INTO THE BREACH – IN DIE BRESCHE SPRINGEN, WO LEERE HERRSCHT


 

 

 

 

Die Evangelisierung im Internet birgt viel Entwicklungspotential. Was können wir besonders von amerikanischen katholischen Websites diesbezüglich lernen?

 

Vor etwa drei Jahren bin ich, was mei­nen Glauben betrifft, zum ersten Mal im Internet über den großen Teich gesurft und habe dort eine neue Welt entdeckt. Da ich beruflich viel mit Amerikanern zu tun habe und öfter auch mal persönliche Gespräche führe, hat es mich ohnehin interessiert, in was für einem katholischen Klima manche Amerikaner leben.

 

Neue Werte für Männer

Damals bin ich auf der deutschen Seite www.kath.net auf das apostolische Schreiben „Into the Breach“, zu deutsch: „In die Bresche springen“, von Thomas J. Olmsted, Bischof der Diözese Phönix, Arizona, gestoßen. Bischof Olmsted wollte mit diesem Schreiben einen neuen Aufbruch für die Männer in seiner Diözese anstoßen. Ihm geht es darum, Männer neu zum Gebet zu inspirieren und ihnen ein werteorientiertes Leben schmackhaft zu machen. In den Gemeinden der Diözese sollten überall Männergebets-und -gesprächskreise entstehen. Ich war damals fasziniert davon, weil das Schreiben und seine Aufmachung im Internet so modern wirkte und gleichzeitig den katholischen Idealen so treu blieb. Mich begeisterte, dass innere Stärke und Ritterlichkeit immer noch Werte sind – ganz im Kontrast zu den rein körperlich und sportlich fixierten Männeridealen unserer Zeit. Die Kombination aus moderner Website mit Videos und Blogs, „alten“ Glaubensinhalten und persönlichen Zeugnissen gefiel mir, auch wenn für unseren Geschmack manches vielleicht zu emotional und fast schon kitschig erscheint. Trotzdem, die Wirkung ist da.

 

Mission im Silicon Valley

Von Bischof Olmsted gelangte ich weiter zu Sam Guzman, einem damals 25-jähri­gen Familienvater, der vom evangelischen Glauben konvertiert ist und eine Website betreibt: www.catholicgentleman.net. Sein Motto: „be a man, be a saint.“ Guzman greift aktuelle Themen auf, die speziell Männer betreffen, beleuchtet sie aus der Sicht des katholischen Glaubens und untermauert sie mit Texten von Persönlichkeiten der neueren Geschichte. Das neueste Projekt, das Guzman auf seiner Seite unterstützt, ist „rise“ auf www.menriseup.org, eine virtuel­le Gesprächsgruppe für Männer mit einem 30-tägigen Begleitprogramm.

 

Inspiriert durch Guzman habe ich mich weiter auf amerikanischen Websites umgeschaut und bin auf Bischof Robert Emmet Barron und die Seite www.wordonfire.org gestoßen. Barron, Weihbischof in der Erzdiözese Los Angeles, unterhält einen YouTube-Kanal mit über 140.000 Abonnenten, auf dem er regelmäßig Position zu politischen und christlich-katholischen Fragestellungen bezieht. Ende 2016 war Bischof Barron bei dem bekannten amerikanischen Comedian und Talkshow-Moderator Dave Rubin, einem beken­nenden Atheisten, zum „Rubin Report“ auf YouTube eingeladen, und hat dort sehr faszinierend über seinen Glauben gesprochen. Sein neuester pastoraler Ansatz ist die Internetplattform engage. wordonfire.com. Hier kommuniziert er mit Gemeindemitgliedern über Glaubensthemen und zieht neue Interessenten an. Barron ist als Bischof weit über die Diözesangrenzen aktiv, so auch im Silicon Valley, wo große Tech-Firmen wie Google und Facebook sitzen. Er scheut sich nicht, bei diesen vor Ort einen Vortrag vor Mitarbeitern zu halten. Thema bei Google: Der Glaube schaltet den Intellekt nicht aus, sondern öffnet den Geist und bringt tiefe Erfüllung (siehe www.wordonfire.org/google). Thema bei Facebook: Die Menschen müssen ler­nen, im Internet besser zu argumentie­ren, vor allem über Religion (siehe www. wordonfire.com/facebook). Das Hereintragen der Glaubensbotschaft in das Herz unserer technisierten Welt beschäftigt mich und ich frage mich, ob so etwas auch in Deutschland denkbar wäre: Menschen, selbst Offizielle der katholischen Kirche, die mit ihrem Namen, ihrer Begeisterung und Freude und nicht zuletzt mit einer kla­ren Haltung für ihren Glauben einstehen, dort wo die Zukunft ist und wo der Puls der Zeit schlägt.

 

Kämpfende Kirche sein

Bischof Barron hat einen Medienbeauftragten, Brandon Vogt, der unter anderem den Kanal www.strangenotions.com betreibt, mit dem er sich ganz gezielt an Atheisten wendet. Vogt ist ein Bücher schreibender Internet-Apostel, der verschiedenste, sehr moderne Websites und YouTube-Kanäle betreibt, mit denen er sich an bestimmte Menschengruppen wendet. Ein ähnli­ches Beispiel ist Michael Vorris von www. churchmilitant.com. Vorris ist ein amerika­nischer Journalist, der in Rom eine katho­lische Nachrichtenagentur betreibt und regelmäßig Videoblogs ins Netz stellt. Man kann sich über seine Positionen streiten, aber seine Leidenschaft und seine Überzeugungskraft sind beeindruckend. Vorris sieht sich als Teil der „ecclesia militans“, der kämpfenden Kirche und erkennt seine Berufung darin, den Kampf gegen anti­christliche Kräfte via Internet auszutra­gen. Ähnliches bietet die Seite onepeterfive. com von Laien mit traditionell katholischer Prägung. Die Macher der Website beziehen sich auf 1. Petrus 5: „Seid nüchtern, seid wachsam! Euer Widersacher, der Teufel, geht wie ein brüllender Löwe umher und sucht, wen er verschlingen kann. Leistet ihm Widerstand in der Kraft des Glaubens!“ Hier findet man auch niveauvolle Reflexionen zu Geschehnissen in der deutschen Kirche. Einer der besten Nachrichtenkanäle, der sich dem Lebensschutz widmet, ist www. lifesitenews.com mit einer professionell aufgemachten Haltung zum Lebensschutz. Auch hier treten – oft sehr junge – Menschen als Blogger auf mit einer eindeutigen Botschaft für das Leben von Anfang an.

 

Mit Namen und Gesicht Zeugnis geben

Was fasziniert mich an all diesen Websites? Was finde ich dort, was es im deutsch­sprachigen Netz so noch zu wenig gibt? Es ist, glaube ich, die Verbindung aus technischer und medialer Professionalität und christlichen Überzeugungen. Und dass sie dabei sehr schlau vorgehen: Auf den meisten Websites sieht man nicht sofort, von wem sie stammen, man wird erst mal durch tolle Bilder und interessante kurze Texte in den Bann gezogen. Mich begeistert auch, dass diese Menschen mit Namen und Gesicht offen auftreten, in einem Umfeld, das jede Menge Angriffsfläche bietet. Ich glaube, sie erreichen Menschen, die sonst gar nicht mit dem Glauben und der Kirche in Kontakt kämen, Menschen, die als Internet-Nomaden umherirren und ihre Einsamkeit im realen Leben im Netz zu bekämpfen versuchen. Diese Websites sind für mich in meinem Alltag zu einer wich­tigen Quelle der Stärkung geworden. Viele Texte bauen mich auf, geben mir Mut und bestärken mich am Festhalten an grundle­genden Überzeugungen meines Glaubens. Sie weiten aber auch meinen Horizont und eröffnen mir wichtige Perspektiven und Sichtweisen, die ich bisher nicht kannte.

 

Digitale Apostel werden

Bei uns gibt es ähnliche, sehr wertvolle Ansätze – etwa die Seiten www.kath.net oder catholicnewsagency.de und viele ande­re verschiedener Richtungen. Trotzdem, ich würde mir wünschen, dass wir uns befreien von vielen Zwängen und uns trau­en, mitten in den Medien mit unserem Glauben präsent zu sein und dort ein Vakuum zu füllen – mit wirklichem Leben. „We are digital Evangelists“ („wir sind digi­tale Apostel“) heißt es auf der Seite eines Webdesigners, der die Webauftritte von kirchlichen Organisationen in Amerika entwickelt (www.holdsworthdesign.com). Auch der Buchdruck hat vor 500 Jahren enorm zur Evangelisierung beigetragen – was hindert uns daran, die neuen Medien genauso effektiv zu nutzen? 

 

 

 

Quelle: Unser Weg 2018 Qrt. 3