EINFACH LEBEN – ABER WIE?



 

 

 

 

Praktische Tipps fürs richtige Genießen

 

 

Einfach und bewusst leben ist nicht gleich-bedeutend mit Einschränkung und Verzicht, sondern ermöglicht oft Bereicherung und Genuss. Wir leisten uns nicht viel – aber Gutes, Wertvolles, das die Seele füllt und froh macht.

 

 

Einfach leben heißt nicht weniger Qualität

Wir haben immer gebrauchte Autos gekauft und sind dabei gut gefahren. Das bisher billigste Auto in Bezug auf Unterhaltung und Reparaturen ist eines der sogenannten Premium-Klasse, das durch hohe Kilometerzahl und einen Kratzer im Lack günstig zu haben war. An die Reaktionen darauf – „Ach, Ihr habt einen …“ haben wir uns inzwischen gewöhnt und meinen nicht mehr, Alter und Kilometerzahl (inzwischen über 300.000) auf die Heckscheibe schreiben zu müssen. Wir genießen das Fahren damit einfach!

 

Global denken und lokal handeln

Wenn wir ins Ausland kamen, erlebten wir oft, wie eigene Denkkategorien uns bewusst - und über den Haufen geworfen wurden. Bei einem Aufenthalt in Neuseeland zum Beispiel machten uns die horrenden Preise für Lebensmittel und viele Alltagsgüter deutlich, wie gut es uns in dieser Beziehung geht. Die Freundlichkeit, mit der sich auch fremde Menschen dort begegnen, zeigte uns dagegen, wie kühl es bei uns oft zugeht. So war jede Begegnung mit Menschen aus anderen Ländern bei uns eine Horizonterweiterung einerseits und ein Hinterfragen unserer Denk- und Verhaltensmuster andererseits. Das gab manchen Anstoß, Überflüssiges zu erkennen und darauf zu verzichten, zum Beispiel beim Essen. Wir lernten aber auch, manches im eigenen Land mehr zu schätzen, etwa unser Umweltbewusstsein. Wichtig erscheint uns dabei, dass wir eigene Werte und Maßstäbe haben, die uns als Orientierung dienen. Dann können wir flexibel sein, ohne die Fahne nach dem Wind zu drehen.

 

Einfach leben heißt nicht weniger Freude

Nach einigen Versuchen gelingt es uns, in unserem normalen und nicht mehr neuen Backofen gutes Brot und vor allem auch Laugengebäck und Brezeln herzustellen. Das sind an sich einfache und von den Zutaten her nicht teure Nahrungsmittel. In der Nachbarschaft und im Bekanntenkreis (auch unserer Kinder) sind sie aber inzwischen zu einem Renner geworden. Ein Bekannter hat uns schon viel als Elektriker geholfen mit der Bemerkung: „Und für die Arbeit will ich nur Laugenbrot!“ Damit haben wir ein persönliches und originelles Geschenk, das viel Freude auslöst.

 

Nicht am falschen Ende sparen

„Ich bin nicht reich genug, um mir billigen Kram leisten zu können“, das ist eine Lebensweisheit meines Vaters beziehungsweise Schwiegervaters, die auch von unseren Kindern oft zitiert und nach Möglichkeit beherzigt wird. So wählen sie zum Beispiel bei Werkzeug, Schuhen und mancher Kleidung sehr bewusst nach Qualität und nicht nur nach Mode aus – und die höheren Preise zahlen sich tatsächlich durch längere Haltbarkeit und sehr oft auch durch größeren Komfort aus. Damit haben sie auch länger Freude an dem, was sie sich ausgesucht haben. Wir beobachten, dass sie dadurch auch mehr Lust bekommen, diese Dinge richtig zu pflegen. Weniger ist mehr.

 

Einfach leben heißt nicht altmodisch leben

Vom verstorbenen Mainzer Kardinal Hermann Volk ist der Spruch überliefert: „Wer zu sehr von heute ist, wird morgen von gestern sein.“ Bewusst und einfach leben heißt für uns, den Fortschritt für unsere Ziele zu nutzen: Ohne WhatsApp, Skype und Mails wäre die Kommunikation doch viel umständlicher und teurer. Und keiner hindert uns, weiterhin haltbare Briefe zu schreiben oder Fotos auf Papier auszudrucken und miteinander zu reden statt nur zu twittern. So sind wir immer auf dem Laufenden, wie es unseren Kindern und Enkeln geht.

 

Offen und flexibel sein

Wir wären aus verschiedenen Gründen nie auf die Idee gekommen, eine weite Urlaubsreise zu machen – und dann zieht unser Sohn nach Neuseeland und natürlich haben wir ihn besucht. Der Aufenthalt war in vielerlei Hinsicht ein – ganz unerwartetes – Geschenk. An einem Tag war alles organisiert für ein Wochenende mit Camping am Meer, einige waren schon vorausgefahren. Verpflegung und Ausrüstung waren im Kleinbus – und der fängt nach zehn Kilometern an zu kochen (nachdem wir vorher ca. 1.500 Kilometer ohne Probleme mit ihm unterwegs waren, teils in einsamen Gegenden ohne Telefonempfang). Nichts zu machen, die andern kommen abends wieder zurück. Wir trösten uns: Wer weiß, wozu es gut ist. Kurz nach unserer Ankunft klopft ein Bekannter an die Tür und bringt uns eine komplette Languste, die ihm ein Taucherfreund geschenkt hat. Nach unseren ursprünglichen Plänen hätte er uns nicht angetroffen. So freuen wir uns über den gemütlichen Abend – zwar ohne Meeresstrand, aber auch ohne Stechmücken, im vertrauten Bett und mit Languste! Diese Offenheit, sich über durchkreuzte Pläne nicht endlos zu ärgern, sondern dankbar aufzunehmen, was dann passiert, hat uns schon Freude über manches unerwartete Geschenk verschafft.

 

 

 

 

Quelle: Unser Weg 2018 Qrt. 2