ELTERN WERDEN, PAAR BLEIBEN – VOM WIDERSPRUCH ZUR AUFGABE


 

 

 

 

Viele Paare erleben einen Konflikt zwischen ihrer Rolle als Eltern und als Liebespaar. Was macht den Widerspruch und die Herausforderung aus, als Eltern auch weiterhin Paar zu bleiben? Was kann dabei helfen, dass die Liebesbeziehung nicht zu kurz kommt?

 

 

Mit der Geburt eines Kindes verändert sich schlagartig das ganze Leben. Als Eltern übernehmen wir für einen klei­nen Menschen Verantwortung, der abso­lut nicht dazu in der Lage ist, für sich selbst zu sorgen. Das bewirkt im täglichen Leben als Paar, dass wir uns stark auf das Kind konzentrieren. Der Rhythmus wird von der Ernährung des Babies bestimmt, was vor allem nachts Kräfte zehrt. Die Planung des sozialen Lebens richtet sich in den ersten Monaten und Jahren nach dem Schlafbedarf der Kinder und danach, ob für die Kleinen gesorgt ist. Später nehmen Kindergarten und Schule einen wichtigen Teil des Tages in Anspruch und erfordern neue Planung. Als Eltern sind wir nicht mehr selbstbestimmt.

 

Wir bleiben Individuen

Auch die Ehepartner als Individuen stehen in einer ganz neuen Situation. Die eigenen Bedürfnisse treten von alleine ganz weit in den Hintergrund. Das kann problematisch werden, wenn wir uns nicht bewusst damit auseinandersetzen. Die Bedürfnisse sind ja nach wie vor da, und manchmal stehen sie sogar direkt in Konkurrenz mit den Bedürfnissen unserer Kinder: Ich will eine rauschende Geburtstagsfeier eines guten Freundes eigentlich noch lange nicht ver­lassen, aber es ist Schlafenszeit für die Kids und weit und breit keine vernünftige Schlafmöglichkeit vorhanden. Uns wäre eigentlich gerade nach Zärtlichkeit und Zweisamkeit, da meldet sich der Nachwuchs mit Nachdruck und großem Hunger. Es ist aus unserer Sicht wichtig sich klar zu machen, dass man kein schlechter Mensch ist, wenn einen solche Situationen frustrie­ren. Da ist Elternsein eben nicht nur eitel Freud‘ und Sonnenschein.

 

Gemeinsam Strategien entwickeln

Uns hat es geholfen, kreativ zu werden und dafür Strategien zu entwickeln. Das kann beispielsweise so aussehen, dass Anna zur Party ihrer Schulfreundin geht und Johannes auf die Kinder aufpasst – irgend­wann feiert wieder ein anderer Freund, und dann ist Johannes mit Partymachen dran. Für geschützte Sprachräume innerhalb der Familie sorgen wir, indem wir auf Englisch als Konversationssprache ausweichen. Da- durch können wir auch vor den Kindern Dinge besprechen, die wir unter uns als Ehepartner behalten möchten. Nebenbei bleibt das Englisch geschmeidig. Und danach vermutlich das Französisch, wenn unsere Tochter weiter so fix Englisch lernt. Da ist, ganz allgemein gesagt, Teamwork als Paar gefragt, auf eine noch viel stärkere Weise als zuvor.

 

Teamwork ist der Schlüssel

Damit kommen wir zum zweiten Teil, dem Paar bleiben. Auch hier gilt, wie für die ganz individuelle Situation, nach dem Titel eines Buck-Films von 2009: Same Same But Different – genau dasselbe, aber ganz anders. Natürlich sind wir weiterhin ein Paar. Aber wir sind jetzt eben auch eine Familie. Die Zeiten der Zweisamkeit neh­men ganz rapide ab, ebenso die Flexibilität im täglichen Leben. Dafür nehmen die Aufgaben und die Verantwortung deutlich zu. Das schon angesprochene Teamwork ist jetzt unerlässlich, damit es gut funktioniert. Wenn man das schon geübt hat, wenn schon Strategien und Methoden bereit stehen, wie wir als Paar gut zusammen arbeiten und funktionieren, wird vieles einfacher. Vieles ist aber neu, Eltern werden kann man im Grunde nur selbst erleben. Da nutzt alle Theorie nicht viel.

 

Sich nicht aus den Augen verlieren

Wie auch für das eigene Ich ist es für uns als Paar wichtig, uns nicht aus den Augen zu verlieren. Es gab ja schließlich gute Gründe dafür, dass wir zusammenkamen und zusammengeblieben sind: Wir haben im jeweils anderen den einen speziellen Menschen gefunden, den wir als Gottes große Spur in unserem Leben sehen. Das jetzt völlig der Elternrolle unterzuordnen scheint uns falsch. Anders herum stimmt es für uns: Nur in einer gut funktionierenden Paarbeziehung können wir auch unseren Kindern gute Eltern sein. Diese Beziehung ist das Fundament, auf dem unsere Familie steht und gibt auch unseren Kindern Halt, eine vernünftige Grundlage und prakti­sches Lebensbeispiel.

 

Zeiten zu zweit organisieren

Für uns ist es sehr wichtig geworden, immer wieder Zeiten zu zweit zu organisieren. Da darf keinesfalls Rabeneltern-Verdacht auf­kommen: Es ist auch als Paar ganz normal, eigene Bedürfnisse zu haben und keines­falls schlecht, diesen auch nachzukommen. Ganz im Gegenteil. Wenn wir uns nur noch auf unsere Kinder fokussieren und die Paarbeziehung mit allen Bedürfnissen und Interessen völlig hinten anstellen, geht hier etwas ganz Entscheidendes verloren, und wir kommen als Paar auch aus der Übung in Sachen Paar-sein. Rächen dürfte sich das spätestens, wenn die Kinder ihre eigenen Wege gehen. Eltern sind wir dann ja immer noch, aber eben viel stärker auch wieder Paar. Hier schließt sich der Kreis.

 

Im Gespräch bleiben

Wir stehen immer in unterschiedlichen Situationen und müssen parallel verschie­dene Rollen einnehmen – als Individuum und Ehepartner, als Ehepartner und Elternteil. Das kann gelingen, wenn wir einerseits auf uns und unsere Bedürfnisse hören und auf uns als Individuum achten.

 

Andererseits ist es wichtig, als Partner mit­einander im Gespräch zu bleiben und uns gegenseitig auf dem Laufenden zu halten, was bei uns gerade los ist und wo wir als Paar gerade stehen. Das macht aus einem Widerspruch eine Aufgabe, die wir gemein­sam und mit Freude angehen können.

 

 

 

 

Quelle: Unser Weg 2018 Qrt. 1