ACHTSAME KOMMUNIKATION



 

 

 

 

Bei achtsamer Kommunikation kommt es nach Pater Kentenich auf die innere Haltung an.

Er bezeichnet eine solche Haltung der Achtsamkeit als „praktisch-taktische Ehrfurcht“.

 

 

Sie muss sich auswirken in ehrfürchtiger Behandlung, in ehrfürchtiger Seelenhaltung. Diese Ehrfurcht muss ich also haben

1.       vor jedem Menschen

2.       vor jedem Menschenschicksal

3.       vor jeder Originalität, vor jeder Fähigkeit.

 

Es klingt hier immer wieder mit: Der große Gedanke Gottes steht im Mittelpunkt. Gott hat den Menschen als eine Idee von sich hineingeworfen in das Universum und möchte diese Idee mehr und mehr sich verkörpern und vollenden sehen.

 

1. Praktische und taktische Ehrfurcht vor jedem Menschen.
Und wenn es auch der verlumpteste Mensch wäre! Und wenn es der kränkste Mensch wäre, wenn er seelisch und körperlich wer weiß wie krank wäre! Ehrfurcht vor jedem Menschen!

 

2. Ehrfurcht vor jedem Menschenschicksal.
Und wenn ich ein Menschenschicksal vor mir habe, das durch tiefste Nacht, durch tiefste Schuld hindurchgegangen ist! Ehrfurcht vor jedem Menschenschicksal! Ich weiß ja gar nicht, welche Kinderstube dieses Menschenkind gehabt hat. Ich weiß ja gar nicht, welche Erbanlagen es mitbringt. Wenn wir ehrlich sind, wenn wir nur ein wenig objektiv wahr sind innerlich, dann werden wir uns sagen: Wenn ich in dieser Haut steckte, wenn ich diese Vergangenheit hinter mir hätte, wahrhaftig, wie stände es dann mit mir?! Deswegen: Ehrfurcht vor jedem Menschenschicksal.

 

3. Auch Ehrfurcht vor jeder Fähigkeit.
Das ist das Große: Wahre Mütterlichkeit und Väterlichkeit stellt sich nicht in den Mittelpunkt, möchte nicht selber wachsen. Ach nein. Wenn Gott eine Fähigkeit in den Menschen hineingelegt hat, dann drängt alles, diese Fähigkeit zur Reife zu bringen, selbst wenn der/die Betreffende mich nachher überflügelt.

 

Natürlich können Sie den Gedanken auch anwenden auf das Verhältnis untereinander. Wie oft müssen wir sehen: In katholischen Kreisen kommt eine Originalität nicht recht hoch. Stellen Sie sich vor: Irgendjemand hat etwas Nettes geleistet, meinetwegen ein Büchlein geschrieben und setzt den Namen darunter. Die Kolleginnen sagen von vornherein: Das ist nichts. Wenn aber kein Name oder ein Deckname darunter stände, dann würde es heißen: Nein, so etwas Feines! Oder wenn jemand etwa fertig bringt, Gedichte zu machen oder Vorträge zu halten. Die nächsten Nachbarn dürfen es nicht hören, denn dann ist es sicher nichts. Es gehört schon eine ganz starke Veranlagung dazu, wenn man sich gegen derartige Widerstände durchsetzen soll. Aber das kommt selten vor. Solche Fähigkeiten brauchen eine liebevolle Pflege. Das setzt allerdings eine große Selbstlosigkeit voraus.

 

 

Ein Beitrag von Pater Josef Kentenich, Mai 1931

vergleiche: Ethos und Ideal in der Erziehung, S. 237 ff.

 

 

Quelle: Unser Weg 2016 Qrt. 4