auf die Feier der Sonntage als Familie aus.

 

Wir haben den Sonntag konsequent von Arbeit frei gehalten, besuchten keine verkaufsoffenen Sonntage oder Sportveranstaltungen und unternahmen auch keine Einzelaktivitäten ohne den Ehepartner. Soweit es möglich war, ermunterten wir unsere Kinder, die Hausaufgaben auch am Samstag zu erledigen, damit sie den Sonntag als freie Zeit für sich, fürs Spielen oder für andere Lieblingsaktivitäten erlebten, damit sie Zeit hatten für Treffen mit Freunden oder Verwandten und den Sonntag in vollen Zügen genießen konnten.

 

Kultur des Miteinanders

Aus der Sonntagskultur ist in unserer Familiensippschaft eine fruchtbare Kultur des Miteinanders entstanden. Wir erleben heute einen starken Zusammenhalt und immer wieder Freude aneinander. Wir er- leben, dass wir uns gegenseitig bei Problemen, gesundheitlichen Sorgen oder an- deren Herausforderungen durch Gebet, Mitfühlen, Zuwendung, und Aneinanderdenken gegenseitig tragen und unsere Beziehungen stärken. Wir schaffen damit einen von Liebe und gegenseitiger Wertschätzung geprägten Lebensraum für die nachfolgenden Generationen, die diesen starken Zusammenhalt als sehr positiv erleben.

 

Der Sonntag ist deshalb weit mehr als nur ein arbeitsfreier Tag für uns. Die Bewahrung der Sonntagskultur sichert ein Leben in Balance, gibt unseren Seelen Halt und ist ein unersetzbarer Baustein im Fundament des menschlichen Lebens. Die neueren Erkenntnisse der Gehirnforschung sagen, dass bewusste und unbewusste Sinneseindrücke, Erfahrungen und Erlebnisse nachhaltig „gespeichert“ werden und Tiefenwirkung haben, wenn sie mit Emotionen verbunden sind. Daraus schließen wir, dass diese Sonntagskultur unsere Lebensart und Haltung positiv geprägt hat und es uns ermöglicht, das Leben zu genießen und zu feiern. Wir wissen nicht, ob und wie unsere Kinder einmal den Sonntag gestalten werden. Wir wünschen ihnen einfach, dass sie sich den Sonntag als eine Quelle für echte Lebensfreude und erfüllenden Lebensgenuss bewahren.

 

Quelle: Unser Weg 2016 Qrt. 2