KRAFTQUELLE BEZIEHUNG


 

 

 

 

In vielen Vorträgen betonte Pater Kentenich immer wieder, wie wichtig es ist, Beziehungen zu entwickeln und zu pflegen – zu Gott, zu anderen Menschen, aber auch zu sich selbst.

 

 

Das ist der Sinn der Liebe: ein seelisches Ineinander. Das Gegenüber öffnet mir das Herz, und ich wohne in ihm. Sie müssen mal prüfen, in wie wenig Herzen wir nisten. Nennen Sie mir einmal den Menschen, von dem Sie sagen dürfen: In dessen Herzen habe ich eine Wohnung! Das ist nicht so, als wenn wir ständig Liebesgeständnisse machen müssten; das ist damit nicht gemeint. Aber dieses innere wohlwollende einander Geöffnetsein und einander Beheimaten, das ist eben etwas so Bedeutungsvolles.

Dadurch dass ich liebe und richtig angenommen werde, dadurch wächst in mir der Persönlichkeitskern, dadurch werde ich selber erst ich, wirklich ich… Es gibt meiner Überzeugung nach nichts, was im Menschen den Persönlichkeitskern so stark entfaltet wie wahre, echte Liebe.

 

Pater Josef Kentenich, vgl. 22.07.1952

 

 

Wie viele Eindrücke stecken noch in mir, die ich innerlich noch nicht bejaht, die ich innerlich noch nicht verarbeitet habe? Welches Ziel soll ich denn bei dieser Verarbeitung verfolgen? Ich soll keine Ruhe haben, bis mein persönlicher Lebensrhythmus ausschwingt im Lebensrhythmus Gottes. Was heißt das praktisch? Ich muss das herausholen, was in dem Ereignis steckt, was der liebe Gott mir sagen will.

Meinetwegen habe ich Pech im Geschäft gehabt, Tausende auf einmal verloren. Jetzt geht es nicht an, dass ich herausgehe und mich betrinke, damit die ganze Geschichte ersäuft ist. Jetzt ist die Frage: Lieber Gott, was willst du dadurch, und was soll mein Herz jetzt daraufhin sagen?

 

Wo liegt die Psychologie dieser Methode? Nehmen Sie den Wald. Der Mann, der jetzt in den Wald geht, der wird daher stampfen, laufen was er kann – und alles wütet noch in ihm. Aber es dauert nicht lange, da nimmt er die Ruhe des Waldes in sich auf, den Rhythmus des Waldes.

 

Was muss ich jetzt aufnehmen? Den Lebensrhythmus Gottes muss ich aufnehmen. Ich muss wissen: Wie würde der liebe Gott jetzt urteilen über das Ereignis, und was würde er von mir verlangen? Und dann lasse ich nicht locker, bis mein ganzer Lebensrhythmus ausgeschwungen ist im Lebensrhythmus Gottes.

Jetzt mag Gott weiß was Schweres über mich hereinbrechen, ich bin überzeugt, der liebe Gott schickt es zu meinem Besten, wenn ich das auch im Augenblicke nicht einsehe. Das sieht man, wenn das Unglück über einen hereinbricht, meist nicht ein. Aber ich habe trotzdem innerlich die Überzeugung: Der liebe Gott schickt es als Vater, und was er schickt, was der liebe Gott tut, ist immer gut.

 

Pater Josef Kentenich, vgl.10.05.1953

 

 

 

 

Quelle: Unser Weg 2018 Qrt. 1