EIN HEIKLES THEMA



 

 

 

 

Der Tod wird in unserer Gesellschaft gerne ausgeklammert. Dennoch ist das Verständnis gewachsen, wie Angehörige und Sterbende den Übergang besser bewältigen können.

 

In dem kleinen Ort Dernbach im Westerwald gibt es eine engagierte Laienschauspielertruppe. Im Herbst 2017 führte sie zwölfmal das Stück „Der Tod macht Ferien“ auf. Antonio Casella schrieb die Komödie in vier Akten 1924. Da die Gruppe den Text selber ins Deutsche übersetzt hatte, war es eine deutsche Uraufführung. Der Plot des Stückes: Der Tod möchte verstehen, warum die Menschen so viel Angst vor ihm haben. Er verwan­delt sich in einen Menschen und lädt sich selbst in die Villa eines Grafen ein. Er, der Hausherr, ist der Einzige, der um die Identität dieses überraschenden Gastes weiß, aber er darf es nicht verraten. Die Tochter des Grafen verliebt sich in diesen Gast und ist nach den drei Tagen bereit, aus Liebe mit dem Tod, dessen wahre Identität sie inzwischen erfahren hat, mit­zugehen. Wir als Zuschauer wissen eben­falls um die Identität des Gastes und haben unseren Spaß an der Doppelbödigkeit der Äußerungen des Todes in den Gesprächen mit den ahnungslosen Gästen und übrigen Hausbewohnern.

 

Während einer Aufführung sind nach der Pause einige ältere Zuschauer nicht wie­dergekommen. Das lag sicher nicht an der miserablen Spielqualität der Schauspieler, denn die ließ nichts zu wünschen übrig. Es war die Konfrontation mit dem Thema Tod. Sie haben es nicht so formuliert, son­dern hinter der harmloseren Äußerung, das Stück habe ihnen nicht gefallen und ihnen sei manchmal das Lachen im Halse steckengeblieben, verborgen. Ich vermute mal, dass das Westerwälder Publikum sich nicht so sehr von Zuschauern in ande­ren Gegenden Deutschlands unterscheidet. So darf ich sicher aus dem Mikrokosmos Dernbach rückschließen: Es gibt viele Menschen, für die das Thema Tod ein Tabuthema ist.

 

In Ruhe sterben können

Im Juni 2017 wurde in demselben Dernbach ein Hospiz St. Thomas mit zwölf Pflegeplätzen eingeweiht. Das ist die gegenläufige Bewegung: Viele christ­liche Krankenhausträger bemühen sich seit Jahren um die Errichtung und den laufenden Betrieb von Hospizen, deren Kosten von den Krankenkassen nur teil­weise getragen werden und die demzufolge auf Spenden angewiesen sind. „In Würde leben – in Würde sterben“ steht als Motto über all diesen Einrichtungen.

 

Die Therapeuten und Seelsorger bestäti­gen, dass oftmals die Sorge um die An- gehörigen der Sterbenden das größere Problem darstellt. Ein erfahrener Gerontologe (Alterswissenschaftler) und Palliativmediziner (Facharzt, um Kranken in der Endphase durch entsprechende Medikation und Betreuung eine größtmögliche Lebensqualität zu ermöglichen) meinte ein­mal: „Mit einem aufgeräumten Leben stirbt es sich leichter.“

 

Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einer Ehefrau auf der Palliativstation, deren Mann nach 40 Ehejahren im Sterben lag. Sie sagte: „Wir haben alle wichtigen Entscheidungen gemeinsam getroffen (bedingt durch die Berufstätigkeit des Mannes waren sie viel auf der Welt her­umgekommen und hatten Jahrzehnte im Ausland gelebt) und wir haben immer alles miteinander ausgeredet. Es gab keine Tabus zwischen uns. Ich blicke dankbar auf unse­re gemeinsamen Jahre zurück und freue mich, wie sich unsere Töchter entwickelt haben. Jetzt kann ich meinen Mann auch in Frieden vorausgehen lassen. Der Tod wird für ihn eine Erlösung sein.“ Eine reife und souveräne Haltung dem Tod gegenüber, die für viele Angehörige von Sterbenden erst am Ende eines langen Ringens erreicht werden kann.

 

 

 

 

Quelle: Unser Weg 2018 Qrt. 1