EHE-KOMPETENZ KANN MAN LERNEN


 

 

 

 

Seit fünf Jahren gibt es den Ehepaar-Newsletter, mittlerweile sind 60 Ausgaben erschienen. Ein kleines Redaktionsteam aus zwei Ehepaaren – Claudia und Heinrich B. sowie Gisela und Klaus G. – und Pater Elmar Busse kümmert sich um die Inhalte des Newsletters. „unser weg“ sprach mit Pater Busse.

 

 

Wie kam es eigentlich zu der Idee mit dem Ehe-Newsletter?

Wir fünf arbeiten seit Jahren in der Familienbewegung, Klaus G. hauptbe­ruflich als Therapeut mit eigener Praxis. Immer wieder mussten wir feststellen, dass Ehepaare ganz viel Energie in die Aufrechterhaltung der Fassade investieren: „Wenn wir schon kein gutes Ehepaar sind, dann wollen wir wenigstens nach außen so tun.“ Dann spielt Stolz sicher eine große Rolle: „Ehe ist doch das Natürlichste auf der Welt. Wer soll uns denn da helfen kön­nen?“ Und wenn es dann überhaupt nicht mehr weitergeht und einer der beiden ver­zweifelt Hilfe von außen sucht, dann ist das Hoffnungskonto schon längst abgebucht und im Minus.

 

Manche suchen sogar nur noch ein faires und möglichst schmerz­armes Ausstiegsszenario. Wenn die Paare drei bis vier Jahre früher gekommen wären, dann wäre noch mehr Hoffnungspotential vorhanden und es gäbe nicht so viele Verletzungen. Dann könnte man sich auf das Vermitteln und Erlernen neuer Strategien beschränken. So muss oft beiden ganz viel Hoffnungsmedizin ein­geflößt werden. Diese Beobachtung floss im-mer wieder bei unseren Treffen und Kongressen in die Gespräche ein. Irgendwann war der Punkt erreicht, wo wir sagten: „Jetzt machen wir Nägel mit Köpfen!“ Und los ging’s.

 

Wie finden Sie die Themen?

Pater Kentenich, der ja selber in seiner Zeit in Milwaukee (1952 bis 1965) mit Familien gearbeitet hat, ließ sich in seinen Themen von den Fragen leiten, die die Ehepaare mitbrachten. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland sagte er einmal einem sehr begabten Seelsorger, dem Mainzer Priester Werner Krimm, er solle mehr in den Seelen studieren als in den Büchern. Daran hielt sich dieser Priester. Bei seiner Beerdigung war der Mainzer Dom voll mit Gläubigen. Auch wir lassen uns von den Themen lei­ten, die die Ratsuchenden mitbringen.

 

Gibt es da nicht inhaltliche Wiederholungen?

Es ist ähnlich wie in der Musik. Immer wie­der die gleiche Melodie, das gleiche Thema, aber jedes mal in einem anderen Takt, in Dur oder Moll. Es gibt die typischen „Unfallschwerpunkte“ des Ehelebens: mangelnde Kommunikation untereinander, mangeln­de Feinjustierung in den Erziehungsstilen, die jeder von zu Hause mitbringt, unge­schicktes Zeitmanagement, mangelnde Vergebungsbereitschaft, unterschiedliche „Wohlfühlunordnung“, Frust in der Gestaltung der Sexualität, Selbstmitleid, Suchtproblematik, fehlende Aufmerksamkeit – um nur die wichtigsten zu nennen. Es gibt neun Newsletter über Sexualität und Zärtlichkeit, sieben über Kommunikation, wobei dieses Zentralthema fast alle Newsletter durchzieht, vier über Konfliktmanagement und fünf über Vergebung. Und von diesen thematisch zentrierten Newslettern gleicht keiner dem anderen.

 

Oft liest man die Schlagzeile, dass jede dritte Ehe geschieden wird, in den Großstädten jede zweite – entmutigt Sie das nicht?

Solche Schlagzeilen sind eine bewusste Fälschung der Tatsachen, denn es werden nur die Eheschließungszahlen mit den Scheidungszahlen ins Verhältnis gesetzt. Das sagt nichts über die Ehestabilität und Ehedauer generell aus. Ein Rechenbeispiel: In einem Dorf gibt es 396 Ehepaare. In die­sem Dorf heiraten im Jahr 2017 vier Paare und zwei lassen sich scheiden. Dann würde in mancher Zeitung stehen: Jede zweite Ehe wird geschieden. In Wirklichkeit sind es 0,5 Prozent der existierenden Ehen in dem Dorf. Die Ehe ist besser als ihr Ruf.

 

Was erhoffen Sie sich für den Ehepaar-Newsletter in den nächsten Jahren?

Ich wünsche mir, dass wir – wie bei natür­lichen Wachstumsprozessen – eine expo­nentielle Wachstumskurve an Abonnenten erreichen. Dann rechne ich natürlich auch mit dem Segen von oben. Gott selber hat Interesse daran, dass Ehen gelingen und durch die zwischenmenschliche Erfahrung von der Lebensqualität Treue eine Ahnung von der Bundestreue Gottes vermitteln. Schließlich hoffe ich darauf, dass der Präventionsgedanke auch in der Familienpolitik Raum gewinnt. Kinder von Allein-erziehenden sind einem hohen Armutsrisiko ausgesetzt. Wenn nur ein Bruchteil dessen, was als Sozialausgaben für Familien von Alleinerziehern ausgegeben wird, in die Prävention, also in die Stabilität von Ehen investiert würde, dann gäbe es viel mehr glückliche Paare auf Dauer. Denn es mangelt den Hochzeitspaaren ja nicht an der Motivation. Die Sehnsucht, die Liebe möge ewig dauern, bringen die Paare mit. Woran es mangelt, sind häufig die fehlen­den Sozialkompetenzen. Und die lassen sich vermitteln. Sie sind kein Geheimnis.

 

 

 

 

Quelle: Unser Weg 2018 Qrt. 2