HEIMAT FINDEN IM HERZEN DES PARTNERS


 

 

 

 

Die gesamte Lage der heutigen Welt zeigt als Komponente die bedrückende Tatsache, dass die Menschheit auf dem Wege ist, kontaktarm zu sein. Das heißt praktisch, die heutige Menschheit ist auf dem Wege einer allseitigen seelischen Entheimatung. Wie viel Einsamkeit und Vereinsamung besteht auf der ganzen Welt; auch nicht selten im Raum und Rahmen der Ehe, wo wir doch an sich eine tiefe seelische Beheimatung und eine seelische Ergänzung erleben sollten. Wir erleben viel Einsamkeit, die zur Vereinsamung führt …

 

Je älter wir werden und je mehr sich die Entwicklung der heutigen Welt fortsetzt, desto stärker erleben wir das Gefühl der Entheimatung. Eine Entheimatung wahrscheinlich nicht selten in außergewöhnlicher Weise auf dem Arbeitsplatz. Schon deswegen, weil die Auffassungen, die Welt-auffassungen so entgegengesetzt, so unterschiedlich sind. Wir fühlen uns dort nicht wohl, nicht zuhause. Es ist eben die große Frage: Wir haben zwar eine äußere Heimat, das heißt einen Ort, der uns gehört, ein Haus, von dem wir sagen können, es ist unser Haus, und trotzdem erleben wir dort auch ständig wieder neu das große Schicksal der Entheimatung.

Heimatlosigkeit, so pflegt man wohl zu sagen, ist nicht selten auch Gottlosigkeit. Von großer Bedeutung ist es deswegen, dass wir uns als Wallfahrtsgnade dieses Mal erneut erbetteln die Gnade der Beheimatung.

 

Wir brauchen ein Nest

Wo wollen wir beheimatet werden? Letzten Endes im Herzen Gottes! Aber wir wissen: Beheimatung im Herzen Gottes setzt als Vor-erlebnis eine Beheimatung auf der natürlichen Ebene voraus. Eine Beheimatung – wir sind ja verheiratet – von Herz im Herzen …

 

Was versteht man unter Heimat?

Wo Liebe ist, da ist Heimat! Eine allgemeine, gültige Antwort. Sie können also jetzt nicht sagen: Wir haben ein glänzendes Haus mit allem Komfort ausgestattet. Wir mögen uns da und dort schon einmal wohlfühlen. Aber wenn keine Liebe das Haus durchseelt, wenn wir keine Heimat finden Herz im Herzen, dann kann die Gegend noch so glänzend sein, schön sein, hinreißend schön, sie wird nie unsere Heimat werden …

 

Wir erleben ja heute, wie wenig wirkliche Liebe überall ist. Und weil wenig Liebe da ist, wenig Herzensverbindung, Herzens-verschmelzung trotz allem äußeren Kom-fort, trotz aller äußeren Genüsse, trotz glänzen der Gegenden, trotz glänzender Ausstattung unseres Hauses, besteht doch nicht das Gefühl der Beheimatung. Ungezählt viele Male wird die eheliche Treue deshalb gebrochen, weil man nicht beieinander, ineinander eine Heimat findet. Wir können nicht ohne Heimat, nicht ohne Nest leben – so wie der Vogel nicht ohne Nest existieren kann. Man versucht irgendwo anders, wenn auch widerrechtlich, ein Heim, eine Heimat zu suchen und zu finden. Das ist eine allgemeine Antwort.

 

Dimensionen des Heimatgefühls

Wenn wir aber die Antwort jetzt ein wenig tiefer durchdringen wollen, dann meine ich: Heimatgefühl setzt ein dreifaches Element voraus.

1)      Das eine ist ein physisches Moment.

2)      Das andere ist ein seelisch-geistiges Moment.

3)      Das letzte ist ein metaphysisches Moment.

Zu 1) Das physische Element ist ein Haus. Es ist selbstverständlich, wenn man Geld hat, kann man sich ein besseres Haus kaufen. Natürlich dürfen wir nicht übersehen: Damit an einem Ort Heimat erlebt wird, wird natürlich auch verlangt, dass eine gewissen Stetigkeit damit verbunden ist, aber das ist nicht einmal das Wichtigere.

 

Zu 2) Das wichtigere sind die seelischen Erlebnisse, die mit diesem Ort verbunden sind.

 

Zu 3) Ich will gleich das dritte Element auch angeben und herausheben, das metaphysische Element dieser seelischen Erlebnisse. Erlebnisse, die mit den einzelnen Teilen des Ortes verbunden sind. Sie sind ein Symbol für die Beheimatung in der jenseitigen Welt. Dürfen wir also in dem Hause, in dem wir leben, gegenseitige seelische Beheimatung erleben, dann wird das eigentlich im Vollsinn des Wortes Heimat, wenn diese seelischen Erlebnisse, dieses seelische Ineinander als Symbol aufgefasst wird für das seelische Ineinander zwischen uns und dem lebendigen Gott …

 

Das Herz des Mannes verschmolzen mit dem Herzen der Frau

Wir wollen vor allem um die Gnade einer wahren, tiefen Beheimatung bitten und diese Gnade dürfen wir auch erwarten.

Eine Beheimatung unter dem dreifachen Gesichtspunkt:

 

Wir wollen als Familie auch einmal beisammen sein, froh sein. Das Wesentlichste ist: Wir müssen einander ins Herz auf-nehmen. Ich kann sprechen von einer Herzensverbindung, von einer Herzensvereinigung, ich meine, das trifft noch nicht den Kern, es müsste eine Herzensverschmelzung werden. Also das Herz des Mannes verschmolzen zu einer eigenartigen Zweieinheit mit dem Herzen der Frau. Das Herz der Eltern verschmolzen mit den Herzen der Kinder.

 

 

J. Kentenich, 13.08.1966

 

 

Quelle: Unser Weg 2018 Qrt. 4