MIT RESPEKT UND ACHTUNG



 

 

 

 

Die konfessionsverbindende Ehe – eine Herausforderung für den ökumenischen Prozess.

 

 

Ein befreundetes Paar – die Frau ist evan­gelisch, der Mann katholisch – lebt in einer konfessionsverbindenden Ehe. Zusammen haben sie drei Kinder, die alle katholisch getauft wurden. Die Mutter ist in der evan­gelischen Kirchengemeinde beheimatet und arbeitet stundenweise im Pfarrbüro. Der Vater ist in leitender Position bei der katho­lischen Kirche in der Finanzverwaltung tätig. In seiner Freizeit engagiert er sich in der katholischen Kirchengemeinde am Ort. Der Besuch des Sonntagsgottesdienstes ist für die Familie selbstverständlich. Wegen der gegenseitigen Toleranz ist es kein Problem, dass an einem Sonntag der evangelische Gottesdienst, an einem ande­ren Sonntag der katholische Gottesdienst besucht wird. Religiöse Erziehung ist beiden gleichermaßen wichtig. Auch die Herkunftsfamilien des Ehepaares sind auf ihre Weise stark katholisch beziehungswei­se evangelisch geprägt. Zu Familienfesten treffen die konfessionell unterschiedlich sozialisierten Familien aufeinander. Ich erlebe die Zusammenkünfte immer als bereichernd und verbindend. Ein abschät­ziges Wort über die andere Konfession fällt zu keinem Zeitpunkt. Im Gegenteil: Ich kann ein gegenseitiges Interesse, ein Unterstützenwollen und ein Mittragen der religiösen Erziehung wahrnehmen. Beide Seiten tauschen sich voller Respekt und Achtung über ihre Gemeindeerfahrungen aus und lernen voneinander.

 

Realität

Niemand kommt mehr an der Tatsache vorbei, dass in der Bundesrepublik Deutschland die Zahl der Ehepaare stetig zunimmt, die sich für eine konfessions­verbindende Partnerschaft entscheiden. In Großstädten liegt der Anteil konfes­sionsverbindender Ehen mittlerweile bei nahezu 45 Prozent. Für den gesamten ökumenischen Prozess wird es vor allem darauf ankommen, die konfessionsverbin­dende Ehe als Herausforderung für die Kirchen(gemeinden) auf dem Weg zur Einheit zu begreifen. Allerdings dürfen die konfessionsverbindenden (Ehe-)Paare und Familien in ihrer ökumenischen Schlüsselfunktion auch nicht überfordert werden, denn viele sind bereits zufrieden, wenn sie insgesamt in der Lage sind, ihr konkretes Familienleben im Alltag auf gute Weise zu gestalten.

 

Gespräch

Gute Erfahrungen haben wir mit fol­gendem Modell gemacht: Wir haben alle konfessionsverbindenden (Ehe-)Paare der Gemeinde zu einem „Gesprächsabend konfessionsverbindender (Ehe-)Paare“ einge­laden. Selbstverständlich geschah dies in konfessioneller Kooperation, so dass an einem solchen Abend sowohl ein Vertreter der katholischen als auch der evangelischen Kirchengemeinde anwesend war. In der Planungsphase zum Gesprächsabend haben wir vorab geklärt, ob ent­weder eine Konzentration auf ein bestimmtes Problemfeld ange­strebt wird oder die Entscheidung für ein Thema vom Gesprächsverlauf des Abends und den Beiträgen der Paare abhängig gemacht werden soll. Je nach dem Verlauf des Abends ergab sich der Wunsch nach einem weiteren Treffen.

 

Chance

Meine persönliche Erfahrung als Leiter solcher Austauschabende und -wochenen­den ist: Die Paare haben es sehr begrüßt, dass ihnen von Seiten beider Konfessionen Raum für Begegnung ermöglicht wurde und sie die Gelegenheit bekamen, sich mit Paaren auszutauschen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden.

Das befreundete Ehepaar hat eine solche Initiative in ihren Gemeinden am Ort ergriffen und dabei gute Erfahrungen gemacht. Ihr beispielhafter Umgang mit der Konfessionsverbundenheit im konkreten Familienalltag, aber auch ihr Engagement als Christen in ihren Kirchengemeinden ist überzeugend.

 

 

 

 

Quelle: Unser Weg 2017 Qrt. 4