ZEITKRANKHEIT HEIMATLOSIGKEIT



 

Der heutige Mensch ist seelisch wurzellos, geistig heimatlos geworden. Dies hat verschiedene Ursachen. Heute ziehen so viele kranke Strömungen durch die Welt. Zum Beispiel jeder, der besitzt, muss Furcht haben, dass er morgen alles verliert. Schauen wir einmal auf Deutschland. Der Großkapitalist hat alles verloren durch die Bomben und oft von heute auf morgen. Dies ist ein Symbol für alles, was augenblicklich in der Welt am Wanken ist. Wir haben heute noch zu essen, wissen aber nicht, wie es morgen ist. Diese Unsicherheit bringt unsere Seele in Erschütterung. Auch die Menschen sind so oberflächlich geworden. Sie fühlen sich heimatlos. Es gibt ein schönes Lied, da sagt der Dichter: „Ich kann nicht nach Hause, hab keine Heimat mehr." Das heißt: Ich habe kein Herz, das mich aufnimmt, das mich birgt, in das ich mich zurückziehen kann wie ein Vöglein in sein Nest. Und die Zeit sorgt, dass wir ohne Heim sind, ohne Heimat … Damit sind nicht so sehr ein eigenes Haus, materielle Güter gemeint – diese sind an und für sich vergänglich –, sondern die Heimat im Herzen eines anderen.

 

Die Gottesmutter will dem heutigen Menschen die Gnade der Beheimatung schenken. Was verstehen wir nun darunter? Sie bietet dem heimatlosen Menschen ihr eigenes Herz als Heimat an. Es ist ein gütiges, liebendes, verstehendes Herz. Sie versteht alles, was ein Menschenherz bewegt; denn all dies hat auch ihr eigenes Herz bewegt.

 

 

J. Kentenich, 18.05.1948

 

 

Quelle: Unser Weg 2018 Qrt. 4