KINDER, KIRCHE … KAMPF?


 

 

 

 

Aus und mit dem Glauben zu leben ist eine große Kraftquelle. Diese Quelle wollen wir Eltern auch unseren Kindern nahebringen. Und stoßen dabei immer wieder an Grenzen. Aber vielleicht ist das auch eine Chance, im Vertrauen zu wachsen …

 

Jeden Sonntag gab es die gleichen Diskussionen. „Muss ich mit in die Kirche? Es ist so langweilig …“ Wir haben darauf bestanden – weitgehend. In den vielen, oft mühsamen Gesprächen mit unseren Kindern haben wir uns dann auf einen Kompromiss geeinigt. An einem Sonntag im Monat durften sie zuhause bleiben. Der Vorteil waren die Auseinandersetzungen, die uns gezwungen haben genau hinzuschauen, was uns denn dabei so wichtig ist. Der Nachteil war, dass die Diskussionen nicht zu beenden waren, denn wenn es einmal geht, geht es ja vielleicht auch ein zweites Mal …

 

Jeden Sonntag gab es diese Diskussionen. Gab, weil unsere Kinder inzwischen alle gefirmt sind und wir dies als Zeitpunkt sahen, ihr Glaubensleben ganz in ihre eigenen Hände zu geben. Es fällt uns nicht immer leicht zu sehen, dass der eine oder andere am Sonntag nach dem gemeinsamen Frühstück wieder ins Bett wandert, während wir als Ehepaar alleine in die Kirche gehen. Und wir fragen uns immer wieder, ob wir etwas anders hätten machen müssen. Auf der anderen Seite spüren wir, dass sie ja ihren eigenen Weg finden müssen. Alle Kinder sind noch Ministranten und gehen, zumindest wenn sie eingeteilt sind, in den Gottesdienst. Zwei von ihnen sind auch in der Jugendarbeit aktiv und finden in den jeweiligen Gemeinschaften Wichtiges und Prägendes für ihr Leben. Wir spüren aber auch, dass sie kritisch sind, Fragen stellen und schon genau hinsehen, was in und um die Kirche herum geschieht. Wenn wir uns mündige Christen wünschen, ist das vielleicht der Preis. Und wenn Freiheit ein hohes Gut ist, dann müssen wir auch Ja sagen zu einer Entscheidung, die nicht die unsere ist.

 

Richtig oder falsch

Eine Freundin aus Studienzeiten wurde zusammen mit ihren sieben Geschwistern sehr streng – auch religiös – erzogen. Kirchliche Regeln wurden genau eingehalten, der Kirchenbesuch wurde eingefordert, bis die Kinder das Haus verlassen hatten. Vier Kinder haben religiöse Berufe, eine Nonne, zwei Priester, eine Religionslehrerin. Und vier wollen von der Kirche nichts mehr wissen. Das hat mich schon damals, noch bevor wir eigene Kinder bekamen, sehr beschäftigt. Haben die Eltern alles „richtig“ gemacht, oder eben nicht? Oder kommt es auf den jeweiligen Boden an, auf den der Same fällt?

 

Vertrauen

Aber vielleicht ist die Frage nach „richtig“ oder „falsch“ gar nicht die richtige Frage. Denn im einen Fall werden wir überheblich und im anderen Fall fühlen wir uns schuldig. Wir haben unseren Kindern mitgegeben, was wir für den jeweiligen Zeitpunkt als gut und hilfreich erachtet haben, wir haben uns bemüht, eine Atmosphäre der Liebe und des Vertrauens zu schaffen – und manchmal haben wir das auch geschafft. Und jetzt legen wir die Wege unserer Kinder in die Hände Gottes. ER hat einen Plan und eine Idee von ihrem Leben. ER weiß, wozu sie auf der Welt sind.

 

Wenn wir uns die Frage stellen, wie wir unseren Kindern Vertrauen in den Himmel vermitteln können, dann vielleicht am besten so, dass wir selbst uns einüben in dieses Vertrauen. Und wenn wir beten: „Dein Wille geschehe“, dann nehmen wir uns und ganz besonders unsere Kinder mit hinein.

 

 

Quelle: Unser Weg 2016 Qrt. 3