WAS VERLASSENE ELTERN TUN KÖNNEN – VIER BEWÄLTIGUNGSSTRATEGIEN

 

 

Wenn Kinder den Kontakt zu Eltern und/oder Geschwistern abbrechen, ist das für alle Beteiligten schmerzlich. Die Verlassenen müssen Schuld- und Schamgefühle aushalten, die Abbrecher sich mit Rache- und Verbitterungsgefühlen auseinandersetzen. Statt dauerhaft die Faust zu ballen, öffnen Sie Ihre Hand.

 

Mit dem Akronym HAND werden vier Strategien beschrieben für Eltern, die damit leben müssen, dass ein Kind den Kontakt abgebrochen hat.

 

H – Hoffnungsvoll leben

Halten Sie die Hoffnung warm! Wenn das Kind schon Monate oder Jahre nicht mehr die Eltern besuchte, neigt man zu Übertreibungen. Man stellt sich vor, dass man sein Kind nie mehr wiedersehen würde. „Nicht einmal zu meiner Beerdigung wird er/ sie kommen, wie schrecklich!“ Denken Sie nicht zu weit nach vorne. Der Weg entsteht beim Gehen. Glauben Sie an die Wiedervereinigung. „Wer Vertrauen hat, hat alles“, betonte Pater Josef Kentenich.

 

A – Andere einbeziehen

Teilen Sie Ihr Leid! Geteiltes Leid ist halbes Leid. Sie sind mit Ihrem Schmerz nicht allein. Wenn Sie sich umhören, werden Sie sehen, dass es auch in anderen Familien Zwist, Neid und Missgunst gibt. Vertrauen Sie sich einigen Verwandten und guten Freunden an. Bitten Sie Freunde und Verwandte, für Sie und Ihr Kind zu beten. Wenn möglich, bewegen Sie die Paten Ihres Kindes, mit Ihrem Sohn oder Ihrer Tochter Kontakt zu halten. Denken Sie daran: Verwandte und Freunde sind keine Agenten, die Ihnen Bericht erstatten müssen. Vertrauen Sie darauf, dass diese in positiver Weise die Beziehung zu Ihrem erwachsenen Kind warm halten.

 

N – Nicht nachtragend sein

Brüten Sie keine Rachegedanken aus! Wenn man ungerecht behandelt wird, neigt man zu Vergeltungsmaßnahmen. Schnell sind Rachegedanken geschmiedet: „Wie kann er/sie uns das antun? Wie undankbar er/sie ist! Ich werde ihn/sie enterben.“ Nehmen Sie diese Gedanken vom Gefühl her ernst: Sie leiden, es geht Ihnen wirklich ans Herz. Aber setzen Sie die Gedanken nicht in die Tat um.

 

D – Dialogbereit bleiben

Bleiben Sie offen für das Gespräch! Lassen Sie Ihrem Kind die Freiheit, nicht auf Ihre Kontaktangebote einzugehen. Er/sie will Abstand – nicht Nähe – zu Ihnen. Wenn noch ein Kommunikationskanal offen ist (E-Mail, WhatsApp, Facebook, Brief), dann halten Sie zu bestimmten Anlässen achtsamen Kontakt. Schreiben Sie Ihrem Sohn oder Ihrer Tochter zum Geburtstag. Worte können vereinnahmend oder fordernd ankommen. Fassen Sie sich kurz. Wählen Sie eher neutrale Formulierungen, wie bei einer fremden Respektsperson. Verwenden Sie eine übliche Anrede und fügen Sie Ihre Unterschrift oder Ihren Namen bei. Teilen Sie Ihrem Kind mit, wenn jemand aus der Familie schwer erkrankt oder gestorben ist. Informieren heißt nicht, dem anderen ein schlechtes Gewissen machen. Erwarten Sie keine Antwort. Vertrauen Sie darauf, dass Ihr Kind Ihre Zeilen liest.

 

 

Quelle: Unser Weg 2016 Qrt. 3