GOTTES BARMHERZIGE LIEBE ERFAHREN


 

 

Jahr der Barmherzigkeit

 

 

Nehmen Sie sich die Zeit, wenn ich so sagen darf, sich eine Barmherzigkeitslitanei zu schaffen. Eine Barmherzigkeitslitanei, nicht eine Armsünderlitanei! Ich werde sehen, die Barmherzigkeitslitanei wird eine Armsünderlitanei: Dafür und dafür und dafür danke ich dir. Aber nicht flüchtig, betriebsmäßig, sondern wir müssen uns hineinfühlen, hineinleben, damit unser Lebensgefühl umgewandelt wird, damit wir so stark das Bewusstsein bekommen: Ich bin der Augapfel Gottes. Erwidern sie doch nicht, das macht mich stolz! Das macht mich demütig! Ich bin der Augapfel Gottes. Sie sollen sehen, was für Kräfte in Ihnen wach werden, gesunde Kräfte.

 

Ist alles nur Bluff gewesen bei mir?

Ich muss die Wohltaten kennen, besonders die individuellen Wohltaten, die Gott mir in besonderer Weise erwiesen hat. Sie denken an die Gaben, aber auch an die Aufgaben. Wahrhaftig, darf ich mich nicht zurückschauend erinnern an alles, was Gott in mir und durch mich gewirkt hat? Ist denn nun alles Bluff gewesen, umsonst? Wenn ich nicht da wäre, gäbe es ganze Kreise, ganze Segensströme in der Welt nicht. Die Dinge auch einmal sehen!

 

Ich darf Ihnen raten, nicht nur eine Barmherzigkeitslitanei sich aufzustellen, sondern grundsätzlich abends sich ein Plätzchen zu reservieren: Wofür haben wir heute zu danken; und wie kann ich nachholen, was ich heute vernachlässigt habe? Da haben Sie die ganz besondere Art der göttlichen Barmherzigkeit, der ganz besonderen Wohltaten.

J. Kentenich, 11.10.1934

 

 

 

Schweres tragen

Ich suche das Leid, das sehr schlimm für mich ist oder war – in der Vergangenheit, im Heute oder in der Zukunft und sage: Mein Gott, du darfst.

Barmherzige Liebe ist es auch, die uns Kreuz und Leid zu senden versteht. Kreuz und Leid, wie es auch immer heißen mag, was ist das? Ein „kleiner Freund“ des Himmelsvaters. Was will er damit? Er will uns frei machen von uns selber. Was heißt das, misericordia Domini, Erbarmung des Herrn? Ich denke also an die Gebrechlichkeit meines Körpers, denke meinetwegen an wirtschaftliche Schwierigkeiten, an Enttäuschungen. Was ist das alles, von Gott ausgesehen? Ein „kleiner Freund“ Gottes, der dem lieben Gott hilft, aus mir etwas Gescheites zu machen. (…)

 

Das ist barmherzige Liebe, dass ich jetzt krank geworden bin. Ja, weil diese Krankheit der „kleine Freund“ Gottes ist, deswegen betrachte ich den „Freund“ auch wie Gott selber und lasse mich von ihm formen und gestalten. (S. 151 Moab Bd 5)

 

Meinem Vater von Herzen verzeihen

Ich gebe das Erbarmen Gottes weiter

Wir erinnern uns: Wie ist mein Vater mir in meinem Leben begegnet? Was habe ich ihm zu verdanken? Was hat er alles für mich getan? Und wenn er jetzt in der Ewigkeit ist, will ich wieder einmal so ganz ausdrücklich an ihn denken und ihm von Herzen dankbar sein für alles, was er mir irgendwie Gutes getan hat, dass er mir das Leben gegeben, dass er gesorgt hat für Gesundheit, für Ausbildung – oder was auch immer er mir getan hat.

Aber wenn ich mir sagen muss, da und dort hat er versagt – vielleicht: das eine Kind hat er so ausbilden lassen, ich habe keine Ausbildung bekommen; was das auch sein mag –, sehen Sie, dann müssen wir zunächst daran denken: Der arme Vater, der hat das vielleicht nicht besser gewusst. In welchen Verhältnissen ist der aufgewachsen? Er konnte mir offenbar oder wahrscheinlich nicht mehr geben, als er mir gegeben hat. Und wenn ich trotzdem Fehler konstatieren muss, dann meine ich, sollten wir ihm die jetzt von Herzen verzeihen.

J. Kentenich, 19.06.1961

 

 

Quelle: Unser Weg 2016 Qrt. 3