GOTT WOHNT IN MEINEM KIND


 

 

 

 

Deswegen müssen Sie den Gedanken einmal durchdenken: Mein Kind – ein Drei-faltigkeitskirchlein. Ist es das? […] Dreifaltigkeitskirchlein ist jeder Mensch, der das göttliche Leben in sich trägt. Und wenn die Augen leuchten – auch die Augen meines Kindes – so sind sie das ewige Licht. Das ewige Licht in der Hauskapelle, worauf weist es hin? Auf die Gegenwart des Herrn. So leuchtet auch aus den strahlenden Augen des Menschen, wenn es edle Menschen und Gotteskinder sind, das Ewige Licht. Sie sind ein Hinweis auf die Gegenwart Gottes, wandelnde Dreifaltigkeitskirchlein.

 

Merken Sie sich bitte die Ausdrücke. Dann bekommt die Kinderwelt und die Welt um Sie herum ein tiefes, übernatürliches Gepräge. Neben aller wirtschaftlichen Tüchtigkeit, die Sie ja erstreben sollen, leben Sie gleichzeitig in einer neuen, übernatürlichen Welt, die im Alltagsleben lebendig ist und wird. Von hier aus verstehen Sie einen Grundsatz, den wir uns tief einprägen müssen für die Erziehung unserer Kinder, allerdings auch für das Verhältnis untereinander: Die größte Ehrfurcht schulden wir dem Kind, dem Säugling, dem ich die Brust geben muss, weil er sonst nicht existieren kann. Er ist ein Stück meines eigenen Lebens. Ihm schulde ich größte Ehrfurcht. Und je kleiner und hilfloser das Kind ist, umso ehrfürchtiger will es behandelt werden. Wollen Sie noch einmal wissen, weshalb diese große Ehrfurcht? Dann will ich das, was wir vorher gesagt, noch einmal unter einem anderen Gesichtspunkt aufzeigen: Was ist das Kind, so wie ich es jetzt sehe, zumal der Leib des Kindes? Auch dem Leib des Kindes, des unmündigen Kindes, auch dem Leib des Mitmenschen, auch dem Leib meines Ehepartners: größte Ehrfurcht.

 

 

J. Kentenich, 29.3.1953

 

 

 

 

Quelle: Unser Weg 2018 Qrt. 2