KENTENICHPÄDAGOGIK: „NULL BOCK“ AUF LERNEN


 

 

 

 

"Unser Sohn (neun Jahre alt) besucht die vierte Klasse der Grundschule. Er ist eigentlich sehr pfiffig und interessiert, aber bei den Hausaufgaben gibt es regel­mäßig Ärger. Er macht nur das, was er wirklich muss - und auch da versucht er, sich durchzumogeln. Er sagt uns nicht die ganzen Hausaufgaben und arbeitet nicht sorgfältig. Sitzt man dabei, wird es noch schlimmer. Von uns Eltern lässt er sich dabei wenig sagen, und regelmäßig gibt seine Haltung Anlass zum Streit.

Vor Klassenarbeiten ist es besonders schlimm. Wir möchten ihn dahingehend unterstützen, dass er selbständig und gründlich seine Sachen erledigt, fühlen uns aber hilflos."

 

 

 

Eigenverantwortung und Entscheidungsfähigkeit

Schule, die damit verbundenen Noten, Hausaufgaben und Klassenarbeiten sind in vielen Familien ein großes Thema. Leider gibt es kein einheitliches Rezept, aber beleuchten wir die Situation einmal aus einer anderen Perspektive.

 

Als Eltern muss uns klar sein, dass im Schulkindalter das Bilden einer Entscheidungsfähigkeit eine wichtige pädagogische Aufgabe ist.

 

Als unsere Tochter zur Schule kam, hatten wir das große Glück, dass die Klassenlehrerin den Kindern vermitteln konnte: „Die Schule ist eure Sache, und nicht die eurer Eltern! Die Eltern müssen ihre Arbeit so gut machen, wie sie kön­nen. Und ihr gebt euer Bestes in der Schule.“ Die Lehrerin setzte klare Regeln und Aussagen wie: „Meine Mama hat vergessen oder nicht mit mir geübt ...“ nahm sie nicht an. Sie traute den Schülern zu, diese Aufgabe zu meistern, war aber dennoch offen für ihre Anliegen oder die der Eltern, falls es Probleme gab. Ziel war im Gespräch immer, Wege zu finden, wie das Kind zur Eigenverantwortung kommen kann.

 

Der innere Motor als Antrieb

Es kann helfen, den Blick über die jetzige Situation heraus zu richten. Das Schulkind lernt ja zunächst erst einmal, eigene Entscheidungen zu treffen und auch zwangsläufig, mit den Konsequenzen umzugehen (wenn ich meine Hausaufgaben nicht ordentliche erledige, muss ich nacharbeiten, wenn ich das Diktat nicht übe, schreibe ich eine schlechte Note …). Als Eltern bieten wir unsere Hilfe an, sind für Gespräche und Fragen offen, aber lassen unser Kind dann probieren.

 

Ein junger Mann erzählte einmal: „13 Jahre haben meine Eltern mich durch die Schullaufbahn geschoben. Mit Ach und Krach habe ich mein Abitur gemacht. Und dann? Ich konnte mich einfach nicht entscheiden, ob und was ich lernen, beziehungsweise studieren wollte. Das Verhältnis zu meinen Eltern war sehr angespannt. Nichts konnte ich zur Zufriedenheit meiner Eltern machen. Erst mit der Zeit begriff ich, dass es um meine innere Motivation geht, was will ich und wie komme ich dahin.“

In der Pädagogik sprechen wir heute von der intrinsischen Motivation, das heißt ich werde nicht motiviert, sondern es gibt einen inneren Motor.

 

Das ist ein Aspekt der Bewegungspädagogik. Das ist bestimmt nicht eine Antwort, die auf Knopfdruck hilft. Vielleicht hilft es aber schon, das Kind zu fragen:

 

Aber wir sagen dem Kind auch: Und wir erwarten von dir, dass du dein Bestes gibst!

 

Geduld und Vertrauen

Eine andere Familie erzählte bei einem Treffen: „Unser Jüngster hat so viele Gaben, aber er nutzte sie nicht. Erst in der neunten Klasse, als er sich für ein Praktikum bewer­ben musste und sein Zeugnis mitschicken sollte, war es ihm ziemlich peinlich. Von da an hatte er begriffen, dass es auf ihn ankommt. Heute geht er auf das Gymnasium und wird ein gutes Abitur ablegen. Für uns war die Zeit des Abwartens schwierig. Aber wir sind dankbar, dass er seinen Weg gefun­den hat.“.

 

 

 

 

Quelle: Unser Weg 2017 Qrt. 1