LEITEN UND BEGLEITEN



 

 

 

 

Wie wir den Medienkonsum in unserer Familie gestalten

 

 

Er: Wir suchen in unserer Familie immer neu nach Wegen, wie wir Medien nutzen, was wir mit unseren Kindern besprechen und vereinbaren. Es tauchen ständig neue Herausforderungen auf, denn die Situation wandelt sich, sobald die Kinder etwas älter werden.

 

Sie: Eine Zeit lang hatten wir ausgemacht, dass es nur bestimmte Zeiten gibt, um das Smartphone zu benutzen. Wir hatten uns vorgenommen, dass außerhalb dieser Zeiten die Handys in unserem Hausheiligtum liegen. Ich legte meines auch dazu. Obwohl das eine gemeinsame Absprache war, haben die Jungs es nicht wirklich geschafft.

 

Er: Dann habe ich das technisch so eingerichtet, dass ich für jedes Smartphone die Internetzeiten einstellen kann. Jetzt gibt es Zeiten, in denen das Netz erreichbar ist und Zeiten, in denen es einfach nicht geht.

 

Sie: Als dies noch nicht so eingerichtet war, waren wir so weit gekommen, dass die Jungs zum Beispiel in ihren Ferien praktisch nur auf ihren Zimmern waren und surften. Wir besprachen dann mit ihnen, dass es vormittags keinen Internetzugang gibt. Man muss auch etwas anderes tun am Tag, man muss sich auch bewegen. Die Wirkung dieser Regelung ist, dass sie auch in den Zeiten, in denen sie ins Netz können, öfter zu uns herunterkommen und mit uns und unserem jüngsten Sohn Zeit verbringen. Wie die psychischen Zusammenhänge sind dabei, weiß ich nicht, aber das ist im Moment die Wirkung.

 

Gewaltfilme?

Sie: Unsere Kinder sind sehr verschieden und deshalb versuchen wir, sie im Umgang mit den Medien individuell zu behandeln. Einer unserer Söhne ist sehr sensibel, der andere ist robuster. Wir hatten mit ihnen ausgemacht, dass sie sich keine Gewaltfilme anschauen. Ich selber tue das auch nicht. Ich habe auch mit ihnen gesprochen, welche Einflüsse es hat, wenn man sich Sexfilme anschaut, und dass das nicht gut tut.

 

Er: Unser Sohn, der rauer ist, muss in unserer Familie und überhaupt seinen eigenen Weg suchen. Er wollte unbedingt harte Filme anschauen. Wir merkten, dass er diese viel unbeschadeter anschauen kann; er hat dann zum Beispiel keine schlechten Träume wie seine Brüder. Deshalb haben wir ihm schon früher erlaubt, manches anzuschauen. Natürlich haben wir sensibel das Gespräch mit seinem Bruder gesucht, um bei ihm Verständnis zu wecken, weshalb wir das unterschiedlich handhaben.

 

Wie ein Gameboy zur Last wurde

Er: Einer unserer Söhne hatte einen Gameboy geschenkt bekommen. Er hat sehr, sehr viel damit gespielt. Obwohl wir ihm sagten, dass wir das nur eine begrenzte Zeit erlauben, konnte er sich nicht daran halten. Wir merkten, wie ihn das Spiel immer mehr gefangen nahm und ihm gar nicht gut tat. Dann waren wir sehr streng und machten ganz feste Nutzungszeiten aus und forderten die Einhaltung auch ein. Wir erlebten dann, dass unser Junge total erleichtert war. Wir spürten, wie er wieder freier wurde. Er kam so oft zu uns, hat uns umarmt und gedankt. Er war einfach noch nicht reif genug und fähig dazu, seinen Spielkonsum selbst zu regulieren und auf ein für ihn gesundes Maß zu beschränken. Es war eine Last für ihn, die zu schwer geworden war.

 

Er begann, süchtig zu werden

Sie: Ein anderer unserer Jungen machte bei einem Spiel mit. Zu dieser Zeit durften die Jungen nachmittags insgesamt eine halbe Stunde ins Netz. Er ist wegen dem Spiel fast alle fünf bis zehn Minuten für eine Minute ins Netz gegangen, um sich selber im Spiel neu zu orientieren und zu positionieren. Obwohl die Zeit auf insgesamt 30 Minuten reglementiert war, war er in Gedanken praktisch ständig mit dem Spiel beschäftigt. Wir merkten mit der Zeit, dass er ganz davon besetzt war. Alle Versuche, ein gesundes Maß zu finden, schlugen nicht an. Er begann, süchtig zu werden.

 

Er: Dann spürten wir, dass wir streng sein müssen. Wir haben ihm verboten, an diesem Spiel weiter teilzunehmen. An diesem Wochenende war er zu nichts fähig. Er verbrachte das ganze Wochenende im Bett. Dann begann wieder die Schulwoche.

 

Sie: Am nächsten Wochenende blieb er wieder im Bett. Dann habe ich all meinen Mut zusammengenommen und bin zu ihm ins Zimmer gegangen, habe ganz entschieden zu ihm gesagt: „Jetzt stehst du auf, räumst dein Zimmer auf und machst dies und das.“ Er ist aufgestanden, hat sein Zimmer aufgeräumt und hat wieder zurückgefunden ins normale Leben. Es ist mir sehr schwergefallen, so streng zu ihm zu sein. Mein Eindruck: Wir konnten gerade noch eine richtige Sucht und Abhängigkeit verhindern.

 

Er: Wir haben es aber nicht bereut, dass wir unserem Sohn so viel Freiheit gelassen hatten. Er ist ein Typ, der am eigenen Leib erfahren muss, was passiert. Ähnlich ist es bei ihm im Sport: Er ist da sehr wild. Wir haben ihn oft gewarnt, aber ohne Wirkung. Nachdem er zwei kleinere Unfälle hatte, geht er jetzt behutsamer mit seinem Körper um.

 

Sie: So ist eben seine Persönlichkeit. Ich glaube, die Schlüsselworte sind neben Vertrauen und Beten einfach das Begleiten. Natürlich bin ich sehr dankbar, dass noch nie so etwas richtig Schlimmes passiert ist.

 

 

Quelle: Unser Weg 2018 Qrt. 3