FÜHRUNG WAGEN



 

 

 

 

FÜHRUNGSKNOWHOW NACH PATER JOSEF KENTENICH

 

Wie führt Pater Kentenich und was vermittelt er an Führungs-knowhow? Dieser Frage geht der argentinische Schönstattpater Angel Strada nach, der Pater Kentenich noch zu Lebzeiten gekannt hat.

 

 

„Welche Methode hatten Sie, um so viel Vertrauen zu wecken bei so vielen Personen?“, fragt einer meiner Mitbrüder Pater Kentenich bei Gelegenheit. Seine Antwort ist unglaublich einfach: „Ich habe Tag und Nacht gedient. Ich habe nichts für mich gesucht, sondern war immer zur Verfügung.“ Die Grundlage seines Führungsknowhows ist diese Authentizität der Führungskraft, dieser Dienst am Leben, gelernt bei der christlichen Führungskraft schlechthin: Jesus Christus. „Ich bin gekommen, nicht um bedient zu werden, son­dern um zu dienen.“ (Mk 10,45) Heutigen Führungskräften geht es oft um Geld bezie­hungsweise um Macht. Jesus Christus sagt: „Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern der Größte unter euch soll werden wie der Kleinste und der Führende soll werden wie der Dienende.“ (Lk 22,26) Jesus hat es uns vorgemacht. Er hat seinen Jüngern die Füße gewaschen.

 

Dem Leben dienen

Diese Haltung kenne ich von Pater Kentenich aus eigenem Erleben. Wir treffen ihn in Münster, wo ich als Student mit mei­nen Mitbrüdern wohne. Der über 80-Jährige hält unsere Tagung und nimmt sich für jeden Zeit zum persönlichen Gespräch. Es ist ein wunderbarer Sommertag. Ich bin um Mitternacht noch draußen und mein Blick fällt auf das Fenster von Pater Kentenich. Das Licht ist noch an, er arbeitet noch. Am nächsten Tag steht er wie jeden Tag vor sechs Uhr auf. Er arbeitet 18 Stunden am Tag – ohne Pause nach dem Mittagessen. Er steht zur Verfügung, er „dient“.

 

Authentizität der Führungskraft

Für Pater Kentenich ist der erste und wesent­lichste Schlüssel zur Führungskompetenz die Person der Führungskraft selbst. Ihre Authentizität macht glaubwürdig und schafft Einfluss. Dabei geht es nicht um Perfektion, sondern um die Ausrichtung auf das Idealere, auf das Bemühen und Erstreben. Dies schafft, so Kentenich, moralische Autorität.

 

Verantwortung wahrnehmen

In einer Gemeinschaft, in der es keine Autorität gibt, ist sehr schnell Chaos. Niemand weiß genau, wofür er da ist. Es braucht eine Autorität. Sie muss wissen, was sie will und muss fähig sein, Ziele zu definieren, um Kräfte in der Gemeinschaft zu wecken, die sich mit diesen Zielen identifizieren können und wollen. „Wo keine kraftvolle anerkannte Führung am Werke ist, werden nicht selten die besten Kräfte unnötig ver­zettelt und am Ende der Entwicklung ist wachsende Unsicherheit und lebensmäßi­ger Leerlauf “, so führt Pater Kentenich 1961 aus. Die Führungskraft muss Mut haben zur Verantwortung. Sie ist nicht eine unter anderen oder bloß Koordinator, sondern sie hat Verantwortung, letztlich vor Gott.

 

Demokratisch führen

Gleichzeitig gilt es, demokratisch zu führen. Pater Kentenich spricht von demokrati­scher Anwendung. Führung muss sein: soli­darisch, kooperativ und sie muss Mitverantwortung wecken. In einem Brief an Pater Alex Menningen schreibt Pater Kentenich im Dezember 1953: „Ich persönlich habe es immer als Ideal aufgefasst, vor meinen nächsten Mitarbeitern möglichst kein Geheimnis zu haben. Sie sollten in alle Zusammenhänge eingeweiht sein. Sollten auch möglichst viele Einzelheiten wissen. Was ich so oft als Ideal des Führers hingestellt, habe ich alle­zeit zu verwirklichen gesucht. Der Führer muss sich möglichst überflüssig machen.“

 

Die Kunst des Delegierens

Das verlangt viel von der Führungskraft. Sie darf sich nicht bedroht fühlen, wenn viele mitdenken. Je mehr Mitarbeiter mit­verantwortlich sein wollen, umso besser. In dem Sinne ist die beste Führungskraft die, bei der neue Führungskräfte sich entwic­keln können. Pater Kentenich schreibt in oben zitiertem Brief: „Für mich galt alle­zeit der Grundsatz, was ich durch andere tun kann, brauche ich nicht selbst in die Hand zu nehmen.“ Das ist die Kunst des Delegierens. Das Gegenteil davon ist: aus Verantwortungsnot alles selber machen.

 

Griffsicher navigieren

Um als Führungskraft Klarheit zu gewinnen über die Zielorientierung, empfiehlt Pater Kentenich, „die Hand am Pulsschlag der Zeit“ zu halten. Konkret bedeutet das: Ich bin ori­entiert über politische Bewegungen in der Gegenwart und Vergangenheit, ich weiß, was die Menschen heute bewegt, was sie

traurig macht, was sie froh macht, welche Sorgen sie haben. Ich weiß, was die Leute in meinem Verantwortungsbereich bewegt, in meinem Dorf, in meiner Stadt, in unse­rem Land … Und gleichzeitig halte ich „das Ohr am Herzen Gottes“, also bewege die Frage: Was will Gott von mir und uns – jetzt?

 

Führen durch Kommunikation

Ein Schlüssel für Führungskräfte ist im Sinne Pater Kentenichs Kommunikation und Beziehung. Gerne braucht er das Wort „Fühlung“ für Kommunikation. Um herauszufinden, was „dran“ ist, empfiehlt Pater Kentenich: „… so muss man stän­dig sorgfältig Fühlung halten, muss verstehen, die Seelen aufzuschließen, dar­innen zu lesen und das Gelesene langsam in die Gesamtfamilie hinüberleiten. So und nur so wächst auf die Dauer eine gesunde, gottgeprägte Gemeinschaftsatmosphäre.“

 

Ich habe Interesse an meinen Leuten

Dies habe ich selber in meinem ersten per­sönlichen Gespräch mit Pater Kentenich erlebt. Ich bin sehr erstaunt darüber, wie er sich an Details von Einzelnen erinnert: „Was für ein Gedächtnis haben Sie!“, sage ich zu ihm. Da erwidert Pater Kentenich sehr eindringlich: „Wissen Sie, ich kenne die Meinen und die Meinen kennen mich“ (Joh 10,14), wobei er den „guten Hirten“ aus der Bibel zitiert. Er will mir sagen: Ich habe ein gutes Gedächtnis, das auch, aber noch mehr habe ich Interesse an meinen Leuten: „Ich kenne die Meinen und die Meinen kennen mich.“

 

 

 

 

Quelle: Unser Weg 2018 Qrt. 2