VON HERZ ZU HERZ


 

 

 

 

Wenn es eine Liste der Dinge im Leben gäbe, die Menschen als besonders stressig empfinden, so stehen die Schwierigkeiten in unserer zwischenmenschlichen Kommunikation sicher ganz weit oben. Doch was können wir tun, damit wir nicht nur kommunizieren, sondern einander auch verstehen?

 

 

 

Immer wieder ist unsere Kommunikation gespickt mit Missverständnissen und Verletzungen, die nur langsam oder nie heilen – nichts schneidet tiefer als Worte. Diese Verletzungsgefahr steigt, je besser wir uns vertraut sind. Jeder von uns kennt sie, die unsichtbaren „Knöpfe“ in uns, die unsere „lieben“ Mitmenschen mit schlafwandlerischer Sicherheit betätigen und uns damit in kürzester Zeit in heftige Gefühlswallungen versetzen. Aus diesen Gefühlen ergeben sich dann genauso schnell die Antworten, die meist schon vorformuliert bereit liegen. Doch wie können wir aussteigen aus dieser Spirale und wie können wir auch abseits unserer „Knöpfe“ mehr Bewusstheit in unsere Kommunikation bringen? In meinen Achtsamkeit-Seminaren erlebe ich immer wieder, wie Teilnehmer verblüfft berichten, wie sehr sich Situationen verändern, wenn sie versuchen, achtsamer zu kommunizieren.

 

Wenn wir achtsam kommunizieren, zwei- gen wir einen Teil unserer Aufmerksamkeit ab und richten sie auf unseren Körper und unsere Gefühle. Auf diese Weise kommunizieren wir nicht nur mit unserem Geist, sondern auch mit der Weisheit unseres Herzens. Das verschafft uns die Zeit, nicht länger automatisch zu reagieren. Daraus entsteht Freiheit. Die Freiheit, unsere Reaktion zu wählen. Die Freiheit, den anderen ausreden zu lassen. Die Freiheit, andere Sichtweisen zuzulassen, ohne sie zwingend teilen zu müssen.

 

Achtsame Kommunikation üben

In der nachfolgenden Übung geht es darum, sich achtsam über eine Frage auszutauschen, die gegenwärtig Bedeutung für Ihr Leben hat.

 

 

Ablauf:

 

 

Atemwahrnehmung:

Für eine Dauer von zirka zwei Minuten schließen beide Personen die Augen und richten ihre Aufmerksamkeit in Stille auf den Atem. Nehmen Sie wahr, wie Ihr Atem ein- und ausfließt … Den Atem einfach geschehen lassen, ohne ihn beeinflussen zu wollen … Wahrnehmen, wo der Atem überall im Körper spürbar ist … vielleicht das Heben und Senken der Bauchdecke oder des Brustraums spüren … Wenn Gedanken kommen, einfach immer wieder liebevoll zur Atembetrachtung zurückkehren … Jede Atemwelle bewusst erleben ... Ganz über den Atem im Körper verankert sein.

 

Fragende/zuhörende Person:

Stellen Sie die Frage und hören Sie dann in Stille zu, wenn die andere Person spricht. Widerstehen Sie, mit Worten oder Mimik das Gesagte zu kommentieren. Hören Sie nicht nur aufmerksam zu, sondern achten Sie auch auf die Körpersprache der anderen Person. Versuchen Sie zwischendurch immer wieder, Ihren eigenen Atem und Ihre Körperempfindungen zu spüren. Gestehen Sie der anderen Person Sprechpausen zu. Erst wenn eine längere Pause entsteht, sagen Sie einfach nur kurz „Danke“ und wiederholen Sie die gleiche Frage. Wiederholen Sie auf diese Weise immer wieder die Frage.

 

Antwortende Person:

Nehmen Sie zunächst wahr, was die Frage in Ihrem Körper auslöst und bleiben Sie noch einen Moment ganz bei Ihrem Atem. Machen Sie sich frei von dem Zwang, irgendetwas sagen zu müssen, lassen Sie die Antworten einfach in Ihnen aufsteigen. Denken Sie nicht darüber nach, ob das, was Sie sagen, besonders schlau oder originell ist. Nehmen Sie sich Zeit beim Sprechen. Gönnen Sie sich immer wieder Phasen der Stille. Versuchen Sie so oft wie möglich, Ihren Atem und Ihre Körperempfindungen zu spüren. Vertrauen Sie auf das, was entstehen wird. Vermeiden Sie, darüber zu sprechen, wie andere sind oder sein müssten. Sagen Sie einfach was SIE brauchen, wonach SIE sich sehnen.

 

 

Quelle: Unser Weg 2016 Qrt. 4