EINE WALLFAHRT


 

 

 

 

Am 20. Dezember 2016 ist unsere liebe Kursschwester Claudia von uns gegangen. Wir durften uns als Kurs von ihr verabschieden. Mit einem Gottesdienst bei ihr am Krankenbett.

 

 

Als unser Kurs sich am Wochenende des 9. bis 11. Dezember 2016 trifft, wissen wir alle: Dies wird keine gewöhnliche Kurstagung. Die schwere Krankheit und der nahende Tod Claudias bewegen uns. Vor allem die Frage nach dem Sinn des Leidens und was diese Situation für uns bedeutet. Für uns als Ehepaar, für uns als Kurs und auch für uns selbst. Am Samstagmorgen denken wir als Ehepaar darüber nach. Bei den anschließenden Statements in der Runde haben wir alle einen Kloß im Hals. Uns wird klar, welch tragende Rolle Claudia für unseren Kurs gespielt hat und immer noch spielt.

 

Mit letzter Kraft ins Handy getippt

Nur zwei Wochen zuvor hatte Claudia ein letztes Lebenszeichen an den Kurs gesendet.

Es ist eine liebgewonnene Gewohnheit von uns als Kurs, dass jeden Monat eine Familie einige Zeilen an jede Kursfamilie sendet; darin erzählen wir, was uns gerade bewegt. Just im Dezember sind Claudia und Bernhard mit dem Versenden des Lebenszeichens an der Reihe. Das ist kein Zufall. Claudia schreibt darin, wie sie die vergangenen Wochen ganz intensiv erlebt hat und dass sie für diese Momente so unendlich dankbar ist. Sie und Bernhard haben nochmals bewusst die Stationen ihrer Ehe durch­lebt. Sie haben gemeinsam alte Bilder und Videos von ihrer Trauung, von der Taufe und Firmung ihres Sohnes Thomas und vielen anderen bewegenden Momenten angesehen. Später hat uns Bernhard berichtet, wie Claudia mit letzter Kraft und unbän­digem Willen jeden einzelnen Buchstaben nachts in ihr Handy getippt hat.

 

Wir sind betroffen

Wir sitzen in der Runde zusammen und sind betroffen. Wir spüren mit einem Mal, wie kostbar unsere Zeit hier auf Erden ist und wie schlampig wir mitunter damit umgehen. Betroffen sind wir aber auch angesichts des Leidens von Claudia, aber auch von Bernhard und Thomas, die all die Monate und Wochen immer für Claudia da waren und den Abschied auf Raten ganz intensiv mit allen Höhen und Tiefen durchlebt haben. Wir fühlen uns in diesem Moment ohnmächtig, der Situation hilflos ausgeliefert und fragen uns, wie wir Leid lindern können, und wie wir wie einst Simon von Cyrene helfen können, das Kreuz ein Stück weit mitzutragen.

 

Wir wurden mit leuchtenden Augen empfangen

Deshalb fahren wir als Kurs gemeinsam mit Pater Michael am Nachmittag zu Familie Senk. Wir sind erstaunt, mit wel­cher Gefasstheit, Ruhe und vor allem mit welcher Freude uns Bernhard und Thomas empfangen. Seit Tagen steht die Tür des Hauses offen und jeder ist herzlich eingela­den, sich von Claudia zu verabschieden; es ist ein Kommen und Gehen. Freunde sind da, Verwandte, Nachbarn und Claudias Vater. Claudia empfängt uns mit leuchten­den Augen und mit einem Strahlen, das uns alle ansteckt. So feiern wir die Heilige Messe. Wenn man Momente wie in einer Flasche aufbewahren könnte – dann einen solchen Moment. Wir hofften Trost und Hoffnung zu bringen und sind doch selbst so reich beschenkt worden und gestärkt zurückgefahren.

 

Woher kam die Kraft?

Am 28. Dezember haben wir Claudia zu Grabe getragen. Rund 400 Menschen haben ihr die letzte Ehre erwiesen, mit Gedanken, Liedern, einem Gottesdienst und einer schönen Feier am Ende. Genauso hat es sich Claudia gewünscht, sagte uns Bernhard. Und er ergänzt: „Für Claudia war und ist es absolute Gewissheit gewesen, dass sie heim zu liebenden und barmherzi­gen Vater geht. In den letzten Wochen und Tagen ihres großen Leidens war bei ihr kein Zweifel, da war absolute Gewissheit. Unser Ortspfarrer fragte sie vor ihrem Tod, ob sie Angst habe, sie verneinte dies, schüttelte den Kopf und sagte mit ganz fester Stimme: ich bin voller Zuversicht es wird alles gut werden. Dies war meiner Meinung nach auch bei der Beerdigung zu spüren, da war nicht nur hoffen, da war Gewissheit, sie ist heimgegangen zu unseren himmlischen Vater.“

 

 

 

 

Quelle: Unser Weg 2017 Qrt. 1