DER MENSCH IST DAS WESEN, DAS ICH UND DU SAGEN WILL


 

 

 

 

Gefahr bei einseitigem Medienkonsum: innere Zerrissenheit

Das ist der typische Mensch des Radios: In seinem Inneren ist nichts mehr miteinander, sondern alles neben-und auseinander; alles ist zusammenhanglos geworden. Weil er im Inneren keine eigene quellende Fülle des Lebens mehr besitzt, sucht er sich im Äußeren eine bunte Menge der Dinge zusammenzustellen. Dazu hilft wie ein mechanisches Gedächtnis oder eine Registriermaschine das Radio, das die Dinge und Ereignisse des Tages zusammenhanglos aneinanderreiht und an ihm vorbeilaufen lässt. Wahllos empfängt er vom Radio den Inhalt seines Denkens und seines innerlichen Lebens. Das Radio bestimmt sein inneres Erleben. So lebt er nicht mehr selber, sondern er wird gelebt. Er ist gleichsam unmittelbar nur mit dem Radio, nicht mehr mit den eigenen Sinnen verbunden. Darum hat der Mensch auch keine innere Geschichte mehr. Das Radio ist heute seine Geschichte; aus ihm empfängt er seine Existenz. Darum muss dieser Mensch dem Äußerlichen ganz verfallen. Das Radio sendet ohne Zusammenhang. Darum ist auch der Radiomensch ohne inneren Zusammenhang und denkt nicht einmal mehr daran, dass es zum Wesen der menschlichen Person gehört, eine eigene zusammenhängende innere Welt zu haben. Ohne innere Sammlung und daher ohne persönliche Verbundenheit mit dem Geschehen sieht er schließlich auch keinen Sinn mehr in dem Geschehen. Dann breitet sich die innere Leere aus, die Langeweile. In diesem äußerlichen Nebeneinander ohne Verbundenheit, ohne Zusammenhang, in dieser tiefen Verarmung des Herzens verstummt das Gespräch. Dann beginnt das Geschwätz.

 

Sehnsucht und Heilmittel: echte Kommunikation

Das Gespräch unseres Lebens oder die Entfaltung des Ebenbildes kann nur aus dem Inneren kommen. Dort lebt ja das Ebenbild, der Inhalt des Gespräches. Und wie der Vater den Sohn, 'das Bild Gottes' (2. Kor 4,4), nur aus der gesammelten Fülle Gottes zeugen kann, so können auch wir das Ebenbild nur entfalten aus der tiefen Sammlung unseres innerlichen Lebens. Wo diese Sammlung fehlt, da ist kein Gespräch mehr möglich, das zur Entfaltung des Ebenbildes fruchtbar sein kann.

J. Kentenich 1954

 

 

Der Psalmist fragt Gott: „Was ist der Mensch, dass du ihn anblickst?“ (Ps 8,5). Wir wiederholen die Antwort: Der Mensch ist das Wesen, das Ich und das Du sagen will und muss, das Liebe geben und empfangen, das von Gott liebend angeblickt, das von ihm aufgenommen, bestätigt und gebraucht werden will und das ihn liebend anblicken muss, wenn es nicht verkümmern soll. Deshalb hat Gott, der Schöpfer von Natur und Gnade, sein Bild, das Bild des einen Gottes in dreifaltiger Gemeinschaft, gleichsam in uns aufgehängt, er hat uns in dieses Bild als sein Ebenbild geheimnisvoll hineingeschaffen. Darum kennt der Mensch nicht nur ein Selbstsein, sondern auch ein Mitsein, deshalb ist er allezeit beides gleichzeitig: einsam und gemeinsam; einsam vom göttlichen Wesen her und gemeinsam von der dreifaltigen Gemeinschaft her.

 

J. Kentenich 1954

 

 

 

 

Quelle: Unser Weg 2018 Qrt. 3