WO GOTTES HOFFNUNG AUF UNSRE ERDE FÄLLT


 

 

 

 

Das Hausheiligtum – eine neue pastorale Methode

 

 

Betritt man das „Heiligtum der Familien“ in Schönstatt, dann fallen dem Betrachter zwei Dinge sofort auf: Ein Netz, in das viele Fotos eingeknüpft sind, auf denen ein Hausheiligtum zu sehen ist. Ganz oft sind auf den Fotos auch die Bewohner des Hauses zu sehen. Da so viele Fotos eingesandt oder von Reisenden mitgebracht werden, gibt es eine „Schatztruhe“, in der die Fotos abgelegt werden, wenn das Netz wieder einmal voll ist. Hinten an der Wand ist ein Bildschirm angebracht, auf dem eine Diashow läuft mit Fotos von Hausheiligtümern aus aller Welt. Unten durch das Bild läuft ein Schriftband mit Bezeichnungen in vielen Sprachen wie „Magnifikat“, „Tabor“, „Land der Liebe“, „Heiligtum des kindlichen Vertrauens“, Quelle der Freude“, „Oase des Vaters“… Wir haben nachgezählt: Es sind etwa 1500 Namen und 1500 Fotos.

 

Ein heiliger Ort zu Hause

Allen Fotos ist gemein, dass ein Kreuz und das Marienbild abgebildet sind. Aber sonst ist jedes Hausheiligtum anders gestaltet, oft ganz originell, mal einfach, einmal mit viel Schmuck, mit Familienbildern, mit einem Foto von Pater Josef Kentenich, … Manchmal ist das Hausheiligtum als Altar gestaltet, das eine befindet sich im Wohnzimmer, ein anderes in der Küche oder im Flur oder im Schlafzimmer. Auf jeden Fall sind sie alle ganz originell gestaltet.

 

Was ist denn das Neue am Hausheiligtum? Pater Kentenich lud die Familien ein, das Kreuz und das Bild der Gottesmutter in ihre Häuser aufzunehmen: Das Ehepaar bezie­hungsweise die Familie lädt die Gottesmutter ausdrücklich ein, in ihrem Haus zu wohnen und die Geschicke der Familie in die Hand

zu nehmen, sich um die Kinder zu sorgen, um deren Erziehung, um die Familie und ihre Sorgen und Freuden. Viele Familien auf der ganzen Welt haben sich diesem Aufruf angeschlossen und ein Hausheiligtum ein­gerichtet. Sie haben die Erfahrung gemacht: Ja, das stimmt. Und bei jeder Familie ent­wickeln sich andere Rituale. Viele Familien haben einen Namen für ihr Hausheiligtum gesucht und gefunden, der das Originelle der Familie zum Ausdruck bringt:

Eine Familie macht die Erfahrung, dass sich Gott wie bei Maria in ihrer Ohnmacht besonders

wirksam zeigt und sagen „Magnificat“ wie Maria: Er verherrlicht sich durch die Niedrigen.

 

Eine Familie lebt ganz aus der Liebe, und wenn man in ihr Haus kommt, dann fühlt man sich angenommen und wertgeschätzt und sie haben ihrem Hausheiligtum den Namen „Land der Liebe“ gegeben.

 

Eine Familie nennt ihr Hausheiligtum „Sicherer Hafen“: Dort wissen sie sich zu Hause und geborgen und können den Stürmen des Lebens trotzen.

 

Viele Familien geben ihrem Hausheiligtum den Namen eines biblischen Ortes wie Kana, Tabor oder Bethanien. Der Name bedeutet einen Auftrag und eine Sendung.

 

Lebendiges Heiligtum

Es gibt Familien, bei denen jedes Familienmitglied ein Symbol wählt, mit dem es im Hausheiligtum „vertreten“ ist, sei es das Kreuz, das Marienbild, die Kerze, der Tisch, die Blume, die Glocke oder, oder ...

•       Die Tochter einer Familie hat die Kerze gewählt und die Eltern sagen von ihrer inzwischen verheirateten Tochter, dass sie vieles durchleidet und sich auch in ihrem Beruf für die Menschen verzehrt wie eine brennende Kerze.

•       Ein Junge wählt den Tabernakel für sich als Symbol. In seiner Militärdienstzeit trägt ihn das Bild des Tabernakels durch, selbst unter widrigsten Umständen und in einer manchmal sexuell aufgeladenen Atmosphäre unter den Soldaten.

 

Unsere „Marke“ auf  einem Stempel

In USA wurde in Analogie zu den Stempeln, die man auf dem Jakobsweg an den verschiedenen Stationen bekommt, ein Pilgerheft entwickelt, das an die Wallfahrt zu einem Schönstatt-Heiligtum erinnern soll. Man bekommt in den Heiligtümern beim Besuch einen Stempel in dieses Heft. „Warum soll das nicht auch für Hausheiligtümer möglich sein?“, fragten sich einige Familien und ent­warfen Stempel für ihre Hausheiligtümer, auf denen dessen Name und ein Symbol zu sehen ist. Auch dafür gibt es ein Heft, in das man die Stempel eintragen kann. Eine Gruppe von Familien beschloss, dass jede Familie zum Hausheiligtum jeder anderen Familie der Gruppe eine Wallfahrt unternimmt und sich bei dieser Gelegenheit die Geschichte und die Bedeutung des Hausheiligtums erzählen lässt. Für die Gruppe wurde dies zu einer Erfahrung von Nähe und Tiefe.

 

Ausstrahlungsorte der Neuevangelisierung

In Wirklichkeit ist jedes Hausheiligtum ein ganz origineller Wallfahrtsort, an dem Gott besondere Gnaden schenkt. Nicht Wunder der Heilung, wohl aber Wunder der Liebe, Gnaden der Freude, der Großzügigkeit, der Beheimatung, der Wahrheit und so weiter. Könnten auf diese Weise die Hausheiligtümer Ausstrahlungsorte für eine Neuevangelisierung werden, für unsere Pfarreien und darüber hinaus? Ein befreundeter Priester meinte einmal: „Wenn ich eine Pfarrei hätte, dann würde ich die Hausheiligtümer zäh­len und nicht die Anzahl der Mitglieder in meiner Pfarrkartei, und ich würde von diesen aus meine Pfarrei aufbauen.“ Neuevangelisierung durch das Hausheiligtum und vom Haus aus. War das nicht auch schon ein strategischer Ansatz des heiligen Paulus? Das ganze Haus ein Heiligtum. Für Pater Kentenich war es wichtig, dass das Hausheiligtum nicht nur an einem Plätzchen war – das natürlich auch –, sondern dass das ganze Haus ein Heiligtum ist. Alles gehört zum Leben einer Familie; darum hat er auch gerne das ganze Haus, alle Zimmer gesegnet und auch die Kinder bei Einweihungsfeiern einbezogen. Das ganze Haus ein Heiligtum.

 

 

Quelle: Unser Weg 2016 Qrt. 4