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AUF WAS KOMMT ES JETZT WIRKLICH AN?



 

 

Oder: Vom Luxus der Zufriedenheit

Finanzkrise und Klimawandel fordern uns heraus, eine neue Kultur zu entwickeln.

 

 

"Ich rechne damit, dass in der zweiten Jahreshälfte bei uns die Folgen der Finanzkrise spürbar ankommen werden", sagte kürzlich ein Transportunternehmer. Inhaber von Lebensmittelketten erwarten eben falls, dass es beim Import und Export zu großen Einbrüchen kommen wird in diesem Jahr. Schon jetzt beginnen einzelne Verantwortliche, mehr auf die Ressourcen aus der Region zu setzen, um sich unabhängiger vom Import zu machen.

 

Die Finanzkrise lässt uns erfahren, dass die Dynamik von immer mehr Gewinn, immer mehr Zinsen, immer mehr Konsum keine Endlos-Spirale ist.

 

Was hat das zu bedeuten?

Bei einem solchen Einbruch kann die tastende Frage aufkommen: Was hat das zu bedeuten? Musste es so kommen? Ob Gott etwas vorhat mit dieser Entwicklung? Wollte er uns ausbremsen, uns aufrütteln? Was ist jetzt dran?

 

Der Expertenbericht der Kommission der europäischen Bischofskonferenz zum Klimawandel im November vergangenen Jahres bringt zum Ausdruck, dass der Klimawandel das Symptom eines verantwortungslosen Lebens-, Produktions- und Konsumstils ist. Es gehe jetzt darum, unseren Lebensstil zu hinterfragen und uns auf freiwilliges Maßhalten zu besinnen. Ob dies auch die Botschaft der Finanzkrise für uns ist?

  

Zufrieden bei Mangel und im Überfluss

Sprechend in diesem Zusammenhang finde ich einen Briefauszug von Pater Kentenich – geschrieben zu Weihnachten 1941 aus dem Gefängnis – in einer Zeit anderer Zusammenbrüche.

 

"Ich kann auch mit Paulus (Phil 4,11- 14) sagen: Ich habe gelernt, mit den Verhältnissen, in denen ich mich gerade befinde, zufrieden zu sein. Ich verstehe es, mich in drückende Verhältnisse zu schicken, und verstehe es auch, im Überfluss mich zu benehmen. In alles und jedes bin ich eingeweiht: Satt zu sein und Hunger zu haben, Überfluss zu haben und Entbehrung. Alles vermag ich in dem, der mich stärkt."

 

Im Folgenden lenkt er den Blick auf den Kern, den er als Absicht Gottes aus den Verhältnissen liest:

 

Wachstum der Liebe

"Sie dürfen beobachten, dass Gott diese Haft allseits zum Besten der Einzelnen und der Gesamtfamilie auswertet und ausgewertet wissen will. Sie dürfen sich folglich nicht so sehr um mich sorgen, als um das Wachstum der Liebe in Ihren Seelen."

 

Vor einigen Jahren beeindruckte mich der Kurzspielfilm "Silent love". Josh Broecker verfilmte die Kurzgeschichte von O. Henry.

 

Der Film spielt an Weihnachten um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert. Er handelt von einem Liebespaar in bitterer Armut. Beide haben kein Geld, um dem Geliebten eine Freude zu machen. So kommt ER auf die Idee, seine geliebte Geige zu verkaufen, um IHR für ihre prächtigen schwarzen Locken eine silberne Haarspange zu kaufen.

 

SIE, die um seine große Liebe zur Geige weiß, möchte ihm gerne einen Geigenbogen schenken, dass er wieder spielen kann. Die einzige Möglichkeit, um an das nötige Geld zu kommen, sieht sie darin, ihre langen schwarzen Haare zu verkaufen. Mit Tränen in den Augen sitzt sie beim Friseur.

 

Beide ringen sich unabhängig voneinander ein Herzensopfer ab, um den Geliebten mit einem besonderen Geschenk zu überraschen. Der Weihnachtsabend selber, der mit gespannter Freude erwartet wird, treibt dann beiden die Tränen in die Augen. Auch wenn eine gewisse Tragik in der äußeren Sinnlosigkeit des Opfers liegt, da die Geschenke beide momentan nicht mehr verwendet werden können, ist doch die Liebe dahinter das größte Geschenk. Lieben bis es weh tut. In der Freude und dem Glück über diese Liebe endet der Kurzfilm.

 

Zivilisation der Liebe

Der Film gefällt mir deshalb so gut, weil er in den momentan in der Luft liegenden Fragen von Armut und Reichtum und dem Umgang mit Ressourcen abzielt auf die tiefere Motivation: die Liebe. Papst Johannes Paul II hat dieses Anliegen oft in die Worte gebracht: eine neue Zivilisation der Liebe.

 

Finanzkrise, Ressourcenknappheit und Klimawandel rufen nach einem gewandelten Lebensstil, nach einem gewandelten Umgang mit den Dingen des Lebens. "Was dem Vater wohlgefällt, tue ich allezeit" ist die Devise Christi und deshalb auch die Devise des Christen. Letztlich geht es dabei um das Wachstum der Liebe, ob ich nun genieße oder verzichte.

 



Inhalt
ERLEBTER KLIMAWANDEL?
ICH SEHNE MICH DANACH, BEI DIR ZU SEIN
KLIMAFAKTOR: ZEIT SCHENKEN
KLASSE(N)KLIMA
KONTROLLE IST GUT, VERTRAUEN BESSER
DAS EIGENE GEHEIMNIS ZUR ENTFALTUNG BRINGEN
DIE TALENTE IM KIND ENTDECKEN
EINFACHER LEBEN
AUF WAS KOMMT ES JETZT WIRKLICH AN?
BEWUSST LEBEN
EIN GEEIGNETES KLIMA FÜR INNOVATION
FÜNF SIND NOCH KEIN DUTZEND
KINDER, KÜCHE … UND KARRIERE?
Meditation: Wandlung

  

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