DICH IM BLICK …



 

 

 

 

Kraftquelle Hausheiligtum

 

 

Ich sitze am Rechner und suche die ersten Worte für einen Impuls. Gemeinsam haben wir davor viel überlegt, was uns wichtig ist. Ich tue mich schwer, die ersten Worte zu finden. Ich schreibe, verwerfe, lösche, lauf wieder weg vom Computer, esse was, schau aufs Handy … puh! Dann fällt mein Blick – endlich – auf eine Postkarte an unserem Computer: Eine zarte Zeichnung der Gottesmutter, dazu die Worte: Dich im Blick – Liebe ist, was größer macht. Das Bild hängt schon so viele Jahre da, und meist nehme ich es gar nicht mehr wahr. Daneben steht auf dem Fensterbrett das Meditationsrad von Bruder Klaus. Christus in der Mitte. Und ich werde ruhiger, atme tief durch … und mir fällt ein, wie wir unseren Impuls beginnen können.

 

Dich im Blick …

Dich im Blick … das sagt Christus zu uns, der die Mitte von allem ist und der auch unsere Mitte sein möchte. Dich in Blick … das sagt auch Maria zu uns. Sie hat uns im Blick, sie ist bei uns auf unserem Weg zu Gott. Und das mitten im Leben, bei allem was wir tun und nicht tun, bei allem was gelingt und bei allem Scheitern. Dich im Blick … das darf auch ich ihr immer wieder sagen. Sie ist die, die uns zum Wesentlichen führen will, zu uns selbst, zu unseren Mitmenschen, zu Gott.

Wir haben diese Sehnsucht, unser ganzes alltägliches und besonderes Leben mit Gott zu verbinden und aus dieser Beziehung heraus zu leben. Wir wünschen uns diese leichte Gelassenheit, die aus einem tiefen Vertrauen erwächst. Wir sehnen uns nach Beheimatung im Herzen Gottes und danach, dass auch Gott in uns Heimat findet und durch uns in diese Welt hineinwirkt.

 

… mitten im Alltag

Im Hausheiligtum wird dieser Vorgang sichtbar. Gott wird präsent in der Mitte unserer Familien, in der Mitte unseres All-tages, in der Mitte unseres Lebens. Dich im Blick … Unsere Sehnsucht bekommt so einen Ort, wird spürbar, zum Anfassen, beweglich, lebendig. Die Gottesmutter ist mitten drin dabei, als Mittlerin, Erzieherin, Geburtshelferin, Liebende, Königin, Herzmitte, Antreiberin, Mutter, Achtsamkeitstrainerin, Freundin, Trösterin, Seelsorgerin … und was auch immer sie dabei für jede und jeden ist. Das wandelt sich, das ist ein Lebensprozess. Denn im Hausheilig-tum spiegelt sich unser ganzes Leben wider, es ist kein Einrichtungsgegenstand, kein starrer Ort, sondern lebendige Beziehung.

 

… in Höhen und Tiefen

Wir wissen es und haben es schon erfahren: Das Leben als Ehepaar und als Familie schenkt belebendes Wasser und mutet uns trockene Wüsten und Klippen zu. Da tut es einfach gut, nicht alleine zu sein und Gott und die Gottesmutter zu bitten, mit hindurch zu gehen. Hier können wir unsere Sorgen und Fragen um die Wege unserer Kinder ablegen und Gott bitten zu wirken, wo wir selbst an unsere Grenzen stoßen. Hier legen wir unser Bemühen und unser Scheitern vor Gott und bitten um Wandlung und Wachstum. Im Hausheiligtum können wir ablegen, was uns unfrei macht und klein.

 

… im Tun und in der Stille

Gleichzeitig sind wir aber auch herausgefordert! Gott und Maria wollen im Bündnis mit uns leben. Sie brauchen auch uns! Deswegen ist es eine weitere Spur, dass wir uns dem lieben Gott und der Gottesmutter mit unserem Leben, unseren Gaben und Charismen zur Verfügung stellen. Dass wir Werkzeuge werden für eine neue Welt und ein neues Miteinander. Und dass wir unsere kleinen Liebesgaben bringen, unser Bemühen, unser Scheitern und unsere Erfolge. Und manchmal, wenn es still ist am Morgen und wir im Hausheiligtum sitzen, gelingt es uns, einfach nur zu schauen. Innerlich stiller zu werden. Und dann tauchen Gedanken auf, Bilder, und wir kommen in einen inneren Dialog mit Gott. In diesen Momenten wird manches klar, was im Getriebe, im lauten

Alltag untergeht, was schwer wahrnehmbar ist. Denn es geht im Leben mit Gott im Wesentlichen darum, mit meiner Seele, mit ihm, in Kontakt zu kommen. Damit wir spüren, was Gottes Idee ist von uns und unserem Leben.

 

Energiequelle

Wenn wir all das sehr bewusst in den Blick nehmen, dann wird uns deutlich: Der Ursprung und das Ziel des Hausheiligtums ist, mit Gott zu leben und die Gottesmutter zu bitten, hier mitten unter uns im Alltag wirkmächtig zu sein, damit wir einen guten Weg finden in Gottes Herz. Damit wir aber auch die Kraft, den Mut, die Ideen, die Liebe finden, Gott in die Welt zu bringen. Wir glauben und leben nicht für uns allein. So kann das Hausheiligtum eine Energiequelle sein, eine Hängematte, eine Oase, eine Gartenbank oder eine Feuerstelle, eine Quelle oder eine Ofenbank.

 

Hier können wir gemeinsam mit den Kindern beten oder alleine die Stille genießen.

Wir können hier den Tag beginnen und ihn abschließen. Hier kann eine Kerze brennen, wenn wir an jemanden denken und ihn oder sie besonders Gottes Nähe empfehlen. Hier können wir unsere Sorgen abgeben und in den Krug legen, hier dürfen wir schimpfen und klagen, aber auch ausruhen und Kraft schöpfen. Hier dürfen wir danken, laut oder leise, alleine oder mit den Kindern. Hier können wir in die Zweisprache gehen mit Gott oder der Gottesmutter. Es ist ein Rückzugsort, ein quirliger Mittelpunkt. Hier können wir auch hinlegen, was eine Entscheidung braucht, ein neuer Arbeitsvertrag, oder die Namen der Schulen, die wir für unser Kind überlegen.

 

Leben aus der Beziehung

Das Hausheiligtum möchte der heiße Kern in unserer Familie sein, das Abbild unseres Lebens mit dem Himmel. Und das wird es nur, wenn wir damit leben, darin beten, unser Leben hintragen und unsere Kraft auch daraus schöpfen. Das ist wie in jeder anderen Beziehungsgestaltung. Wenn wir nichts investieren, wenn wir uns nicht öffnen, wird es mühsam und schläft vielleicht sogar ein. Dann verwelkt die Blume darin und der Lebensfluss versickert. Das darf sein, das wird immer wieder so sein. Doch wir können dann auch gewiss sein, es kommt immer wieder ein Moment der Unruhe oder der Frage und dann spüren wir: Ich habe Dich im Blick …

 

 

 

 

Quelle: Unser Weg 2018 Qrt. 1