ANGST – ODER HOFFNUNG?


 

 

 

 

Viele Geschehnisse in unserer Welt sind bedrohlich. Doch wir haben etwas entgegenzusetzen.

 

 

Mein einjähriger Sohn sitzt auf meinem Schoß, gleich will ich ihn schlafen legen, nur noch kurz die Mails checken – da kommt die Nachricht vom Anschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt rein. Mein Blick fliegt über Wörter und Bilder; ich spüre, wie es mir die Kehle zuschnürt. Wie so oft in letzter Zeit: Klimawandel, Aleppo, Trump, IS, Rechtspopulismus – die Welt scheint aus den Fugen zu geraten. Ich frage mich, wie sie wohl aussehen wird, wenn der Kleine auf meinem Schoß sein Leben selbst in die Hand nimmt. Der quietscht vergnügt und freut sich über die tanzenden Farben auf dem Bildschirm. Der Kloß in meinem Hals schwillt an ...

 

Jesus kennt unser Sorgen

Doch ich merke, wie sich in mir Widerstand regt. Etwas stimmt nicht an dieser Angst, die mich – wie so viele Menschen – umtreibt. Ich will den Blick nicht von dem Attentat in Berlin abwenden, aber ich will ihn ein wenig weiter werden lassen. Und ich beginne zu sehen: Wie lange schon lebt unser Land im Frieden! Wie viele Menschen engagieren sich! Wie selbstverständ­lich sind uns die Werte von Freiheit und Menschlichkeit geworden! Ist es da nicht wahrscheinlich, dass wir mit den neuen Herausforderungen fertig werden? Warum machen wir uns also Sorgen um die Zukunft? Wenn Jesus sagt: „Sorgt euch also nicht um das, was morgen sein wird! Denn der Tag morgen wird für sich selbst sorgen“ (Mt 6, 34), dann ist das kein Ratgeber-Tipp, sondern eine Forderung an jeden, der ihm nachfolgen will.

 

Hoffnung auch im Leid

Mein Blick geht auch in die Vergangenheit: Noch meine Großmutter hat so unvorstell­bar schreckliche Dinge erlebt! Dagegen erscheint mir meine Ängstlichkeit auf ein­mal anmaßend. Und selbst in dieser Zeit gab es Menschen, die ihr Gottvertrauen nicht verloren haben. In diesen Tagen vor Weihnachten singe ich gerne das Lied „Die Nacht ist vorgedrungen“, das Jochen Klepper im Jahr 1938 geschrieben hat. Seine Frau und seine Töchter waren Jüdinnen, und als ihre Deportation drohte, nahm er sich 1942 gemeinsam mit ihnen das Leben, den Blick auf das Kreuz gerichtet. Welch unglaubliche Ängste mag er ausgestanden haben!

 

Und dieser Mensch dichtet:

»Gott will im Dunkel wohnen

und hat es doch erhellt“.

Und mit Blick auf die Zukunft:

„Noch manche Nacht wird fallen

auf Menschenleid und -schuld.

Doch wandert nun mit allen

der Stern der Gotteshuld.

Beglänzt von seinem Lichte

schreckt Euch kein Dunkel mehr.«

 

Das Dunkel vom Berliner Weihnachtsmarkt: Es braucht nicht meine Angst als Antwort, sondern meine Hoffnung.

 

 

 

 

Quelle: Unser Weg 2017 Qrt. 1