WIR GEHÖREN ZU ZWEI PFARREIEN



 

 

 

 

Ein Erfahrungsbericht.

 

 

Ich bin in einer katholischen Familie und katholischem Milieu groß geworden. Halt und Maß aus dem Glauben habe ich vor allem meiner Mutter zu verdanken. Wegen meiner ersten Arbeitsstelle verschlug es mich nach Berlin, wo ich meinen Mann kennenlernte. Er hatte eine intensive Suche hinter sich und sich schließlich für den christlichen Glauben entschieden. In einer protestantischen Gemeinde fand er seinen Platz. In unserer Ehe und in unserem Familienleben gehören wir zu zwei Pfarreien: Normalerweise gehen wir gemeinsam in den Gottesdienst – ent­weder in den der katholischen oder der evangelischen Gemeinde. Wir sind aktive Mitglieder in beiden Gemeinden.

 

Mein Mann und ich entschieden damals gemeinsam, dass alle Kinder relativ gebur­tennah katholisch getauft wurden. Und zwar aus dem Grunde, dass ich die meiste Zeit der Sozialisation der Kinder über­nahm und ich mich in meinem Glauben zuhause fühlte (fühle). Im Endeffekt war ich zwölf Jahre hauptberuflich Mutter, so dass sich die Intensität meiner Begleitung daraus erschließt. Als dann ein Umzug anstand, suchten wir am neuen Wohnort den Kontakt sowohl zur katholischen als auch zur evangelischen Gemeinde.

In der evangelischen Gemeinde sangen unsere beiden Mädchen im Kinderchor mit, spielten lange Jahre bei den Krippenspielen mit und nahmen alle drei – auch unser Sohn – teil am Konfirmationsunterricht in der dritten Klasse. Zeitgleich lief die Erstkommunionvorbereitung in der katho­lischen Gemeinde, die ich als Katechetin intensiv begleiten konnte.

 

In der evangelischen Gemeinde begleitete ich ebenfalls ehrenamtlich den Unterricht, um auch mein Wissen zu erweitern und zu erkennen, was die Kinder bewegt. Es war eine sehr bereichernde Zeit für uns alle, nebenbei auch die Begegnungen mit der Schönstatt-Bewegung und andere kirchliche Freizeiten. Als unser Sohn in das Erstkommunionalter kam, wehrte er sich und meinte, er wolle lieber evangelisch sein. Nach einem langen Prozess entschied er sich später im Jugendalter tat­sächlich für die evangelische Kirche. Er geht lieber dorthin – gerne auch alleine mit dem Papa. Diese Verbundenheit mit seinem Papa habe ich sehr unterstützt, da es biolo­gisch und psychologisch einfach von großer Bedeutung ist.

 

Die Mädchen waren mit Begeisterung Messdienerinnen in der katho­lischen Kirche und waren diesem Konflikt scheinbar nie ausgesetzt. So findet jeder im Leben seinen Weg, und ich bin sehr stolz, froh und dankbar, dass wir diese Zeit so aktiv und friedlich wie möglich gelebt haben. Wir leben unser ökumenisches Familienleben sehr bewusst. Oft hatten wir deshalb doppelte Termine, aber wir haben es trotzdem ungemein bereichernd erlebt. Es bringt eine hohe Toleranz mit sich und schult diese auch.

 

 

 

 

Quelle: Unser Weg 2017 Qrt. 4