WER WAGT GEWINNT



 

 

 

 

Melanie L. verbrachte eine dreimonatige Auslandzeit („AZ“) im Schönstattzentrum Lamar, Texas/USA. unser weg interviewte sie und ihre Eltern.

 

 

unser weg: Melanie, wie kamst Du auf die Idee ins Ausland zu gehen?

 

Melanie: Anfangs war ich sehr unsicher, ob ich überhaupt ins Ausland gehen soll. Meine Mama zeigte mir einen Flyer der Auslandszeit. Ich informierte mich darüber und entschied, mit Schönstatt eine Auslandszeit zu machen, da ich dort eine Unterkunft und auch Ansprechpartner habe, falls es Probleme gibt.

 

unser weg: Was hast Du in Deiner AZ gemacht? Wie hat sich Deine „Arbeit“ gestaltet? Und wie Deine freie Zeit?

 

Melanie: Ich unterstützte dort die Jugend-schwester und bereitete mit ihr verschiede­ne Gruppenstunden und ein Sommercamp für Mädchen vor. Ich durfte mich überall aktiv miteinbringen und meine Ideen miteinfließen lassen. Manchmal fuhren wir am Wochenende in verschiedene Großstädte in Texas, um Gruppenstunden zu halten. Bei unseren „Ausflügen“ übernachteten wir immer in Schönstattfamilien. Einmal war es eine Ranch, wo ich reiten durfte, ein anderes Mal konnte ich zu einem Baseballspiel gehen oder man zeigte mir die Downtown. So lernte ich viele nette Leute kennen und auch den Bundesstaat Texas. Die Schwester versuchte mir immer das Bestmögliche zu bieten, um mir das texa­nisch-amerikanische Leben zu zeigen. Am Wochenende oder wenn nicht viel zu tun war im Büro half ich bei der Hausarbeit. Meine Freizeit war ganz unterschiedlich. Anfangs wohnte ich nicht alleine, sondern mit zwei Mexikanerinnen, die ungefähr in meinem Alter waren. Da die beiden schon länger in Lamar waren, zeigten sie mir Orte, die gut zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu erreichen waren. Wir haben uns gut verstanden und der Kontakt ist bis heute geblieben.

 

unser weg: Was hat sich für Dich durch Deine Zeit im Ausland verändert? Was hat’s Dir gebracht? Hast Du Dich verändert? Hat sich Dein Blick auf die Welt verändert?

 

Melanie: Nach meiner AZ hat sich vieles geändert. In erster Linie habe ich dort zu mir selbst gefunden und gelernt, dass ich meinen eigenen Weg finden und gehen muss. Ich hatte dort viel Zeit über meine weitere Zukunft nachzudenken und wie ich meinen beruflichen Werdegang gestal­ten möchte. Des Weiteren lernte ich mit Herausforderungen umzugehen und mich ihnen zu stellen. „So wie es kommt, so kommt es und ich muss das Bestmögliche daraus machen.“ Ich lernte dort, dass ich mehr von meiner AZ mitnehmen kann, wenn ich mich darauf einlasse. Seitdem ist es mir egal, ob ich alleine irgendwo hinfliege, auch wenn ich noch nie dort war oder niemanden kenne. Ich kann mit jedem reden und so kommt man auch immer ans Ziel. Während und nach mei­ner AZ legte ich meine Schüchternheit ab und gehe jetzt mit offenen Augen durchs Leben, stehe zu mir und meiner Meinung. Ich habe Grenzen überschritten und mich meinen Ängsten gestellt, und daran erinne­re ich mich gerne zurück, wenn ich in mei­nem Alltag vor einer scheinbar unlösbaren Aufgabe stehe.

 

unser weg: Wenn Du an Deine AZ in Texas denkst, welches Gefühl wird da in Dir lebendig?

 

Melanie: Befreit, berührt, glücklich. Ein befreites Gefühl, weil ich dort keine Sorgen hatte, im Sinne von Alltagsstress oder Zwang etwas tun zu müssen, worauf man keine Lust hat. Ich werde immer wieder berührt, wenn ich Bilder sehe und an die Momente und Menschen zurückdenke, die ich kennenlernen durfte und die mir so viel gezeigt oder gegeben haben, selbst wenn es nur die geteilte Freude für ein Projekt war. Es macht mich einfach glücklich, dass ich sagen kann, ja, ich habe eine Auslandszeit gemacht und das alles erleben dürfen.

 

unser weg: Du hast vorher noch nie an einem Treffen der Schönstatt-Bewegung teilgenom­men und auch nicht so viel darüber gewusst. Inzwischen ist das anderes. Was fasziniert und motiviert Dich für Deinen Einsatz für Schönstatt?

 

Melanie: Ich lernte durch verschiedene Projekte so viele tolle Menschen in ganz Deutschland und auf der Welt kennen. Für mich ist Schönstatt eine Familie. Egal wo man gerade ist oder wo man jemanden von Schönstatt trifft, es ist immer eine Verbundenheit vorhanden. Dafür lohnt es sich mitzuhelfen und Einsatz zu zeigen, weil man geschätzt wird, so wie man ist. Das ist im normalen Alltag nicht immer der Fall.

 

unser weg: Gibt es einen Satz, der „Deine AZ“, Deine Erfahrungen ausdrückt?

 

Melanie: Das Leben kann einfach und unkompliziert sein!

 

unser weg: Frau L., Sie haben Melanie bei ihrer Entscheidung zur AZ unterstützt. Wenn Sie auf diese Zeit zurückschauen: Was hat die AZ ihrer Tochter gebracht?

 

Mutter: Melanie war vor der AZ ein schüch­terner und zurückgezogener Mensch, der auf keinen Fall irgendwo in den Vordergrund treten wollte. Durch die AZ lernte sie ihr Leben in die Hand zu neh­men, selbständig größere Entscheidungen zu treffen und auf fremde Menschen zuzu­gehen. Für sie wurde das Leben unkompli­zierter und sie erhielt mehr eigene Stärke und Selbstvertrauen. Während der AZ konnte sie als Mensch mit ihren Fähigkeiten und ihrem Wesen einiges bewegen und sah, wie toll sie bei fremden Menschen ankam. Der lebensfrohe, begeisternde Mensch, der in Melanie schlummerte, ist in dieser Zeit erwacht. Ich würde sogar sagen, ein Teenager ging auf die Reise und eine junge Erwachsene kam zurück.

 

unser weg: Herr L., wenn das älteste Kind aus dem Haus geht, ist das ein echter Einschnitt für die Familie. Hat Ihnen die AZ von Melanie auch als Familie etwas gebracht?

 

Vater: Zunächst war es eine Umstellung im Tagesrhythmus, denn es fehlte jemand, und es gab keine täglichen Gespräche. Für die Familie gab es aber auf jeden Fall einen Wachstumsschritt, denn man wächst näher zusammen, obwohl man kilometermäßig viel weiter auseinanderlebt. Man lernt damit umzugehen, wenn Kinder sich nicht melden, dass alles in Ordnung ist und es ihnen gut geht. Wir sehen die Welt aus einem anderen Blickwinkel. Melanie fand Freunde in der großen, weiten Welt. Mit Vertrauen, Freundlichkeit, Zuversicht und Ehrlichkeit kommt man überall durch.

 

 

 

 

Quelle: Unser Weg 2018 Qrt. 1