(ALL)TÄGLICH GLAUBEN LEBEN



 

 

 

 

Unser Alltag steckt voller Möglichkeiten, mit unseren Kindern Gott zu entdecken. Anja H. hat sich mit ihrer Familie auf die Suche gemacht …

 

Wir möchten unseren Glauben in unserer Familie glaubwürdig leben. Und wir haben gespürt, dass wir uns erst einmal bewusst machen: Wie wollen wir leben? Was ist uns wichtig und was soll von uns nach außen strahlen? Was macht uns als Familie persönlich aus? Was macht uns originell? Also – das Gute suchen, was uns Freude macht und das Empor-Lieben im Alltag! Wir sammeln immer wieder unsere persönlichen Werte und schreiben sie auch auf.

 

Du bist mir wichtig

In unserem Haus ist dabei zum Beispiel die Gastfreundschaft groß geschrieben. Das ist ein Wert, der uns leicht fällt zu leben. Jeder darf jederzeit kommen und erhält auch immer ein Glas Wasser oder eine Tasse Tee. Wir pflegen Beziehungen und stecken hier viel Energie hinein. Uns sind Umarmungen in unserer Familie sehr wichtig. Eine Umarmung ist das Schönste auf der Welt, sagt das Volk der Juden, denn eine Umarmung ist die erste menschliche Geste, mit der das Neugeborene Liebe erfährt. Jeder bei uns darf sich trauen alles zu sagen – hierzu ist die Wertschätzung eines jeden immer die Grundlage. Auch fragen wir uns immer wieder, wie wir mit Schuld umgehen. Wie möchten wir Versöhnung leben und kann ich mich auf die Vergebung in meiner Familie verlassen? Glaube im Alltag zeigt sich so auch in einer Atmosphäre des Zuhörens und der Empathie! Wenn wir im Gespräch und im Austausch bleiben, bleiben wir verbunden und leben den Glauben, weil Glaube auch und wesentlich Beziehung ist. DU bist mir wichtig! Das heißt auch: Du bist Gott wichtig und ich bin Gott wichtig.

 

Dieser Satz von Pater Kentenich, den er schon 1935 gesagt hatte, beeindruckt uns sehr und ist für uns Leitschnur in der Erziehung unserer Kinder. Das Gebet allein genügt nicht, wir möchten auch eine frohe Atmosphäre, in der wir uns freundlich und geduldig begegnen und den einzelnen als unverwechselbare Persönlichkeit annehmen und lieben. Und wir empfehlen unsere Kinder immer wieder unserem Vater im Himmel und unserer Mutter Maria.

 

Feste im Alltag

Glauben im Alltag leben – das heißt auch Feste ganz originell feiern. Wir decken den Tisch immer schön, an Palmsonntag mit Zweigen. Bei einer Freundin ist es Tradition, dass ein Stoff-Eselchen auf dem Palmsonntagstisch steht. Es wird erklärt, welche Bedeutung der Esel hat, denn er durfte den König tragen. An Weihnachten decken wir am Heiligen Abend immer einen Teller mehr, falls jemand an der Haustüre klingelt – ein armer oder bedürftiger Mensch. Der hat automatisch Platz an unserem Tisch.

 

Diese Tradition kommt wohl aus Polen und hat mich einmal sehr beeindruckt. Wenn wir vorbereitet sind, dann hat auch jemand Platz bei uns – gerade dann, wenn es uns sehr gut geht. Dieser Brauch schenkt Offenheit für Fremde und fordert die Dankbarkeit.

 

Segnen und Beten

Wir segnen uns auch bei jedem Abschied: „Gott segne Dich – er bewahre Dich vor Sünde, Tod und jeder Plag.“ Das ist aus einem alten Morgengebet in alter Sprache, aber es enthält alles, was für mich als Mut-ter wichtig ist, wenn die Kinder oder der Ehemann aus dem Haus gehen. Wenn unsere Kinder dann diesen Segen verlangen, weil man es manchmal auch vergisst, dann ist das Ritual im Alltag fest verankert. Die Kinder wissen sich im Glauben sicher und geborgen. Glaube im Alltag gelingt, wenn der Tag und das Jahr eine Struktur haben. Wir beten vor dem Essen und am Abend darf jeder seinen Dank und seine Bitte zu Gott bringen. Hier üben wir auch immer mehr das freie Beten. Pater Kentenich sagt dazu: „Mit dem lieben Gott so reden, wie der Schnabel gewachsen ist!“ Glaube im Alltag leben heißt auch mutig sein, wenn wir sonntags miteinander zur Kirche gehen, auch wenn manche unserer Nachbarn schon lange nicht mehr gehen. Wir gehen mit einem freundlichen Gesicht, weil wir wissen, welche Gottesbegegnung uns geschenkt wird. So ist für uns der Sonntag auch ein Sonntag, wenn er mit der Heiligen Messe beginnt.

 

Miteinander

Für uns gehört zu unserem alltäglichen Glauben auch der Austausch mit Gleichgesinnten dazu! Hier können wir uns weiter entwickeln. So sind wir sehr dankbar für unsere Familiengruppe, in der wir all das erleben.

 

 

Quelle: Unser Weg 2016 Qrt. 3