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ERLEBTER KLIMAWANDEL?



 

 

Auf die Sprache des Herzens kommt es an. Ein neuer Stil des Miteinanders in der Ehe.

 

Die Vereinten Nationen und der Chemiekonzern Bayer veranstalten im Rahmen des Umweltprogramms UNEP jedes Jahr einen Malwettbewerb für Kinder. 2007 lautete das Thema "erlebter Klimawandel". Zu den Preisträgern gehörte auch die zwölfjährige Katarina Nishchuk aus Russland. Auf ihrem Bild sehen wir eine brennende Sonne, ein kleine, schmelzende Eisscholle, auf der ein Eisbär sich sein Bärenfell wie ein Faschingskostüm auszuziehen versucht.

 

Wärmer geworden?

Dieses Bild vom Eisbären, der gerade sein Fell auszieht, ist für mich ein schönes Symbol für die Chancen, die unser Glaube bietet. Denn die meisten von uns haben sich ein solches Bärenfell zugelegt, um ihr Herz vor der Kälte zu schützen. Wenn auch alle Welt von Klimaerwärmung redet, das zwischenmenschliche Klima jedoch scheint im Allgemeinen kälter geworden zu sein. So ist es ein selbstverständlicher Überlebensreflex, dass wir unser Herz vor Kälte schützen. Doch jeder Schutz ist gleichzeitig auch eine Isolierung. Das heißt, wir bezahlen für diesen Schutz einen hohen Preis: den Verlust von Nähe. Und so besingen auch viele Schlager das Thema Einsamkeit.

 

Was bedeutet hier unser Glaube?

Wir sind von klein auf daran gewöhnt und damit vertraut, dass Gott Mensch geworden ist und zwar auf dem ganz vertrauten Weg über das Geborenwerden. Wenn wir unsere Fantasie anstrengen, dann können wir uns auch andere Möglichkeiten vorstellen. Gott hätte ja auch gleich als Erwachsener auf diese Welt kommen können. Er hätte ja auch seine göttliche Herrlichkeit der Welt so eindrucksvoll demonstrieren können, dass die Menschen gar keine andere Wahl gehabt hätten, als ihm zuzustimmen und ihm zu huldigen. Nun hat er sich aber für diesen Weg entschieden, der uns so vertraut ist. Warum wohl?

 

Das Eisbärenfell ausziehen

Wenn der große allmächtige Gott als kleines, schutzbedürftiges Kind auf diese Welt kommt, dann will er es uns besonders leicht machen, mit ihm Kontakt aufzunehmen. Vor einem kleinen Kind braucht man keine Angst zu haben, und man braucht sich nicht in Sicherheit zu bringen. Wenn Gott nun genau diesen Weg gewählt hat, dann dürfen wir ihm gegenüber das Eisbärenfell ausziehen. Wir müssen uns nicht vor ihm schützen. Wir können ihn ganz dicht an uns heran lassen. Ja, mehr noch: Wir können ihn in unser Herz aufnehmen. Gott selbst hat sich verwundbar gemacht. Und wie konsequent er diese Entscheidung durchträgt, das meditieren wir am Karfreitag. Deshalb können auch wir uns ihm gegenüber verwundbar zeigen.

 

Doch was für viele ein leicht zu vollziehender Schritt ist, scheint für andere Menschen kaum machbar. Was meine ich damit? "In vielen Schulklassen herrscht ein Klima, in dem derjenige, der Verletzlichkeit zeigt, angegriffen wird. Zwar nicht mit Fäusten, aber durch beschämende Bloßstellung. Viele Kinder lernen schnell, alle Anzeichen von Schwäche, Empfindsamkeit und Empfindlichkeit genauso wie jede Beunruhigung, jede Angst, jeden Eifer, jede Bedürftigkeit oder starke Neugier zu verstecken. Vor allem dürfen sie niemals zeigen, dass eine Provokation sie getroffen hat." (vgl.Unsere Kinder brauchen uns, Genius-Verlag Bremen 2007, S.113f)

 

Wenn die Frau weint

Mancher Ehemann gesteht, dass er mit einer bestimmten Situation ganz schlecht umgehen kann: Dann nämlich, wenn seine Frau weint. Der Mann fühlt sich irgendwie schuldig an den Tränen und doch unschuldig, weil er ja das nicht gewollt hat. Aber der Versuch, sie zu beruhigen mit dem Hinweis, dass sie doch eigentlich keinen Grund zum Weinen hätte, macht die Sache noch komplizierter, denn die Frau fühlt sich in ihrem Verletztsein nicht ernst genommen. Und so entpuppt sich mancher wohlmeinende Tröstungsversuch als reiner Beruhigungsversuch, um möglichst schnell aus der unmöglichen Situation wieder in die Normalität zurückzufinden.

 

Eine unsichtbare Mauer wächst

Und schon ist in Sekundenschnelle eine unsichtbare Mauer zwischen beiden gewachsen. Die Frau fühlt sich nicht verstanden von ihrem Mann. Aber anstatt im Nach hinein dem Ehepartner zu erklären, was passiert ist, und ihm zu helfen, seine innere Blockade gegen die Verletzlichkeit und Verwundbarkeit langsam aufzulösen, telefoniert sie mit ihrer Freundin, wie schlimm und uneinfühlsam die Männer wären. Gott sei Dank gibt es inzwischen viele Ehepaare, die es gelernt haben, sich gegenseitig ihre Verletzlichkeit zu zeigen und behutsam damit umzugehen. Für die - se mag es wie ein Klischee erscheinen, was ich eben beschrieben habe. Doch es ist kein Klischee. Vielleicht haben diese wenigen Blitzlichter aus dem Alltag Ihnen auf - zeigen können, wie schwierig, ja fast unmöglich es für so manchen ist, sein Eisbärenfell auszuziehen. Um im Bild zu bleiben: Der Reißverschluss klemmt schon im oberen Drittel.

 

Einen Liebesbrief schreiben

Was könnte es an Gewinn von Nähe bedeuten, wenn man sich in der Familie heute Nachmittag hinsetzt und anstatt fern zu sehen, schreibt man sich gegenseitig Liebesbriefe, die aber nicht leere oder gar unaufrichtige Schmeicheleien enthalten, sondern auf tatsächlichen Beobachtungen beruhen? Der Vorteil eines solchen Briefs wäre: Der Empfänger kann ihn aufheben und immer wieder einmal lesen, wenn ihm danach zumute ist.

 

Die Sprache des Herzens lernen

Als Pater Kentenich, der spätere Gründer der Schönstatt-Bewegung, 1912 seine neue Aufgabe als Spiritual im Kleinen Seminar der Pallotiner übernahm, sagte er den Schülern in seinem ersten Vortrag: "Es darf nicht mehr vorkommen, dass wir verschiedene fremde Sprachen entsprechend dem Klassenziele beherrschen, aber in der Kenntnis, im Verständnis der Sprache unseres Herzens die reinsten Stümper sind. ... Der Grad unseres Fortschritts in den Wissenschaften muss der Grad unserer inneren Vertiefung, unseres seelischen Wachstums sein. Vor allem müssen wir uns kennen lernen und uns an eine freie, unserm Bildungsgrade entsprechende, gegenseitige Aussprache gewöhnen."

 

Was Pater Kentenich 1912 die "Sprache des Herzens" nannte, das kann gerade in der Ehe eingeübt werden.

 

 



Inhalt
ERLEBTER KLIMAWANDEL?
ICH SEHNE MICH DANACH, BEI DIR ZU SEIN
KLIMAFAKTOR: ZEIT SCHENKEN
KLASSE(N)KLIMA
KONTROLLE IST GUT, VERTRAUEN BESSER
DAS EIGENE GEHEIMNIS ZUR ENTFALTUNG BRINGEN
DIE TALENTE IM KIND ENTDECKEN
EINFACHER LEBEN
AUF WAS KOMMT ES JETZT WIRKLICH AN?
BEWUSST LEBEN
EIN GEEIGNETES KLIMA FÜR INNOVATION
FÜNF SIND NOCH KEIN DUTZEND
KINDER, KÜCHE … UND KARRIERE?
Meditation: Wandlung

  

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