ER IST NICHT NUR MEIN MANN, ER IST MEIN BESTER FREUND


 

 

 

 

Das Ehepaar Uschi und Björn Z. ist in diesem Jahr 25 Jahre verheiratet – und immer noch glücklich. Ihre Silberhochzeit haben sie als großes Fest geplant. unser weg befragte die beiden nach dem Geheimnis ihrer Beziehung und ihres achtsamen Umgangs miteinander.

 

 

 

 

unser weg: Was hat Sie damals fasziniert an Ihrem Partner, als alles vor über 25 Jahren begonnen hat?

 

Er: Sie war damals schon ehrlich, stand mit zwei Füßen auf dem Boden. Sie hat auch mal die Meinung gesagt, war aber nicht nachtragend. Genau das faszinierte mich – kein „Zicken-Palaver“. Manchmal komme ich von der Arbeit und sage zu Uschi: „Was bin ich froh, dass ich wieder bei Dir bin, ich habe das „Zicken-Palaver auf der Arbeit so satt …“

 

Sie: Ich fand ihn fleißig, das war mir wichtig. Und ich fand ihn einfach immer ehrlich, wir sagen Dinge nicht hintenrum sondern immer dem, den es betrifft. Ich dachte mir: „Er passt einfach zu mir.“ Er war liebevoll und immer sehr höflich, kavaliermäßig: Er hat mir die Tür aufgehalten – das ist auch nicht selbstverständlich. Er hat meine Jacke geholt, wenn wir irgendwo waren. Einmal kam er mich von der Schule abholen. Er hatte ein offenes Autodach und heraus schaute ein Herzluftballon. Meine Freundinnen sagten: „Was hast Du einen tollen Freund.“ Das war 1987. Den Herzluftballon habe ich immer noch. Wir sind schon viele Male umgezogen und verkaufen vieles. Aber es gibt Dinge, die wir nicht verkaufen oder hergeben – zum Beispiel diesen Luftballon.

 

unser weg: Gibt es jetzt nach 25 Jahren immer noch etwas „Kavaliermäßiges“?

 

Sie: Oh ja, er holt zum Beispiel Wasserflaschen aus dem Keller oder stellt mir eine Wasserflasche bereit für die Arbeit. Wenn wir essen gehen, hält er mir immer noch die Tür auf, schiebt den Stuhl ran. Wenn ich Blasen an den Füßen habe, trägt er mich … Er ist nicht nur mein Mann, er ist mein bester Freund.

 

unser weg: Was würden Sie Paaren empfehlen?

 

Sie: Wertschätzung, immer ehrlich sein, auch wenn es weh tut. Und: Kleine Überraschungen machen. Zum Beispiel ein kleiner Zettel in der Butterbrotdose: „Hallo Schatz, ich hab Dich lieb.“

 

Er: Es gibt auch so gewisse Rituale. Wir gehen zusammen ins Bett – Uschi ist im Bad und zieht ihre Kontaktlinsen aus – dann gehe ich ins Schlafzimmer und schlage das Bett auf …

 

Sie: Oder abwechslungsreiches Essen. Manchmal kommt er heim und fragt: „Was gibt es heute?“ „Ja, das und das.“ – „Oh lecker, ich freue mich.“ Beziehung ist jeden Tag Arbeit. Manchmal fragt er: „Was soll ich denn heute anziehen? Wie kombinieren?“ Dann lege ich ihm mal heraus, was er anziehen kann. Dann freut er sich. Das sind kleine Überraschungen – die bauen wir in den Alltag ein. Am Valentinstag hat er auf einer Herz-Etagere alles angerichtet, ein kleines Herz-Törtchen beim Bäcker gekauft: „Heute nur für dich.“

 

Er: Kürzlich sagte ich zu meinem Arbeitskollegen: „Ich habe mich heute mit meiner Frau verabredet.“ Da stutzte er: „Ja, wie, was?“ Wir hatten einen besonderen Tag und hatten einen Tisch reserviert. Dann ziehen wir uns schön an und genießen den Abend.

Wir machen auch viel Blödsinn zusammen. Meine Frau macht Dinge mit mir, bei denen andere Frauen sagen würden: Wie kann man nur! Vor zwei Jahren sagte ich zum Beispiel: „Ich hätte gerne wieder ein Motorrad“ – obwohl ich mal einen schweren Unfall hatte. Sie hatte erst Bedenken, und trotzdem hat sie mir den Spaß nicht genommen. Dann sagte ich: „Ich fahre nur, wenn Du mitfährst.“

 

Sie: Ich musste mich auch ganz schön dran gewöhnen. Ich war damals noch kein guter Beifahrer. Da legte ich mich einmal auf die andere Seite in der Kurve. Er hielt dann an und sagte: „Mach das nie wieder, dann legen wir uns nämlich hin.“ Ich musste das langsam lernen. Wir besprechen auch vieles. „Wenn Du wieder ein Motorrad hast, wie machen wir das dann?“ Wir ha-ben dann gemeinsam ein Sicherheitstraining gemacht. Wir haben gemeinsam die Entscheidung getroffen und dann stehen wir dazu – auch wenn etwas mal in die Hose geht.

 

unser weg: Erinnern Sie sich an ein besonderes Erlebnis aus der Zeit des Anfangs?

 

Sie: Ich hatte den Führerschein gemacht. Normalerweise ist für die Männer ja das Auto wichtiger als die Frau. Ich durfte in dieser Zeit SEIN Auto benutzen. Andere sagten: „Du kannst ihr doch nicht das Auto geben.“ Er sagte darauf: „Wieso denn nicht, sie hat doch den Führerschein.“ Das fand ich damals schon fantastisch. Er hat mir das direkt alles gegeben.

 

Er: Meine Mutter war gegen diese Beziehung. Dadurch ist auch meine Beziehung zu meinen Eltern kaputt gegangen. Ich sagte dann zu ihr: „Gewöhne dich daran, das wird einmal meine Frau.“ Es war schwer für sie, weil ich ein Einzelkind bin – da war immer Eifersucht im Spiel. Sie kam auch nicht auf unsere Hochzeit.

 

Er: Uschi hat mich damals warten lassen. Ich musste drei Anträge machen. Erst dann hat sie mir ihr Jawort gegeben. Beim dritten Antrag habe ich auch alles gegeben: Ich habe selbst gekocht, den Tisch schön eingedeckt, den Antrag schriftlich gemacht: Auf einer Schriftrolle mit einem Bändchen drum herum und auf den Teller gelegt.

 

Sie: Ich habe mich erst mal nicht gefreut.

 

Er: Aber ich wollte Nägel mit Köpfen.

 

Sie: Ich durfte die Schriftrolle nicht selber lesen – er nahm die Rolle und hat sie vorgelesen: „Hiermit halte ich um die Hand von Ursula Anna Langwald an.“ Er hatte alles ganz förmlich und hochoffziell geschrieben. Und dann habe ich ja gesagt.

 

unser weg: Warum wollen Sie Ihre Silberhochzeit feiern? Was ist Ihnen daran wichtig?

 

Sie: Wir möchten dem anderen jetzt nach 25 Jahren noch einmal sagen und bestätigen: „Ich will immer noch.“ Und wir wollen das im Rahmen eines Gottesdienstes tun, der nur aus Anlass unseres Hochzeitstages gefeiert wird.“

 

 

Quelle: Unser Weg 2016 Qrt. 4