AUS DEM LEBEN – FÜR DAS LEBEN: GEHORSAM BEI KLEINEN KINDERN – (K)EIN WERT FÜR UNSERE ERZIEHUNG?



 

 

 

 

Immer wieder kommt es vor, dass unser Sohn (3) einfach überhaupt nicht auf uns hört. Mein Mann und ich sind davon jedes Mal ganz getroffen. Wir versuchen doch auch, uns auf ihn einzulassen – da könnte er doch wirklich auch kooperie­ren! Oder ist Gehorsam einfach kein Wert mehr für unsere Zeit?

 

 

Zuerst müssen wir Eltern uns fragen, welche Auffassung wir vom Gehorsam haben. Wollen wir, dass unsere Kinder „mechanisch hören“, dass sie vielleicht sogar aus Furcht gehorchen? Nein, wir wollen Gehorsam ganz anders verstehen, als einen in die Tat umgesetzten Liebesbeweis, den wir aus Liebe und aus Anerkennung der Autorität erbringen. Wir? Ja, zuerst wir.

 

Im Alltag mit unseren Kindern merken wir, dass unser Predigen oder Tadeln kaum Erfolg hat. Pater Kentenich schlägt einen ganz anderen Weg vor, der den Blick vom vermeintlichen Fehlverhalten des Kindes weglenkt – hin zu uns Eltern. Der Motor unserer Kindererziehung soll unsere Selbsterziehung sein! Was wir für unsere Kinder wünschen, muss zuerst durch unseren eigenen Kopf, unser eigenes Herz gehen und kann dann auch beim Kind ankommen. So stellen sich im Bezug auf den Gehorsam zuerst Fragen an uns selbst: Stehe ich mit Ehrfurcht vor meinem Kind, vor seiner Größe und Originalität? Erschwere ich meinem Kind womöglich sein Hören, indem ich ihm nicht genug Zeit lasse, um sich auf mich und meine Pläne einzulassen? Oder indem ich seinen Tatendrang einschränke, obwohl mein Eingreifen gar nicht nötig ist?

 

Ein Beispiel: Unser kleiner Sohn klettert im Moment sehr gerne, hohe Mauern und Balken fordern ihn heraus. Auf dem Spielplatz liegt es mir schon auf der Zunge, ihm das Klettern auf die immer höher werdende Mauer zu verbieten – stattdessen kann ich vom Verbot aber auch zum Hinweisen über­gehen: „Schau mal, wie hoch die Mauer ist!“

Hier liegt schon eine mögliche Antwort auf die Frage, warum mein Kind nicht gehorcht. Der Taten- und Entdeckungsdrang ist groß. Die Verbote (und Ängste) der Eltern ste­hen diesem oft im Weg. Denken wir an die Mauer – und üben wir uns einmal selbst im Vertrauen, dass unsere Kinder etwas bewältigen können, dass sie im Tun über sich hinauswachsen. Wenn wir unser Misstrauen nach außen tragen, produzieren wir bei unseren Kindern Misserfolg, und wir verletzen sie mit dem ihnen entgegen­gebrachten Misstrauen. Stattdessen dürfen wir einfach üben, die Vorsilbe zu ändern, unserem Kind zu vertrauen, ihm auch etwas Schweres zutrauen. Es ist gut, wenn unsere Kinder außerdem sehen, dass nicht nur sie gehorchen – sondern auch wir Eltern uns bemühen, Gott gegenüber gehorsam zu sein. Wir können das z.B. im gemeinsamen Gebet einüben, wenn wir abends über den Tag reden, ihn wieder zurück in Gottes Hände legen, alles, was gut war und auch die Momente, für die ich mich bei meinen Kindern und bei Gott entschuldigen muss.

 

Wir haben gemerkt, dass ein Schlüssel, um Schwierigkeiten (z.B. auch dem beobachteten Ungehorsam) zu begegnen, Zeit heißt. Bewusst nehmen wir uns Zeit, sind gesprächsbereit, wenn unsere Kinder uns ansprechen oder Fragen stellen und bemühen uns, ihre Bedürfnisse (vor allem die seelischen) nicht aufzuschieben. Gerade wenn wir mehrere Kinder haben, ist es wertvoll, jedem einzelnen Kind seine Zeit zu schenken.

 

Zeit trägt aus unserer Sicht entscheidend zu einer guten Familienatmosphäre bei. Wir wol­len unseren Kindern mit Geduld und Liebe, Wertschätzung und Achtung begegnen – und das gelingt uns am besten, wenn wir nicht unter Zeitdruck stehen. Gerade alltägliche Situationen wie das Einkaufen können schnell in Stress aus­arten, doch wir können auch dafür bewusst mehr Zeit einplanen, Ruhepausen und Langsamkeit in Kauf nehmen, uns nicht so viel vornehmen. Für uns hat sich außerdem ein Familienabend in der Woche bewährt, an dem wir etwas Besonderes essen, danach noch spielen oder basteln, die ver­gangene Woche besprechen oder Feste aus dem Jahreskreis aufgreifen und vorbereiten.

 

Mit diesen Gedanken wollen wir noch einmal auf den Gehorsam blicken. Tadel bringt uns nicht weiter, auch Verbote, die drohend ausgesprochen werden, führen nur zum Furchtgehorsam, den wir aber nicht erreichen wollen. Stattdessen mei­nen manche, dass Belohnungen ein Mittel zum Erfolg wären. Wir nutzen dieses Mittel nicht, da wir nicht wollen, dass unsere Kinder zuerst fragen: „Was springt für mich dabei raus?“ Nein, die Kinder sind Teil der Familie und tragen zum Familienleben bei. Statt einer Belohnung für einen Dienst haben sie einfach die Chance, ihren Eltern eine Freude zu machen. Diese Freude übers Freudemachen wollen wir ihnen nicht nehmen. So bleibt bei aller Ratlosigkeit, in die wir manchmal bei Erziehungsfragen fallen, doch die Zusage, die wir auch den Kindern vermitteln, ebenso für uns bestehen: Dein Vertrauen macht mich stark! Wir dürfen Gott vertrauen, so wie er auch uns vertraut – uns die Erziehung unserer Kinder zutraut.

 

 

 

 

Quelle: Unser Weg 2018 Qrt. 2