DAMIT DIE ZUKUNFT EIN ZUHAUSE HAT



 

 

 

 

Erfahrungen mit der Akademie für Familienpädagogik in Memhölz

 

 

Während meines Studiums stellte sich her­aus, dass ich wegen Kurzsichtigkeit eine Brille brauchte. Immer wieder schob ich das Aussuchen hinaus. Als ich die Brille schließlich beim Optiker abholte, stellte ich draußen überrascht fest: Die Welt war auf einmal viel bunter! Ich wusste gar nicht mehr, dass die Farben so intensiv waren.

 

Eine neue Sichtweise

Wie ein ganz neues Seh- und Wahrnehmungserlebnis haben wir als Ehepaar auch die Ausbildung zum Familientrainer erlebt. Nach 18 Jahren Ehe merkten wir: Wir müs­sen etwas für unsere Ehe tun, sie ist kein Selbstläufer. Uns war klar: Wenn wir nicht auf dem derzeitigen Stand stehen blei­ben wollten, brauchten wir Anregung von außen. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt unsere vier Kinder, damals zwischen 14 und sieben Jahre alt. Sie forderten unsere Kraft heraus. Durch ihre Pubertät wurden wir noch einmal mit den Fragestellungen der eigenen Biographie konfrontiert. Wir stolperten immer wieder über unsere Grenzen, Unfähigkeiten und Eigenheiten.

 

Wie gelingt unsere Vision von Ehe und Familie?

Unsere Überzeugung und Vision damals: Die Ehe als Lebensform hat eine herausra­gende Bedeutung für die Zukunft unserer Gesellschaft und Welt. Aber wie gelingt diese Vision? Unsere Aufgabenbereiche waren klar umrissen und personengebunden: Die Mama war zuhause und der Papa beruf­lich außer Haus. Das war frei gewählt und gemeinsam entschieden. Und gleichzeitig stellte sich die Frage nach unserer gemein­samen Aufgabe. Wir hatten die Sehnsucht nach Vertiefung unserer Beziehung, nach mehr Gemeinsamkeit und Erfüllung unse­rer Partnerschaft in einer uns verbinden­den Ausrichtung.

 

Uns fehlte das Handwerkszeug

Klar hatten wir unsere Familie als gemein­sames Drittes, als Projekt, für das wir uns beide voll einsetzten. Aber wir fühlten uns ein bisschen wie einsame Kämpfer, die mehr wollen, denen aber das nöti­ge Handwerkszeug fehlte. Da wurden wir auf die Akademie aufmerksam gemacht. War es das, was wir suchten? Wollten wir uns auf diesen intensiven Prozess zwei Jahre lang einlassen, dafür pro Jahr fünf Wochenenden und eine ganze Woche im Sommer investieren? Würden unsere Kinder mitziehen? Verlockend war, ganz in Ruhe auf uns, unsere Ehe und Familie schauen können. Eine Zeit, in der wir aus der gewohnten Umgebung heraustre­ten und nicht auf unsere Jahrzehnte lang geltenden Rollen, Überzeugungen und Ansichten festgelegt waren. Es lockte uns, noch einmal mit einer „neuen Brille“ auf unser Leben zu blicken.

 

Wir hatten über diese Themen schon Vorträge gehört, darüber gelesen und disku-tiert – aber eher auf intellektueller Ebene. Die Arbeitsweise in der Familientrainerausbildung setzt anders an: Als „Hausaufgabe“ bekamen wir etwa den Auftrag, drei Beispiele zu notieren, was es bei uns zuhause schön macht. Mit dem Fokus auf geglücktes Leben waren wir nicht so vertraut – eher registrierten wir das, was noch verbesserungsbedürftig ist. So fiel es uns nicht ganz leicht, drei schö­ne Beobachtungen aufzuschreiben. Beim nächsten Treffen sollten wir sie vor den anderen Paaren präsentieren! Klingt das nicht sehr nach Eigenlob?

 

Fokus auf das Gelingende

Und dann war es so wohltuend, zu erle­ben, wie alle Paare diese neue Perspektive auf ihre Ehe und Familie einnahmen und von ihren gelungenen Beispielen berich­teten. Wir haben dadurch nicht nur neue Anregungen bekommen, sondern es ent-stand durch diesen Blick auf das Gelingende eine Atmosphäre von Freude, Zuversicht und Sehnsucht nach mehr! Wir durften Anteil am Glück anderer Familien haben und ehrfürchtig aufnehmen, was sie aus ihrem Erfahrungsschatz mitteilten. Ganz nebenbei entstanden dadurch Gemeinschaftsgefühl und Freude aneinander.

 

Wachstumsorientierte Sicht

Langsam veränderte sich unsere Sichtweise auf das Leben: Wir bekamen Freude am „Gärtnern“, am Erleben, wie sich eine wachstumsorientierte Sicht auf das Leben bildete. Kennzeichen alles Lebendigen ist, dass es wächst. Wachstum zeigt sich in Veränderungen: Aus einer Zwiebel wächst in verschiedenen Wachstumsphasen eine Tulpe. Wer die Akademie besucht, ver­ändert sich. Ein Familientrainer „warnte“ einen Freund: „Wenn du so weiterma­chen willst wie bisher, dann darfst du den Familientrainer nicht machen.“

 

Wir sind in unserer jeweiligen Art sehr verschieden. Das erlebten wir immer wie­der als belastend. In der Trainerausbildung haben wir gelernt, dass wir damit nicht zum Scheitern verurteilt sind. Mein Partner ist nicht immer angenehm mit seinem Anderssein, seinen Ecken und Kanten – aber das ist von Gott so gewollt. Gott hat uns zusammengeführt und will, dass wir in unserer Liebe wachsen. Das ist der Sinn des Ehesakraments. Uns ist neu bewusst geworden, welch wunderbare Idee Gott von der Ehe hat. Wir haben von ihm eine großartige Berufung bekommen, ihn in der Welt sichtbar zu machen, indem er als Liebe zwischen uns Ehepartnern als „Dritter im Bund“ gegenwärtig ist.

 

Im zweiten Jahr der Ausbildung geht es um die Frage: Wie geben wir weiter, was uns wertvoll ist?

 

Ganz schnell tauchte die Frage auf: Wenn wir etwas weitergeben, müssen wir auf die­sem Gebiet dann nicht selber perfekt sein? Den Perfektionsanspruch entlarvten wir als Lebenslüge. Es gibt Phasen, da läuft es in der Familie oder in der Firma gut. Und doch ist die Beobachtung, dass dann keine Entwicklung stattfindet. Dieser Zustand ist auf Dauer nicht erstrebenswert! Wir müssen selber am Wachsen sein in dem Thema, über das wir referieren. Nur dann wird unser Vortrag authentisch.

 

Leben entfalten

Es geht bei der Akademie nicht darum, Wissen zu vermitteln, sondern Leben zu entfalten: Was in mir brennt, kann andere anstecken. „Leben entzündet sich am Leben“, lehrt uns Pater Kentenich. Ein Ehepaar aus einem Kurs sagte dem Leitungsteam der Akademie: „Das war das Beste, was uns in unserem Leben passie­ren konnte. Ihr habt unserem Leben als Ehepaar eine völlig neue Wendung gege­ben.“ Wir schließen uns dem dankbar an: Durch die neue Sichtweise, die uns die Akademie gelehrt hat, ist unsere Welt bun­ter, reicher und schöner geworden.

 

 

 

 

Quelle: Unser Weg 2018 Qrt. 4