GEDANKEN ZUR FASTENZEIT



 

 

 

 

Mein anderer Start in den Tag

Eine Idee bekommt konkretes Format. Es sind 40 leere Aquarellblätter, zugeschnitten auf 10x10cm, ein Farbkasten, Wachsmalstifte, der Youcat und der feste Wille, während der Fastenzeit 40 Minuten früher aufzustehen, um in der Stille des noch schlafenden Hauses den Tag mit Gott zu beginnen. Eine Tasse Tee und die Kerze sind dabei, ein Lieblingsgebet, ein Kapitel aus dem Philipperbrief, das ich im Laufe der Zeit auswendig lerne. Angeregt durch das Stöbern in den Bibelstellen dürfen sich meine Gedanken füllen, bekommen mit Pinsel und Farbe ein konkretes Aussehen … Stille Zeit für mich und meinen Gott. Während des Tages wandern die Gedanken gerne zu dem gemalten Bild, zum Wort des Tages, schenken dem alltäglichen Tun eine Verbindung zum himmlischen Vater. Die Überwindung, früher aufzustehen schenkt mir, mehr in meiner Mitte zu sein. An Ostern sind es fast 40 Blätter geworden, die bemalt vor mir liegen: Mein Ostergeschenk an meinen Gott und mich selbst.

 

 

Gelassen durch die Stadt gehen

Weil ich gerne einkaufen gehe und mich auch mal zu „unnötigen Dingen“ verleiten lasse, wollte ich in der letzten Fastenzeit bewusst einmal nur das einkaufen, was ich und unsere Familie wirklich brauchen. Und zwar tatsächlich brauchen. Kein „nice to have“ oder „das ist mal ein günstiges Angebot“. Was brauche ich, brauchen wir wirklich zum Leben? Denn eigentlich darf ich den Luxus genießen, nicht jeden Cent umdrehen zu müssen. Doch wie ist das, wenn es nur zum Nötigsten reicht? Mir war klar, dass mein Versuch etwas ganz anderes ist und ich so nicht die existentielle Erfahrung armer Menschen machen würde. Es ging mir aber schließlich auch noch um etwas anderes: ein inneres Freiwerden. In diesen Wochen der Fastenzeit spürte ich, dass ich mit der Zeit tatsächlich viel weniger brauchte, nicht nur materiell. In mir schaffte sich auch eine andere Ruhe Raum. Gelassen konnte ich durch die gefüllten Straßen unserer Stadt gehen. Mit einem Lächeln, denn ich brauchte nichts von dem, was ich in den Geschäften sah. Eine tiefe Erfahrung.

 

 

 

 

 

Quelle: Unser Weg 2017 Qrt. 1