SINNESFROHER GLAUBE – DANK MARIA!



 

 

Maria war der Mensch, der Jesus am nächsten stand. Sie kann uns zu einer ganzheitlichen, lebendigen Christusbeziehung verhelfen.

 

 

Auf den ersten Blick gehören Glaube und Sinnesfreuden nicht unbedingt zusammen, weil es beim Glauben ja gerade um etwas geht, was unsere Sinne übersteigt. Umso überraschender bringt der Apostel Johannes bei seinem Christus-Zeugnis sinnenhafte Erfahrung ins Spiel. Er beginnt seinen ersten Brief mit den Worten: „Was von Anfang an war, was wir gehört und mit unseren Augen gesehen, was wir betrachtet und was unsere Hände betastet haben vom Wort des Lebens, (…) das verkündigen wir auch euch“ (1 Joh 1,1f).

 

Johannes hatte eine ganz besonders tiefe Beziehung zu seinem Meister Jesus. Wir kennen Johannes als den „Lieblingsjünger“. Er ist zugleich der Apostel, der nach der Stunde von Golgotha die Mutter Jesu zu sich nimmt (Joh 19,27). Bei ihm laufen die Linien zusammen, die wir als Herzmitte unseres Credos festhalten mit den Worten: „Und das Wort ist Fleisch geworden.“

 

Jesus war ganz Mensch

Wenn Gott Mensch wird, dann ist das nicht ein universeller, sondern ein ganz individueller Mensch mit einmalig konkreten Ausprägungen. Wir dürfen davon ausgehen, dass Jesus seiner Mutter sehr ähnlich war, weil er ja alles Menschliche ganz und ausschließlich von ihr hatte. Das gilt es immer neu zu betrachten, dass Jesus sein Menschsein und immer mehr Menschwerden auch lernen musste: das Reden, Essen, Trinken, das Gehen und mit den andern Umgehen, sein Art zu rea-gieren und einfach alles, was unser Menschsein ausmacht. Wo und von wem hat er das alles gelernt, wenn nicht daheim und dort vor allem von seiner Mutter Maria? Der menschgewordene Gottessohn war durch und durch marianisch geprägt.

 

So erkläre ich mir auch, dass die Apostel nach der Himmelfahrt Jesu, als er nicht mehr sichtbar unter ihnen war und sie buchstäblich nicht ein und aus wussten, sich ganz spontan um den Menschen scharten, der sie am meisten an ihren geliebten Meister erinnerte: „Sie scharten sich zum Beten um Maria, die Mutter Jesu“ (Apg 1,14). Papst Johannes Paul II. schreibt dazu in seiner Marien-Enzyklika: „Die Kirche schaute vom ersten Augenblick auf Maria von Jesus her, wie sie auf Jesus von Maria her schaute.“ Da haben wir es wieder: das Schauen, das sinnenhafte Wahrnehmen!

 

Mit Maria Jesus kennen und lieben lernen

Als die Apostel dann nach Pfingsten einen Ersatzmann für den ausgeschiedenen Judas wählen müssen, ist ihr Auswahlkriterium: „Es muss einer von den Männern sein, die mit uns zusammen waren in der ganzen Zeit, da der Herr Jesus unter uns aus und ein ging, von der Taufe des Johannes angefangen bis zu dem Tage, da er von uns hinaufgenommen ward …“ (Apg 1,21f). Das umfasst einen Zeitraum von drei Jahren. Bei Maria war er vorher dreißig Jahre lang ein- und ausgegangen! Eingegangen – wörtlich – in ihren Schoss, um dann dreißig Jahre in der Heiligen Familie zu leben und von dort zu seinem Erlöserwirken aufzubrechen! Darum vermag niemand die Person und das Geheimnis ihres Sohnes Jesus tiefer zu erschließen als seine eigene Mutter Maria. Papst Pius X. hat einen wunderbaren Satz geprägt für das, was Maria uns schenken kann: „Maria schenkt uns eine vitale Christuserfahrung.“ Jesus hat vom Kreuz herab seiner Mutter Maria Muttersorge und -aufgabe über uns alle anvertraut. So wird es ihr besonderes Anliegen sein, dass sie uns immer tiefer mit dem göttlichen Leben ihres Sohnes verbindet. Wenn wir sie dazu einladen, kann sie uns ihre einmalige Erfahrung mit Jesus näher bringen.

 

Quelle: Unser Weg 2016 Qrt. 2