MEHR ALS EIN TROPFEN



 

 

 

 

Matthias G. war mit „MeinWeg“ von August 2016 bis August 2017freiwilliger Helfer in der Casa del Nino im erweiterten Stadtgebiet von Buenos Aires. Er wurde von Pater Hans-Martin interviewt. Hier ein Ausschnitt.

 

 

Casa befindet sich nahe einem Schönstattzentrum im Stadtviertel Ballester und ist ein Projekt der kleinen dort ansässigen Schönstattfamilie. Heute sind große Teile von Ballester sehr verarmt. Die Casa befin­det sich am Rand dieses Viertels, das deut­sche Freiwillige nur in Begleitung betreten sollten. Denn die Beschaffungskriminalität in dem Viertel lässt keinen Fremden sicher auch tagsüber durch das Viertel gehen. Auch wenn zu vermuten ist, dass der aller­größte Teil der Kinder, die die Casa besu­chen, auch später in ihrem Herkunftsviertel „kleben“ bleiben wird, so kennen sie durch die Casa einige Menschen außerhalb ihres Viertels, die ihnen wohl wollen. Das könnte irgendwann mal für einen Menschen dort zum Ausstieg aus der Missachtung reichen.

 

Pater Hans-Martin: Warum bist du gerne hier?

 

Matthias G.: Der Arbeitsalltag macht mir unglaublich viel Spaß, weil wir ein sehr nettes und herzliches Team in der Casa del Nino haben, mit dem es Spaß macht zu arbeiten und zu leben. Dann haben wir richtig gute Freunde hier um die Ecke. Ein ganz tolles Ehepaar, das unsere Mentoren bildet und immer für uns da ist. Der Alltag ist relativ perfekt organisiert, ein guter Rückhalt. Ich habe mich jetzt auch mit der Kultur schon sehr angefreundet. Mate Tee Trinken und sonntags Asado bei den Kumpels, das ist einfach ein Teil von meinem Alltag gewor­den. Und das will ich nicht missen. Das sind einige von den Gründen, warum ich gerne hier bin.

 

Pater Hans-Martin: Warum ist deine Arbeit sinnvoll?

 

Matthias G.: Das ist sie auf jeden Fall! Schon allein, weil die Kinder Essen kriegen. Und wenn es auch nur, was ich nicht glaube, ein Tropfen auf den heißen Stein ist, dann ist es immerhin ein Tropfen. Die Kinder sind wenigstens im Alter von drei bis 14 Jahren aus diesen Strukturen raus und haben mal gesehen, dass es einen Ausweg gäbe oder dass es eine andere Welt gibt als nur ihr Barrio und den Drogensumpf, die Gewalt.

 

Pater Hans-Martin: Was hast du an Schönstattpädagogik in der Casa erkannt?

 

Matthias G.: Beim letzten Teammeeting waren wir auch dabei. Und da wurde noch­mal deutlich gesagt, dass eigentlich der große Sinn dieser Casa ist, den Kindern Liebe zu geben, einfach nur für sie da zu sein und jeden Wunsch zu erfüllen, ein­fach das Gegenteil von dem zu sein, was sie normal erfahren. Sie erfahren, dass sie abgestoßen und zurückgewiesen werden. Ich glaube, das ist so: Wir geben ihnen einfach so viel Liebe, dass es für den Mittag noch reicht. Und das ist ja auch, was in der Schönstattpädagogik drinsteckt, einfach die Kinder so zu lieben und die Kinder so anzunehmen, wie sie sind.

 

Pater Hans-Martin: Wie würde die Casa lau­fen ohne euch Volontäre? Was wäre anders?

 

Matthias G.: Also gut, es würde auf jedem Fall nicht das Angebot Gitarre und Schreinerei geben. Das ist klar. Womit schon viel wegfallen würde an zusätzlichen Sachen. Ich glaube, die Grundstruktur würde mehr oder weniger holprig weiterlaufen, ganz normal. Aber es wäre viel schwieriger. Die logis-tischen Dinge wären nicht so einfach. Und ich glaube auch, die Tatsache, dass nur Jungs in die Casa kommen als deutsche Volontäre, ist ein großes Plus, weil die Kinder ein sehr seltsames Vater- oder Männerbild haben. Wir leisten da schon Pionierarbeit.

 

Pater Hans-Martin: Wenn du selber ein Abschiedsgeschenk für die Casa machen könntest, was wäre das denn?

 

Matthias G.: Ja, wenn ich könnte, würde ich Gitarren bauen, die ich den Kindern mitgeben könnte. Wir dürfen die Gitarren hier den Kindern nicht mitgeben. Wir haben vier Stück und die gehören der Casa. Durch irgendwelche Menschen wür­den diese Gitarren nicht mehr auftauchen, wenn wir sie einmal mitgeben, weil die Kinder keinen privaten Raum haben, wo sie sie einschließen können. Ohne eigene Gitarre zuhause können sie aber nur ein­mal in der Woche eine halbe Stunde üben. Und da ist der Fortschritt minimal. Und ich glaube, Musik ist echt wichtig, für mich ist Musik extrem wichtig. Und ich könnte mir auch vorstellen, wenn viele Kinder die Möglichkeit hätten, ein Instrument regelmäßig zu spielen, dass sie sich etwas Eigenes schaffen würden, das sie abgrenzt, das ein bisschen Persönlichkeit schafft. Also, wenn ich könnte, dann würde ich denen einfach Gitarren machen oder kleine Ukuleles, weil es einfacher ist.

 

Pater Hans-Martin: Ich glaube du hast noch viel zu sagen, aber wir machen hier mal einen Punkt. Vielen Dank!

 

 

 

 

Quelle: Unser Weg 2017 Qrt. 4