VON GUTEN MÄCHTEN WUNDERBAR GEBORGEN



 

 

 

 

Kurz vor Weihnachten fährt in Berlin ein Lastwagen mitten in einen gut besuchten Weihnachtsmarkt. Zwölf Menschen sterben, Dutzende werden ver­letzt. Ein paar Wochen vorher hatte die Meldung von einer getöteten Joggerin in Freiburg die Menschen verstört. Und das alles in einem Jahr, das mit Ausschreitungen und sexuellen Übergriffen in der Kölner Silvesternacht begonnen hatte. „In wel­chen Zeiten leben wir eigentlich?“, fragte mich am nächsten Tag eine Kollegin im Flur. „Man muss ja Angst haben, wenn man auf die Straße geht.“ Die Reaktionen auf solche Schreckensereignisse können ganz unterschiedlich sein. Die einen gehen trotzig „jetzt erst recht“ auf die Straße, feiern und tanzen. Die anderen ziehen sich verunsichert zurück und meiden größere Menschenansammlungen.

 

Zu welchem Typ man auch gehört – letztlich geht es immer darum, meinen Ängsten zu begegnen und eine für mich lebbare Antwort darauf zu finden. Mir fällt eine Redensart ein: „Angst ist ein schlechter Ratgeber.“ Diese Erfahrung habe ich auch gemacht. Angst lähmt. Angst macht unfrei. Entscheidungen, die ich aus Angst getroffen oder unterlassen habe, haben mich nicht dauerhaft zufrieden gemacht. „Soll ich aus Angst vor Pädophilen meine Kinder nur noch mit dem Auto in die Schule bringen und ihnen damit Selbständigkeit und körperliche Bewegung vor­enthalten? Andererseits sterben jedes Jahr viel mehr Kinder bei Autounfällen als durch Gewaltverbrechen …“ Solche Gedanken bringen mich nicht weiter. Das Leben ist voller Risiken und Gefahren – und gleichzeitig voller Freude und Schönheit.

 

„Von guten Mächten wunderbar gebor­gen erwarten wir getrost, was kommen mag …“, das haben wir in der Jahresschlussandacht gesungen. Und das ist meine Antwort, wenn Ängste in mir laut werden. Wir sind geborgen in Gottes Hand. Dieses Bewusstsein nimmt mir nicht alle Ängste und hält auch nicht alles Leidvolle und Schwere von mir fern. Aber es lässt mich meinen Alltag anders leben: voll Vertrauen und Zuversicht.

 

 

 

 

Quelle: Unser Weg 2017 Qrt. 1