VOM LUXUS, GROSSELTERN ZU SEIN



 

 

 

 

Wir müssen nicht mehr erziehen, wir dürfen Werte an unsere Enkel weitergeben.

 

„Nein, ich erziehe nicht mehr!“ So war meine spontane Antwort, als wir einem unserer Enkelkinder auf Wunsch seiner Eltern etwas ver­bieten sollten. Unsere Kinder sind groß, und wir hatten nicht den Eindruck, sie besonders gut erzogen zu haben. Wir haben versucht, sie „anständig“ zu erziehen, ihnen das Wichtigste fürs Leben mitzugeben. Und vor allen Bemühungen, ihnen den Weg ins selbständige Leben zu bahnen, war uns wichtig, ihrer Seele Halt zu geben im Glauben.

 

Mit den Enkeln die Welt entdecken

Unsere Kinder haben nun selbst Kinder, und die Enkelkinder sind bei uns, wenn ihre Eltern zu lange Arbeitstage hinnehmen müssen und zur Schlafenszeit der Kinder erst heimkommen. Wir genießen es, so „nah dran“ zu sein und viele Stunden mit den Kleinen verbringen zu dürfen – eben weil wir in dem Bewusstsein leben, nicht mehr erziehen zu müssen. Wir nehmen uns die Zeit, mit den Kleinen die Welt zu ent­decken, zu beobachten und darüber zu staunen, wie wunderbar der liebe Gott die Welt gemacht hat: dass der Schmetterling so bunte Flügel hat, dass er zu den Blüten fliegt, dass es die Bienen und Wespen eben­so tun, dass der Hase schnuppert, wenn wir mit Futter kommen … Und dann lesen wir und schauen uns im Bilderbuch Jesus an,  der so nah bei den Menschen ist und der die Kinder zu sich kommen lässt, auch als er müde ist.

 

Ein „Kinderparadies“ im Wohnzimmer

In unserem Wohnzimmer haben wir ein kleines „Kinderparadies“ eingerichtet. Darin sind noch Spielsachen und Bilderbücher vom Papa, von der Tante Mimi und so weiter. Marie und Jona lieben diese Ecke besonders, und sehr oft holen sie die Jesusbüchlein und versuchen herauszufin­den, was Jesus da gerade tut. Die vierjähri­ge Schwester sagt dann dem zweijährigen Bruder zwischendurch beim Betrachten: „Weißt Du, Du brauchst keine Angst zu haben, ich bin ja bei Dir.“ Und sie meint damit Jesus.

 

Miteinander beten

Bei den Mahlzeiten beten wir wie gewohnt ein Tischgebet; doch wir haben es so ab- gewandelt, dass die Kinder angesprochen sind: „Lieber Gott, wir danken Dir (dabei schauen wir auf das Kreuz und das Ma- rienbild) für die großen und die kleinen Leute hier (wir zeigen mit den Händen auf sie) und für das gute Essen (wir zeigen auf das Essen), das lassen wir uns jetzt schmecken, mmmmh (wir reiben uns das Bäuchlein). Maria mit dem Kinde lieb, uns allen Deinen Segen gib, guten Appetit!“ Danach fassen wir uns gemeinsam an den Händen. Das Kreuzzeichen üben wir noch gemeinsam.

 

Den Bogen zu Jesus und der Gottesmutter schlagen

Da kommt natürlich bei Marie die Frage, warum wir das machen. Und dann suchen wir nach dem Mittagessen das Büchlein, wo Jesus das Kreuz trägt und wo er uns zeigt, dass er uns ganz besonders lieb hat. Wir versuchen, beim „Weltentdecken“ den Bogen zu Jesus und der Gottesmutter zu schlagen und nach der passenden Geschichte zu stöbern. Am schönsten ist es, wenn die Kinder mit Weihwasser geseg­net werden möchten: „Lieber Jesus, liebe Gottesmutter, segne unseren Carlo, lass ihn ein frohes Kind sein und jeden Tag Neues entdecken.“ So beten wir während dem Segen.

 

„Wir brauchen noch Segenswasser!“

Einmal hatten wir es etwas eilig. Die Kinder wurden abgeholt, und wir hatten sie noch nicht gesegnet. Weihwasser war nicht in der Nähe. Wir dachten, ein schneller Segen tut es auch. Doch wir hatten nicht mit folgendem gerechnet: „Oma, wir brauchen doch noch Segenswasser!“ Nein, wir erzie­hen nicht mehr. Wir versuchen, in den Enkeln den Wunsch nach Gott zu wecken und wir vertrauen auf IHN.

 

 

Quelle: Unser Weg 2018 Qrt. 4