WAS HINDERT DICH, EIN GROSSER ZU WERDEN?


 

 

 

 

Während des ersten Weltkrieges schreibt Pater Kentenich an seine ehemaligen Schüler, die an der Front kämpfen.

 

 

»Große Zeiten bringen immer große Männer hervor, schreiben Sie. Sehr richtig!

Was hindert Sie, auch einer von diesen Großen zu werden?«

an J. Fischer, 08.09.1914

 

»Die Feier ist vorüber. Auch Sie haben zu der Feier beigetragen. Bin stolz auf Sie … In aufrichtiger Liebe J. Kentenich PSM«

an J. Fischer, 10.12.1915

 

 

SCHWIERIGKEITEN SIND DA, UM ÜBERWUNDEN ZU WERDEN

 

Jedenfalls wollt Ihr doch eine Organisation schaffen, die Euch überdauert. Schon allein um dieses Zweckes willen ist eine intensive Selbsterziehung unbedingt notwendig. Sonst wird niemals etwas Dauerndes zustande kommen. Das beweist nicht nur die Natur der jugendlichen Psyche, sondern auch die Erfahrung aller Jugenderzieher.

 

Wiederum: Selbsterziehung findet ihre Stütze und Vollendung in der Religion. (…)

Eine andere Schwierigkeit besteht in dem Widerstand Eures Religionslehrers. Welches sind die mutmaßlichen Gründe für diesen Widerstand? …

Wie dem auch sei: Schwierigkeiten sind da, um überwunden zu werden. Von jeher war es unsere Art, gerade das Schwere mit ganzer Seele zu umfassen.

 

Aus Brief von J. Kentenich an einen der Jungen, 23.04.1915

 

 

ICH GLAUBE AN DEINE KRAFT

 

Kopf hoch und mutig weiter

Meine Briefe sind also doch bei Ihnen angekommen. Das freut mich. Wie es scheint, sind Sie bisher noch außer Lebensgefahr. Freut mich auch. Am meisten aber freut mich, dass Sie Ihren Grundsätzen und Idealen treu geblieben sind, trotz der schwierigen prosaischen (nüchternen) Verhältnisse. Umso lieber komme ich darum auch Ihrem Wunsche nach und zupfe unserer lieben himmlischen Mutter tüchtig und anhaltend an der Schürze, bis sie – schon um mich Quälgeist los zu werden – Ihre und meine Bitte erhört. Wenn Sie mit Ihrer Gesinnung trotz der schwierigen Zeitverhältnisse doch zum Ziele kommen – was ich zuversichtlich hoffe – dann bin ich überzeugt, dass Sie etwas Tüchtiges werden, vielleicht sogar das, was Sie voriges Jahr anstrebten, als Sie scherzweise den Vorschlag machten, mit der Wahl des Patrons zu warten, bis Sie so weit seien. Zu diesem Zwecke brauchen Sie aber selbstverständlich nicht zu warten mit Ihrem Streben, bis der Krieg zu Ende ist. Und nun wieder Kopf hoch und mutig weiter. An Schwierigkeiten sind wir gewohnt.

Aus Brief von J. Kentenich an J. Fischer, 09.02.1915

 

 

Trainieren, um erfolgreich gegen den Strom zu schwimmen

Die Gefahren mehren sich für Sie. Wenn Sie in Zukunft noch erfolgreich gegen den Strom schwimmen wollen, müssen Sie starke Arme, Muskeln haben. Darum – zumal Sie Zeit haben – vertieftes Streben nach Verwirklichung der Ideale: (…) Darf ich gelinde anfragen, was Sie in diesen Punkten tun?

Aus Brief von J. Kentenich an J. Fischer, 02.08.1915

 

 

Jeden Tag von neuem anfangen!

Gelt, Sie fürchten vergessen zu sein! Beileibe nicht! Gerade am Anfang eines jeweiligen Schuljahres denke ich mit Freuden – und mit einer Art Sehnsucht an Sie und an die Zeit Ihrer gesegneten Präfektur (=Gruppenführung)! – Der Karren ist jetzt wieder im Gange … Über das pulsierende Leben mögen andere Ihnen berichten. … Nun zu Ihnen! Gelt, es ist schwer, Mensch zu sein und in allen Wechselfällen des Lebens sich gleich zu bleiben. Gerade die Besten empfinden diese Unbeständigkeit am schmerzlichsten. Denken Sie an einen der Größten der Großen – an Paulus. Das, was ich nicht will, tue ich, und das Gute, das ich will, bringe ich nicht zustande. Das Meisterstück, das hier gemacht werden muss, heißt Geduld mit sich selbst und innere Verdemütigung. So zieht man aus seinen Schwächen und Fehlern Nutzen. …

Sie beklagen sich, dass Sie so oft Ihren Vorsatz nicht halten. Ist es nicht trotzdem ein großer Fortschritt, wenn Sie ungeachtet aller inneren Schwankungen und Misserfolge jeden Tag von neuem anfangen? Das ist die erste Bedingung, um sich aus dem Zustand bequemer Mittelmäßigkeit zur Höhe emporzuarbeiten, eine Bedingung, die auch Sie erfüllen können und müssen, wenn Sie bei den vielen Gnaden … nicht versumpfen wollen.

 

Aus Brief von J. Kentenich an J. Fischer, 07.11.1915

 

Quelle: Unser Weg 2016 Qrt. 2