MIT ZWEI KONFESSIONEN UNTERWEGS …



 

 

 

 

Viel ist schon geschehen, noch mehr ist möglich. Eine Bestandsaufnahme.

 

 

Die Herausforderungen einer konfes­sionsverbindenden Ehe zeigen sich im Wesentlichen in folgenden Bereichen:

 

1. Ehevorbereitung und -begleitung

Die Kirchen haben zwar die Notwendigkeit erkannt, dass die Vorbereitung auf die Ehe sowie die Begleitung der Paare und Familien auf konfessionsverbindende Lebensgemeinschaften abgestimmt werden muss. Aber es gibt noch nicht viele öku­menische katechetische Modelle, die von beiden Konfessionen gemeinsam getragen werden.

 

2. Trauung

Die Kirchen haben in der Erstellung einer liturgischen Ordnung zur „Gemeinsamen Feier der kirchlichen Trauung“ aus dem Jahr 1995 eine Gottesdienstform vorgelegt, die es konfessionsverbindenden Brautpaaren ermöglicht, die kirchliche Dimension ihrer Ehe zum Ausdruck zu bringen. Gleichzeitig werden Chancen vertan, wenn ökume­nische Traugottesdienste mit nur einem Seelsorger eher zum Regelfall als zur Ausnahme werden. Gemeindebildend ist nur die selbstverständliche Anwesenheit beider Trauungsberechtigter – sie kann zu einem einheitsstiftenden Zeichen der Verbundenheit werden.

 

3. Sakramentalität – Unauflöslichkeit – Scheidung – Wiederheirat

Die Kirchen können auf zahlreiche Dokumente verweisen, die belegen, dass sie in der Frage der Bestimmung der Ehe als Sakrament ein höchstmögliches Maß an Verständigung erreicht haben. Trotz dieses Prozesses ist es aber noch nicht gelun­gen, ein für beide Kirchen gleichermaßen verbindliches konfessionsverbindendes Argumentationsmodell im Verständnis der Ehe zu formulieren.

 

4. Taufe und religiöse Erziehung

Die Kirchen haben eine weitreichende Übereinstimmung in der theologischen Lehre über das Sakrament der Taufe erzie­len können. Für die Gemeinden vor Ort bleibt es dabei eine Herausforderung, mög­lichst zusammen mit betroffenen Paaren, Begegnungsräume einzurichten und ein Klima zu schaffen, das konfessionsverbindenden Ehepaaren die Taufe ihres Kindes als eine ökumenische Chance erschei­nen lässt.

 

5. Religiöses Leben

Die Kirchen konnten wertvolle Vorschläge für eine konfessi­onsverbindende Spiritualität erarbeiten. Sie ermuntern zur gemein­samen Teilnahme an ökumenischen Gottesdiensten, denn sie tragen dazu bei, die christliche Verbundenheit bewusst zu machen und Wege zu suchen, die noch bestehende Trennung zu überwinden. Allerdings halten sie die gemeinsame Teilnahme an der Eucharistie- beziehungs­weise Abendmahlsfeier nur bei gegebener Gelegenheit für angebracht, weil jeder der beiden Partner gemäß seinem Gewissen in seinem Glauben verwurzelt und in seiner Kirche beheimatet bleiben soll.

 

6. Sexualethik

Die Kirchen haben insgesamt ein ver­antwortungsethisches Konzept vorge­legt. Sehr hilfreich für das katechetische Handeln vor Ort wäre eine gemeinsame offizielle Erklärung beider Kirchen, die die Übereinstimmung in der Sexualethik zum Ausdruck bringt.

 

Es wird deutlich: Konfessionsverschiedene Paare und Familien sind wichtige Wegbereiter der Ökumene und der Verständigung zwischen den Konfessionen. Wurden sie lange Zeit als Zumutung, als Stein des Anstoßes betrachtet, so kann ihr Leben und ihr Bemühen um ein gutes Miteinander und um gelebtes Christsein den Blick weiten. Diese Chance dürfen wir nutzen und dafür dankbar sein.

 

 

 

 

Quelle: Unser Weg 2017 Qrt. 4