JUNG, FIT UND SCHÖN



 

 

 

 

Vom Kreuz mit dem Essen.

 

 

Stellen Sie sich vor, das Kreuz in Ihrer Wohnung würde nicht an der Wand hängen, sondern auf Ihrem Teller liegen: gespickt mit grünen Erbsen, knackigen Karotten und saftiger, roter Paprika. Fortan besteht der Kanon nicht mehr aus den heiligen Schriften, gespeist vom wirkmächtigen Wort Gottes. Nein, von jetzt an gehörst Du (das Duzen gehört auch zum Styling) der Gemeinde der „Essensjünger“ an. Das Zentrum der Heilsbotschaft liegt nun ausschließlich in der richtigen Ernährung. Mit der gezielten Auswahl von gesunden Nahrungsmitteln bestimmst du nicht nur deine Figur, sondern auch dein Wohlbefinden, deine Fitness: Du hast die Kontrolle über dich selbst. Und schließlich schaffst du durch das richtige Essen einen neuen Menschen: Selbsterlösung durch Ernährung. Wenn du doch mal krank wirst, dann muss es an dir und deinen Ernährungssünden gelegen haben. Kehre um, befreie dich selbst. Nur welchem Apostel du aus dem Angebot der verschiedenen Essensjünger folgen willst, musst du selbst herausfinden. Ob vegan, Trennkost, metabolicbalance: Das Angebot von unter-schiedlichen, konkurrierenden Ernährungsrichtungen ist schier unüberschaubar und verwirrend. Also doch lieber das Kreuz an der Wand hängen lassen, sich nicht dem Diktat der gnadenlosen Essensjünger und der Selbstkontrolle unterwerfen, die Kirche im Dorf lassen, das Schnitzel auf dem Teller und so weitermachen wie bisher?

 

Kopfzerbrechen und Magendrücken

Bohrt da nicht auch unter Christen das gestiegene Bewusstsein für gesunde Ernährung und den erwiesenen Zusammenhang mit typischen Zivilisationskrankheiten wie Herzinfarkt, Diabetes, Krebs? Und außerdem, wer will denn leugnen, dass wir uns und die Schöpfung zunehmend selber zerstören: Ob grauenvolle Massentierhaltung oder massiver Pestizideinsatz in der Landwirtschaft, Genmanipulationen oder der Einsatz von Nanotechnik in der Nahrungsmittelindustrie. Nicht nur der Cocktail an schädlichen Substanzen und Medikamenten, die auf dem Teller und schließlich im Magen landen, können einem das Essen verderben. Auch der verantwortungslose Raubbau an Tier und Natur können einem Kopfzerbrechen und Magendrücken bereiten. Oder der nächste Routinegang zur Gesundheitskontrolle beim Arzt lässt den Blutdruck steigen, weil bestimmte Laborwerte nicht mehr im Normbereich sind. Der Halbgott im weißen Kittel spricht ein Machtwort und schon landet man mit schlechtem Gewissen in der Schublade: Krank, alt, ausgemustert?

 

Konkurrenzlose Alternative

Hat da nicht die christliche Heilsbotschaft eine konkurrenzlose Alternative zu bieten? Der Gottessohn ist als Arzt und Heiland ausnahmslos für jeden auf die Welt gekommen und am Kreuz gestorben. Wir sind schon erlöst und immer geliebt: Bedingungslos. Wir brauchen uns nicht mehr freizukaufen und die Martern einer nie zu erreichenden Selbsterlösung auferlegen. Der tägliche Kampf nicht nur mit dem Essen bleibt. Aber wir können uns jeden Tag entscheiden, ihn aus der Gelassenheit der Gottesbeziehung anzunehmen. Wir müssen nicht jeden Tag die Welt retten.

 

Aber Gott wartet jeden Tag auf unsere Erwiderung seiner Liebe. In allen Dingen Gott suchen und finden – auch in den Kochtöpfen. Ganz ohne Selbstkontrolle kommen wir wohl auch nicht aus. Pater Kentenich, der Gründer der Schönstattbewegung, wollte aber keine Galeerensklaven, sondern freie, feste, an Gott gebundene Menschen. In der täglichen Rückschau soll also die Frage nach der mich alles treibenden Motivation zum Guten im Mittelpunkt stehen. Wo entfacht sich in mir ein Feuer der Liebe? Vielleicht auch bei der Sorge um eine gesündere Ernährung, die im Einklang mit der Schöpfung steht. Dann kann ich das Kreuz beruhigt an der Wand hängen lassen.

 

 

 

 

 

Quelle: Unser Weg 2017 Qrt. 1