DIE ENTDECKUNG DER GELASSENHEIT


 

 

 

 

Eine tiefe Gelassenheit gehört zu den Früchten des Glaubens – besonders im Alter.

Das Schöne ist, dass man diese Haltung lernen kann.

 

 

Bei einer Schönstatt-Familienveranstaltung hat mich ein Vortrag inspiriert. Es klang an, dass man bei älteren Menschen oft erkennt, ob Glaube gelingt oder nicht. Ist jemand im Alter verbittert oder gelas­sen? Im Plenum entbrannte eine lebhaf­te Diskussion darüber, was Gelassenheit bedeutet und wie man im Alter gelassen wird. Gelassenheit bedeutet jedenfalls nicht Gleichgültigkeit; es bedeutet auch nicht Großväterlichkeit und auch nicht Emotionslosigkeit. Vielmehr ist es eine Haltung, die einem tiefen Bewusstsein der Geborgenheit in Gott entspringt. In der anschließenden Gruppendiskussion wird mir bewusst, welch große Lücke zwischen dem Ideal und der Wirklichkeit klafft. Und wie nötig wir es haben, Maria am Abend unsere zer­brochenen Scherben hinzuhalten mit der Bitte, sie möge diese dem Herrn übergeben.

 

Nachkosten“

Pater Kentenich lädt uns immer wieder ein, nach unserem ruhenden Pool im eigenen Inneren zu suchen. Er möchte, dass wir uns mit dem eigenen Leben und den Alltagserlebnissen beschäftigen und auf diese Weise Stress und Sorgen verdauen. Er sagt: „Unsere bevorzugte Betrachtungsmethode ist nachkosten, vorprüfen und vorkosten. An sich müsste das bei uns eine Dauerhaltung, eine Gewohnheit geworden sein.

 

Bei jeder kleinsten Kleinigkeit emporstei­gen in das Herz des barmherzigen, des gütigen Gottes, des Vatergottes.“ Wenn ich weiß, Gott liebt mich bedingungslos, kann ich die Spuren Gottes in meinem Leben suchen und den Alltagsstress verdauen.

 

Persönliches Journal

Eine Möglichkeit, Gelassenheit einzuüben ist, ein persönliches Journal zu führen, in dem wir unsere Erfahrungen mit dem lebendigen Gott festhalten. So werden die Vorgänge in der eigenen Seele sichtbar. Pater Kentenich schlägt als Orientierung folgende Fragen vor:

 

 

Ein Ort der Stille ist dafür in jedem Fall zu empfehlen. Das kann das Hausheiligtum sein, der Garten, die Kirche oder ein Spaziergang. Wichtig ist es, still zu werden; dann kann das seelische Leben wachsen. Wichtig ist ferner die richtige körperliche Haltung. Beim Sitzen sollte der Rücken gerade sein. Bei manch einem kommen Gedanken am besten beim Gehen in Fluss. Viele Dichter und Schriftsteller beispielsweise haben die besten Ideen, wenn sie sich bewegen. Zur richtigen körperlichen Haltung gehört es außerdem, tief ein- und auszuatmen. Je tiefer und langsamer, desto schneller kom­men wir in die Stille und ins Gebet.

 

Die Ereignisse des Tages „wiederkäuen“

In der Stille stellen wir die Frage: Was möchte der Gott des Lebens mir mitteilen? Alle Sorgen, die Wut und auch die Freude steigen in mir auf. Und wir können alles verdauen. Pater Kentenich benutzt hier das Bild von den Kühen. Von ihnen könnten wir lernen, die Ereignisse des Tages wie­derzukäuen. Schwierige Ereignisse brau­chen mehr Zeit. Das Gebet beschließt die Betrachtung. Die Früchte schreiben wir ins Journal. Manchmal sind es ja die klei­nen Freuden, die uns das größte Glück bescheren. Wenn wir diese kleinen Freuden notieren, kann dies mit der Zeit unsere Sicht der Dinge verändern und wir werden nicht nur gelassen, sondern gewinnen auch die Freude am Glauben, auf die es Pater Kentenich so sehr ankam.

 

 

 

 

Quelle: Unser Weg 2017 Qrt. 4