DIE MAMA VERGISST DICH NICHT


 

 

 

 

Ich arbeite schon viele Jahre als Erzieherin, und habe viele Kinder kommen und gehen sehen. Das „ärmste“ Kind, das ich als Erzieherin je hatte, ist Tobias. Seine Eltern sind geschieden. Er ist zwischen Mama und Papa hin und hergeschoben worden. Bei ihm wurde dagnostiziert: Aggressives dissoziales Verhalten. Kurz vor seinem Geburtstag hat er erzählt, dass er seine Mama schon lange nicht mehr gesehen hat, und er fragte sich, ob sie wohl zu seinem Geburtstag kommt … Die Mama ist nicht zu seinem Geburtstag gekommen, und er war ganz traurig. Er sagte: „Meine Mama hat mich vergessen.“

 

Ich hatte die innere Anregung, ihm ein Bild der himmlischen Mutter zu schenken. Ich besorgte ein kleines „Pilgerheiligtum“. Vorher telefonierte ich mit zwei befreundeten Familien, und bat sie, mit mir für den Jungen zu beten. Am nächsten Tag habe ich dem Jungen das Bild mitgebracht und gesagt: „Schau, Deine Mama ist nicht da, aber Du hast eine Mama im Himmel, und die vergisst Dich nicht.“ Er hat das Bild freudig mit nach Hause genommen, obwohl seine ganze Familie keinen Bezug zu Religion hat. Seine Oma hat erzählte, dass das Bild neben seinem Bett steht und morgens, wenn er aufwacht, küsst er erst das Bild. Und an einem späteren Tag kam er in den Kiga und sagte: „Der Papa hat gesagt: Das Bild muss weg.“ „Was machst Du jetzt?“ fragte ich ihn. „Ich habe es in mein Kopfkissen gesteckt, dann findet es der Papa nicht. Jetzt schlaf ich da drauf.“

 

Ab diesem Zeitpunkt ist das Kind inner­lich ruhiger geworden, es hat wieder ein Strahlen in die Augen bekommen. Meine Chefin würde sagen, dass wir jetzt endlich anwenden, was sie uns schon lange emp­fohlen hat. Ich würde sagen: Es gibt Dinge, die können wir nicht machen. Da brauchen wir den Himmel, dass auch Veränderung passieren kann.

 

Quelle: Unser Weg 2016 Qrt. 2